Aus VDI Nachrichten Band 77 Nr. 31 vom 5. Aug. 1933 Seite 839 u. S.840

Industrie und Wehrkraft
Von Ministerialrat Dipl.-Ing. F. BROMMER  VDI, Berlin
Vorgetragen im Berliner Bezirksverein des Vereines deutscher Ingenieure am 14. Juni 1933
In allen größeren Staaten außer in Deutschland, dem man ja durch das Versailler Diktat das Recht auf wirksame Landesverteidigung genommen hat, wird fieberhaft daran gearbeitet, Menschen und Dinge bereit zu machen zum wirkungsvollen Einsatz sofort bei Beginn eines Krieges. Bei dem vorgeschrittenen Stand der Technik hängt die militärische Schlagkraft entscheidend von der Vorbereitung der Industrie auf Lieferung von Kriegsgerät ab. Das Recht auf Selbsterhaltung gebietet, daß wir uns auch in Deutschland wenigstens theoretisch mit diesen Fragen befassen. Der Verein deutscher Ingenieure hat daher seinen Bezirksvereinen nahe gelegt, in ihrer Arbeit die Fragen der Wehrtechnik durch ein Studium der Maßnahmen des Auslandes zu berücksichtigen. Es ist dringend notwendig, daß sich der deutsche Ingenieur der mannigfaltigen technischen Aufgaben bewußt ist, die mit der Sicherung der Rohstoff- und Lebensmittelversorgung wie der Konstruktion und Fertigung von Wehrmachtsgerät aller Art im Ernstfall zusammenhängen. Der nachstehende Vortrag zeigt, wie andre Staaten die industrielle Mobilmachung vorbereiten. Hieraus ergeben sich Schlußfolgerungen darauf, was in dem verteidigungstechnisch ganz besonders ungünstig gelegenen Deutschland getan werden müßte.                                                                                              Die Schriftleitung

 

Aus den Erfahrungen, die ich vor dem Kriege in der P- Fertigung von Heeresgerät und während des Krieges im Königl. Fabrikationsbüro Spandau (Fabo) gesammelt habe, und auf Grund von Veröffentlichungen des Auslandes nach dem Kriege habe ich die nachfolgenden Gedankengänge über die Beziehungen zwischen Industrie und Wehrkraft entwickelt. Ich bedaure sehr, daß ich es nicht auf Grund eigener Tätigkeit nach dem Kriege tun kann. Denn da — nach einem Wort Mussolinis — unsere Feinde „nur .Papierschiffchen" haben, so hielten sie eine industrielle Wehrkraft Deutschlands für überflüssig und haben sie uns verboten.

Es ist heute allgemein anerkannt, daß die Schlagkraft eines Heeres nicht mehr allein von Ausbildung und Moral seiner Soldaten, von der Ausrüstung und von den aufgestapelten Beständen an Kriegsgerät und Geschossen abhängt. Denn bei der heutigen Art der Kriegführung und dem heute dabei üblichen Zeitmaß reichen die Bestände wohl aller Völker nicht weit, jedenfalls nicht bis zum Kriegsende, Es muß unter allen Umständen dafür gesorgt werden, daß der Bedarf der Truppe aus der Fabrikation in der Heimat gedeckt werden kann, und zwar im Augenblick des Aufbrauchs der Friedensbestände. Die Aufgabe der Truppenversorgung muß also nicht nur mengenmäßig, sie muß auch zeitlich gelöst werden. Hier setzt die Beziehung der Industrie zur Wehrkraft ein.

