Sprinkleranlagen für den Luftschutz
 Die Aufgabe der Sprinkleranlagen
Im Luftschutz fällt den Sprinkleranlagen die Aufgabe zu, die stark feuerentfachende Wirkung abgeworfener Brandbomben zu unterbinden und entstehendes Feuer abzulöschen. Dieser Abwehrkampf gilt insbesondere den aus Elektron mit Thermitfüllung hergestellten Bomben. Sie entwickeln eine Temperatur von wenigstens 2000° C und bilden dann eine glühend flüssige Metallmasse, die sich vermöge ihrer Eigenart durch kein Löschmittel ablöschen läßt. Überdies besteht die Gefahr, daß durch Wasserzuführung ein verstärktes Versprühen des Brand -Stoffes bewirkt wird. Weniger wichtig ist die Knallgasbildung, die erst bei starker Wasserabdeckung in Erscheinung tritt. Die Phosphorbombe, die wegen ihrer außerordentlich starken Sprühwirkung gefürchtet ist, läßt sich vorübergehend mit Wasser ablöschen; es besteht jedoch die Gefahr, daß sie sich später wieder von selbst entzündet.
Flugzeuge können in großer Zahl Brandbomben mitführen, da diese höchstens einige Kilogramm schwer sind. Und sie brauchen auch nicht schwerer zu sein, da meistens nur die Dachhaut eines Gebäudes durchschlagen werden soll, um das darunter angehäufte, leicht brennbare Wirtschaftsgut in Brand zu setzen. Wird ein Gebäude mit Brandbomben belegt, so soll bei Feuerausbruch die Sprinkleranlage unverzüglich in der ihr eigenen Löschkraft einsetzen. Dies geschieht ohne Rücksicht auf die noch feuersprühende Bombe, die bis 10 min Brenndauer hat.
Genau wie sonst bei einem Brande öffnen sich unter der Hitzeeinwirkung einige Sprinkler, um die Brandstelle zu beregnen. Dabei wird nicht nur das durch die Brandbombe zuerst entfachte Feuer abgelöscht, sondern es ist auch ein Neuzünden durch die brennende Bombe wegen anhaltender Wasserberieselung unmöglich.
Dieser schnell und sicher sich abspielende Löschvorgang würde auch bei Beschädigung eines Sprinklerrohres durch den Abwurf einer Brandbombe nur wenig gestört werden. Der Ausfall eines oder einiger Sprinkler hebt die Löschwirkung der Sprinkleranlage nicht auf, solange die Wasserzuführung in Ordnung ist. Diese sicherzustellen, dürfte nicht schwer sein.**)

Löschversuche
Um festzustellen, ob bei Verwendung von Sprinkleranlagen die Gefahr einer Knallgasexplosion besteht, hat die Firma Walther & Cie. A.-G., Köln-Dellbrück, in enger Zusammenarbeit mit dem Schulungsleiter des Reichsluftschutzbundes, Ortsgruppe Köln, Versuche auf ihrem Fabrikgelände in Räumen verschiedener Größe angestellt. Hierbei wurde auf die Bekämpfung der Brandbombe selbst bewußt verzichtet und nur das durch sie entstandene Feuer bekämpft.
Einer dieser Versuche - Raum mit 5 Fenstern hat eine Bodenfläche von 6x6 m2. Als Brandgut diente Holzwolle mit aufgelegten alten Modellstücken. Die in die Holzwolle eingesetzte l kg schwere Thermitbombe wurde durch eine Lunte angezündet. Schnell loderte das durch die Stichflamme und die Sprühwirkung der Brandbombe entfachte Feuer empor. Aber schon 20s, nachdem die Sprinkleranlage in Tätigkeit getreten war, brach das Feuer zusammen und konnte trotz des Einflusses der Bombe nicht neu entfacht werden. Nach Abstellen der Sprinkleranlage zeigte es sich, daß die Holzwolle nur teilweise verbrannt und die Holzstücke nicht einmal richtig angebrannt waren. Dieser sowie die ändern erfolgreichen Versuche bewiesen, daß die Gefahr einer Knallgasexplosion nicht besteht.

Gründe für das Nichtauftreten von Knallgasexplosionen
Nach W. N ernst1) werden bei 2000° abs. 0,582 Vol.-% Wasser bzw. Wasserdampf in ihre Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff (bei 1000° abs. nur 0,000 0258) zerlegt. Dabei besteht die Voraussetzung, daß das Wasser sich in bindigem Zustand befindet und nicht regenartig verteilt ist wie bei der Sprinkleranlage. Daher wäre die den Wassertropfen anhaftende oder sie umgebende Luft zu berücksichtigen, was eine kleine Änderung der Werte bedingt.
So hohe Temperaturen werden aber nur in der Bombe selbst erzeugt. Schon in geringem Abstand ist die Temperatur erheblich niedriger und scheidet für die Knallgasbildung ganz aus. Das durch den Sprinkler-Sprühteller regenartig verteilte Wasser gelangt nur zum geringen Teil in den Bereich der Dissoziationstemperatur der Thermitbombe. Schon bei einer verhältnismäßig niedrigen Temperatur wird ein großer Teil der herabfallenden Wassertropfen in Dampf verwandelt, der durch die aufsteigende Hitzewelle abgetrieben wird.
 

*) W. Nernst, Theoretische  Chemie,   11. bis 15. Aufl., Stuttgart 1926, S. 777.

**) Anmerkung: Da den Nazis bereits Kenntnisse über die Auswirkungen von Flächenbombardements zur Verfügung gestellt waren, mithin das Versagen des Wasserdruckes durch die Zerstörung von Wasserwerken, Hochbehältern u.dergl. vorhersehbar war, sind Sprinkleranlagen eher als Vorsichtsmaßnahme anzusehen, die nur in Friedenszeiten  soweit ausfallsicher  sind. Sprinkleranlagen wären nur dann im Krieg  sicher einsetzbar, wenn sich ein benötigter Wasserspeicher auf dem Dach  installiert wäre, so daß das Löschwasser mit Eigendruck ein Feuer berieseln kann. 
 

Quelle: VDI – Zeitschrift, Bd. 78, Nr. 7, vom 17.2.1934, S. 216
 

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