Befriedigung des Heeresbedarfs im Kriege
— Aufgabe des ganzen Volkes

Von der richtigen Lösung der industriellen Aufgabe hängt letzten Endes der Erfolg des ganzen Krieges ab. Die Folgen eines verlorenen Krieges kennen wir. Eine ungeheure Verantwortung ruht daher in dieser Richtung auf dem ganzen Volk. Wehe dem Volk, das die Aufgabe nicht erkannt oder nicht gelöst hat. Das deutsche Volk beginnt erst, sie zu erkennen.
Es ist nicht zuviel, wenn ich auch für kommende Kriege vom ganzen Volk sprach. Der Bedarf an Kriegsgerät und Geschossen und der Zeitpunkt des Bedarfs sind zwar bei gegebenen Beständen von der Kriegführung abhängig. Aber gerade aus dieser Unbestimmtheit folgt die Pflicht, alle Kräfte und die größte Sorgfalt an die Aufgabe zu setzen, d. h. die gesamte Industrie und damit das ganze Volk. Und zeitlich kann es nur heißen: mit allen Mitteln so schnell wie möglich. Alle Völker um uns her und sogar die Vereinigten Staaten von Amerika mit ihrer für einen Krieg glänzenden geographischen Lage haben sich so eingestellt. Es gibt also keine Wahl mehr bezüglich des Ausmaßes; es ist vorgeschrieben.
Bei der genannten Aufgabe handelt es sich um eine solche der wissenschaftlichen Betriebsführung, und zwar eine gewaltigsten Ausmaßes. Jede Herstellung - nach
wissenschaftlichen Gesichtspunkten bedarf der eingehenden Vorbereitung. Bei der Kriegsfertigung nennt man sie Vorbereitung der industriellen Mobilmachung.
Daß zwischen Vorbereitung und Fertigung hierbei Jahre liegen können, tut nichts zur Sache und fordert von allen an der Vorbereitung Beteiligten nur um so größere Gewissenhaftigkeit und Umsicht.

Gerade Deutschland, dem man lediglich ein kleines Heer belassen hat, dem man nur kleine Friedensbestände an Gerät und Geschossen gestattete, dem man die staatlichen Waffenfabriken vernichtete und verbot und dem man nur kleine private Rüstungsfabriken genehmigte, die zum Teil noch ganz an der Grenze im Bereich feindlicher Geschütze liegen, gerade Deutschland, das geographisch am ungünstigsten liegt und das eine ungenügende Rohstoffgrundlage besitzt, hat man auch noch den so dringenden Nachschub unmöglich gemacht zur Freude eines Angreifers, indem man Deutschland allein die Vorbereitung der industriellen Mobilmachung und die Einübung der Kriegsgerätfertigung in der Industrie verbot. Denn ohne sie kommt der Nachschub unter allen Umständen zu spät.


Im letzten Kriege hat bei allen Völkern die Fertigung der ersten Geschütze etwa ein Jahr gedauert. Sogar die Umstellung von einer Zünderart auf eine andere hat — noch mitten im Kriege — über ein halbes Jahr gebraucht. Amerika konnte es den ganzen Krieg über nicht zu nennenswerten Lieferungen bringen; es hätte allerdings von Kriegsschluß ab dank seiner planmäßigen Arbeit gewaltige Mengen von Kriegsgerät nach Europa liefern können.

Die Zeitfrage liegt für Deutschland insofern noch besonders ungünstig, als der Feindbund uns in sämtlichen Fabriken der Industrie nicht nur die zur Kriegsfertigung besonders geeigneten und schwer erhältlichen Maschinen, sondern in ganz planmäßiger und haßerfüllter Vernichtungsarbeit die gewaltigen Mengen von Vorrichtungen, Werkzeugen und Lehren aus dem Kriege zerstörte, während z. B. Frankreich die seinigen wohlverwahrt und sofort verwendungsbereit noch besitzt.
Sie mögen daraus auch ermessen, wie sehr unsere Feinde wider besseres Wissen reden, wenn sie immer wieder bezüglich der Wehrkraft unserer Industrie behaupten, unsere tüchtige Industrie sei sofort wieder in der Lage, Kriegsgerät zu liefern.

Fertigungsvorbereitung in den Vereinigten Staaten
Auf Grund von Veröffentlichungen möchte ich nun die Maßnahmen schildern, die sogar das rohstoffreiche und geographisch geschützte Amerika für notwendig gehalten hat, um seine Industrie wehrhaft zu machen. Dabei werde ich auf Gesichtspunkte hinweisen, die für uns mit Rücksicht auf unsere eigene viel schlechtere Lage nötig erscheinen.


Amerika entwickelt zunächst seine gesamten Wehrmachtgeräte konstruktiv nach den militärischen Gesichtspunkten. Hierbei kommen nicht nur die taktischen Forderungen und die Fragen der bequemen Handhabung, des unbehinderten Tragens von Lasten u. dergl., in Betracht, sondern vor allem die Notwendigkeit, daß die Beanspruchungen des Schusses, des Fahrens und der Handhabung durch Soldaten auch bei großer Eile beherrscht und die Instandsetzungsmöglichkeiten im Felde berücksichtigt werden.

Gerade die letzten Gesichtspunkte erfordern eine große Erfahrung und eine Erziehung eines großen Stammes von Menschen. Denn bei Geschützen kommen Massendrücke entsprechend der 1000- fachen Erdbeschleunigung, bei Geschossen von der 10000-fachen Erdbeschleunigung vor. Nach 100 km Fahrt kann man in einem Munitionswagen trotz guter Verstauung von Geschoßkörben nur noch deren Späne vorfinden. Im Trab über Pflaster geht vieles zugrunde, was im zivilen Fahrzeugbau standhält. Was den Gewaltbeschuß und das Fahren auf der Hindernisbahn des Versuchsschießplatzes ausgehalten hat, braucht beim Truppenversuch noch lange nicht ganz zu bleiben.

So wünschenswert Ratschläge aus der allgemeinen Industrie bezüglich Konstruktion, Werkstoffe usw. sind, jahrzehntelange Erfahrung hat gezeigt, daß die besonderen Schwierigkeiten des Wehrmachtgeräts dort einfach nicht bekannt sind, weil sie dort nicht vorkommen, und daß nur Erziehung und Überlieferung im eigenen Personal des Heeres darüber weghelfen. Ein solches Personal kann man nur in eigenen Fabriken des Staates heranbilden und erhalten. Deutschland hat man darum solche Staatsfabriken verboten.

Jedes entwickelte Heeresgerät wird in Amerika in Staatsfabriken vor seiner endgültigen Einführung einmal hergestellt. Dies geschieht nicht nur zur Überprüfung der Zeichnungen und der Konstruktion in fabrikatorischer Hinsicht, sondern vor allem, um einen genauen Fertigungsplan aufzustellen. Auf diese Weise sind für die Hunderte von Gegenständen des Heeres- und Marinebedarfs die Fertigungspläne und anschließend eingehende Maschinenbedarfslisten aufgestellt worden, die für jeden Gegenstand sämtliche zur Herstellung notwendigen Maschinenarten und Einrichtungen bis zu den Härteprüfern und Stempelmaschinen mit Größenangabe enthalten und außerdem die Benutzungszeit für jede Maschine angeben; beigefügt ist die für eine bestimmte Stückzahl — z. B. für 25 000 Stück 7,5 cm - Geschosse je Monat — erforderliche Anzahl von Maschinen. Es ist noch zu erkennen, daß diesen Maschinenbedarfslisten die zuerst erwähnten ausführlichen Fertigungspläne, Arbeitsgänge, zugrunde liegen. Denn bei jeder Maschine sind die Nummern derjenigen Arbeitsgänge angegeben, bei denen sie verwendet werden sollen.

Diese Maschinenbedarfslisten wurden dazu benutzt, zunächst für jede Gerätart  - Geschütze, Gewehre, Geschosse, Zünder, Fahrzeuge usw. - die zu ihrer Herstellung geeigneten Fabriken auszusuchen und dann festzustellen, welche Mengen davon jede einzelne Fabrik je Monat herstellen kann. Für jede Fabrik und jeden Gegenstand werden dann eingehende Werkstatt- Erkundungsbogen aufgestellt, die dem Maschinen -Bedarf die verfügbaren Maschinen gegenüberstellen und so genau ermitteln,


1. wieviel Stück jede Maschine leisten kann,
2. welche einzelnen Maschinen fehlen oder knapp sind (mit Zahlenangabe),
3. welche  Maschinen   überzählig   sind    (ebenfalls mit Zahlenangabe).
 

Dabei weise ich ausdrücklich auf das Folgende hin. Obwohl man bei der militärischen Zentralstelle festgelegt hat, daß man jedes Werk nur zu 50 % mit Wehrmachtgerät belegen will, verlangt man doch auf Grund der Erfahrungen des letzten Krieges zahlenmäßige, geprüfte Feststellungen und begnügt sich nicht mit Schätzungen auf Grund allgemeiner Fertigungserfahrungen und Firmenkenntnis oder mit einseitigen Angaben der Werke. Denn auch in Amerika scheinen die fabrikatorischen Einzelerfahrungen mit Wehrmachtgerät verlorengegangen zu sein, so daß der Staat eingreifen muß.

Auch noch aus einem anderen Grunde will der Staat selbst die Firmen auswählen: man spricht es klar aus, daß man die geeigneten Firmen finden will, nicht gerade nur diejenigen, welche mit patriotischen Redensarten sich Kriegsaufträge sichern wollen.

Da es zu Kriegsbeginn ganz wesentlich auf die Schnelligkeit des Anlaufs der Fertigung ankommt, so sichert man sich im Frieden auch schon hinsichtlich der möglichen Liefermenge. Zu Kriegsbeginn, statt zu fertigen, die Werkstätten erst durch Neubauten oder durch Bestellung neuer Maschinen zu erweitern, während andere Werke sie schon besitzen, wäre ein unerträglicher Zeitverlust und ein Raubbau an der industriellen Kraft des Landes.
Man geht also in die Fabriken hinein, erkundet sie peinlich genau — das Verhältnis der vorhandenen Maschinen zum Bedarf wird stellenweise sogar graphisch dargestellt — und legt die im Kriege dem Werk zu erteilenden Aufträge nach Art und Menge fest. Die Zahlen über fehlende und überschüssige Maschinen bilden die Unterlage für einen großzügigen und schnellen Maschinenausgleich unter benachbarten Werken, so daß man nicht auf die Neuanfertigung zu warten braucht. So sind jedem Werk schon jetzt seine Kriegsaufträge zugewiesen. Jedes Werk kann sich schon heute seine Unter- und Werkstofflieferer suchen. Ausschreibungen, Auftragserteilungen sind im Krieg nicht mehr erforderlich, alles läuft selbsttätig an.
Die Krone soll dieser gewaltigen organisatorischen und technischen Arbeit gegeben werden durch Aufträge im Frieden an die für den Krieg vorgesehenen Werke, die als Lehraufträge natürlich nur begrenzt sein können, aber die Werke doch einarbeiten, sie mit den besonderen Schwierigkeiten des Wehrmachtgeräts vertraut machen, Fehler in den sehr zahlreichen Unterlagen ausgleichen, vor allem aber bewirken, daß Vorrichtungen, Werkzeuge, Lehren überall wenigstens in einem gewissen Umfang bereitliegen. Diese Lehraufträge konnten in Amerika zum großen Leidwesen der verantwortlichen Stellen zwar noch nicht voll durchgeführt werden, weil die Mittel dazu nicht bewilligt wurden. Aber Anzeichen sprechen dafür, daß sie den wichtigsten Firmen und für die wichtigsten Geräte erteilt worden sind. Mängel in dieser Richtung werden durch eine vorzüglich organisierte Zusammenarbeit zwischen Wehrmacht und Industrie ausgeglichen.
Bevor ich jedoch über diese spreche, möchte ich mir einige Worte erlauben über den Umfang, den eine Fertigungsvorbereitung nach den besonderen Umständen in Deutschland m. E. einnehmen müßte.

Notwendiger  Umfang  einer  Fertigungsvorbereitung für Deutschland
Wir liegen geographisch nicht so günstig, unsere Rohstoffgrundlage ist schlechter, das Land ist kleiner, wir sind in ganz anderem Maß von Fliegerangriffen bedroht. Wir könnten es uns nicht leisten!, die Werke nur mit 50 % mit Kriegsgerät zu belegen. Es ist ganz klar, daß wir weit mehr noch als Amerika die Schnelligkeit des Anlaufs der Herstellung betonen müßten. Ganz scharf müßten wir m. E. alle Gesichtspunkte untersuchen und ohne Rücksichtnahme auf die einzelnen Firmen durchführen, die Zeit gewinnen lassen.

Wir dürften daher nicht nur die Aufträge auf die fertigen Gegenstände festlegen, sondern müßten sicher auch in vielen wichtigen Punkten die Unter- und Zulieferer verteilen. Ja bis zur Herstellung der Halbzeuge und der Rohstoffe müßten wir vordringen. Das einzelne Walzgerüst, der einzelne Siemens-Martinofen müßte untersucht und belegt werden. Die Planung  müßte  m. E. weiter auf die Vorrichtungen, Werkzeuge und Lehren ausgedehnt werden.

In ganz anderem Maße, als Amerika es wirklich tut, müßten wir Ersatzstoffe und Ersatzfertigungen für den Krieg suchen und dafür die Einrichtungen in der Industrie vorbereiten. Unsere Planung müßte also, wenn wir sie einmal durchführen dürften, die amerikanische im Ausmaß und in der Tiefe erheblich übertreffen, wenn wir in der Lage sein sollen, uns wirklich zu verteidigen. Und damit will ich zugleich sagen, daß sie für uns viel nötiger wäre als für Amerika.

Persönliche Zusammenarbeit zwischen Heer und Industrie in Amerika
Ohne eingehende Zusammenarbeit mit der Industrie und mit zahlreichen Fachleuten kann eine solch große Arbeit, die das ganze Land betrifft, natürlich nicht geleistet werden. Amerika hat dies auch erkannt und berücksichtigt.
Das Land ist zunächst in 14 Bezirke eingeteilt, in denen für jeden militärischen Beschaffungsbereich je ein besonders vorgebildeter Offizier zur Vorbereitung der industriellen Mobilmachung eingesetzt ist. Jedem dieser Offiziere ist ein Industrieller des Bezirks beigegeben, der die großen Richtlinien für die Verteilung der Kriegsaufträge auf die Industrie mitbearbeitet und auch sonst den betreffenden Offizier berät. Wie diesen Offizieren, so ist auch deren Spitze, der zentralen Beschaffungsstelle der Wehrmacht, welche letzten Endes den verschiedenen Beschaffungsgebieten die Firmen zuweist, für den nötigen Ausgleich sorgt und ohne deren Einverständnis keine Firma belegt werden darf, ein industrieller Beirat beigegeben.
Zur Heranziehung einer großen Anzahl von Ingenieuren, zur Verbreitung der nötigen militärischen Kenntnisse, zur Einstellung der Industrie auf ihre Aufgaben im Krieg und zur dauernden Zusammenarbeit mit den militärischen Dienststellen hat man eine große Gesellschaft, die Army Ordnance Association , die Gesellschaft für Wehrmachtsrüstung, gegründet. Diese ist sehr tätig und gibt eine eigene Zeitschrift heraus, die „Army Ordnance", die auch kriegsorganisatorische und fabrikatorische Fragen behandelt. Bemerkenswert ist der folgende Satz, der unter dem Kopf der Zeitschrift steht:
„Pledged to Public Service in Effecting Industrial Preparedness for War äs Our Strongest Guarantee of Peace".
Zu Deutsch:    „Dem öffentlichen Dienst gewidmet zur Verwirklichung   der   Kriegsbereitschaft   der Industrie als unseres stärksten Unterpfandes des Friedens."

Dieser Gesellschaft gehören auch viele  Reserveoffiziere aus dem Offizierskorps des Gerätewesens an, die von Zeit zu Zeit  zu    Übungen    zu    den    militärischen Kriegsbeschaffungsbehörden eingezogen werden Die   dauernde   Mitarbeit   dieser   Kreise,   die   einen großen Teil ihrer Freizeit dafür opfern, und die unmittelbare Zusammenarbeit mit der für den Krieg vorgesehenen Industrie hat es ermöglicht, die Fertigungspläne des Staates laufend zu verbessern, die Konstruktion der Wehrmachtgeräte in fabrikatorischer Hinsicht günstig zu beeinflussen, die Ersatzfrage zu fördern und besonders die große - Gesamtplanung immer mehr zu vertiefen und sicherer zu gestalten.

Maßregeln gegen ungerechtfertigte Kriegsgewinne
Die industrielle Mobilmachung soll aber nicht nur gerade die gewünschte Industrieleistung im Kriege erzielen oder technisch richtig verlaufen, sie soll auch nicht mehr als nötig kosten und vor allem nicht Anlaß zu einer Entsittlichung des Volkes geben durch leichten Gewinn. „Kriegsgewinne, die über Verdienste hinausgehen, die der Leistung entsprechen, darf es nicht geben", sagt man in Amerika. Daher hat man sich dort sehr eifrig mit der Frage der Preisbildung im Kriege beschäftigt, um solche Verfahren zu finden, daß der Industrielle nicht nur auf die Erhöhung der Preise, sondern auch auf die Wirtschaftlichkeit seiner Kriegsfertigung bedacht ist. Verfahren sind auf diesem Gebiet gefunden worden, doch ist mir noch nicht bekannt, daß sie auch schon Gesetz geworden seien.

Maßnahmen andrer Staaten
In den Großstaaten — außer Deutschland — sind heute auch Gesetze in Bearbeitung, die den Staat ermächtigen, im Krieg alle Kräfte des Volkes, Personen und Sachen, ohne Rücksicht auf den einzelnen in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, im Frieden die notwendige Mitarbeit an der Kriegsvorbereitung zu verlangen und die notwendigen staatlichen Einrichtungen zu schaffen, die in der Lage sind, diese Arbeiten zu leiten. Wenn solche bedeutenden Kriegsleistungsgesetze, welche zu so großen Aufgaben eigentlich nötig sind, wie ich sie schilderte, und die sich noch auf andere weite Gebiete ausdehnen müssen, wie Geldwesen, Ernährung, Verkehr, wenn solche Gesetze auch noch nicht erlassen worden sind, so liegen sie doch in den Schubladen bereit, und man handelt heute schon danach. In Frankreich haben sie der Kammer und dem Senat vorgelegen. Dagegen sind in allen Ländern die Reichsverteidigungsräte gebildet mit den Vollmachten, allen Ministerien des Landes ihre Kriegsaufgaben zuzuweisen und die vollkommene Lösung auf dem Gesamtgebiet zu überwachen.
Wir haben nun in Deutschland endlich den Grundsatz „Gemeinnutz vor Eigennutz" durchgesetzt, den ein Volk in seiner Wehrhaftmachung, im besonderen seiner Industrie, sowohl bei der Vorbereitung wie im Kriege rücksichtslos wird anwenden müssen. Möge unsere Einheit und Einigkeit uns auch die rechtliche Grundlage dafür bringen wie den andern Staaten. Wir Ingenieure wollen dann schon unseren Mann stehen. B 9429


 

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