Verwaltungsbücherei

Für eine größere Gemeindeverwaltung ist eine gut ausgebaute, dem inneren Verwaltungsbetrieb dienende Fachbücherei unentbehrliches Rüstzeug. Die Bochumer Verwaltungsbücherei kann für sich in Anspruch nehmen, daß sie vor dem Kriege zu den besteingerichteten kommunalen Fachbüchereien im rheinisch-westfälischen Industriegebiet zählte. Sie umfaßte nicht nur die üblichen Bände der Gesetzsammlungen, Verordnungen und Entscheidungen, sondern darüber hinaus einen umfangreichen Bestand an Fachzeitschriften und einschlägiger Literatur. Etwa 8000 Bände gehörten zum Bestand der Bücherei, die ständig durch Neuanschaffungen ergänzt wurde. Allein in der Zeit von 1938 bis 1943 ist der Bestand um 600 Bücher vermehrt worden. Ihr Heim hatte die Verwaltungsbücherei im 5. Obergeschoß des Rathauses aufgeschlagen, wo der Lesestoff zweckmäßig und vor allem übersichtlich untergebracht war. Neben einem großen Bücher-und Arbeitsraum war ein geradezu gemütlich anmutendes Lesezimmer vorhanden.
Bei dem Luftangriff in der Pfingstnacht 1943 brannten das Lesezimmer, der Arbeitsraum und ein Teil des Bücherraums aus. Glücklicherweise konnte der Bücherbestand zum größten Teil gerettet werden. Leider ging aber der wertvolle Bücherkatalog verloren. Bis auf wenige Bände, die für den Dienstgebrauch nicht entbehrt werden konnten, wurden die Bücherbestände nach Haßlinghausen im Ennepe-Ruhrkreis ausgelagert. Im Herbst 1945 sind sie dann wieder nach Bochum zurückgeholt worden. Weil keine geeigneten Räume vorhanden waren, konnte allerdings zunächst nur ein Teil der Bücher aufgestellt werden, und erst gegen Ende des Jahres 1947 war es möglich, den gesamten Bücherbestand im 4. Obergeschoß des Rathauses neu zu registrieren und zu ordnen.
Seit April 1945 sind schon wieder 266 Bände neu beschafft worden. Rund 100 Gesetz- und Ministerialblätter sowie Zeitungen und Zeitschriften werden laufend bezogen.
 


Pressewesen und Stadtwerbung

Wahre Selbstverwaltung wird stets darauf bedacht sein, über die Wünsche ihrer Angehörigen informiert zu werden, andererseits diesen aber auch die eigenen Maßnahmen, die ja nicht immer mit Freuden aufgenommen werden, verständlich zu machen. Eine der wichtigsten Brücken, über die sich der Informationsdienst nach beiden Richtungen vollzieht, ist die Presse. Der Verbindungsweg zwischen ihr und der Verwaltung mündet zweckmäßig auf der Seite der letzteren in einer Dienststelle aus, die die Vermittlerrolle zwischen den mannigfachen Amtszweigen der Verwaltung und den verschiedenen Presseorganen übernimmt. So sind vor langer Zeit bei den größeren Stadtverwaltungen Presseämter eingerichtet worden, denen die zentrale Bearbeitung des gesamten Pressewesens übertragen wurde. In Bochum besteht eine für diese Funktionen bereitgestellte Dienststelle seit Anfang 1925. Bis Ende April 1947 war sie allerdings noch eine dem Hauptamt angegliederte Abteilung, die ursprünglich den Namen „Verkehrs- und Nachrichtenstelle" trug, diese Bezeichnung aber im Jahre 1938 in „Verkehrs- und Werbestelle" umändern mußte, weil die nationalsozialistische Regierung das Verbot ergehen ließ, anderen als nichtstaatlichen Einrichtungen den Namen einer „Presse-" oder „Nachrichtenstelle" beizulegen. Seit dem 1. 5. 1947 ist nun aber das Bochumer „Presseamt" unter dieser Bezeichnung selbständige Dienststelle. Eine besondere Dienstanweisung des Oberstadtdirektors, die den Aufbau, die Aufgaben und den Geschäftsverkehr des Presseamts regelt, unterstreicht die Bedeutung, die die Verwaltung dem gemeindlichen Pressedienst beimißt. Das verwandte Gebiet der Stadtwerbung durch Presse und Rundfunk, das früher schon mit zum Aufgabenbereich der Verkehrs- und Werbestelle gehörte, ist bei der Verselbständigung vom Presseamt mit übernommen worden.
Zu den Aufgaben eines städtischen Presseamts gehört der gesamte schriftliche und mündliche Verkehr zwischen der Stadtverwaltung und der Presse. Der Information der letzteren dienen Pressebesprechungen, -einladungen und -besichtigungen. Zur Nachrichtenübermittlung gehören ferner die Bild- und Filmberichterstattung sowie die Verbreitung von Meldungen durch den Rundfunk und die Veranstaltung von Rundfunkreportagen. Die öffentlichen Bekanntmachungen der verschiedenen städtischen Dienststellen in der Presse oder durch Plakatieren erfolgen ebenfalls durch die Vermittlung des Presseamts. Zu dessen Aufgaben gehören auch die publizistischen Veröffentlichungen über die Gemeinde, insbesondere über deren kommunale Einrichtungen und Aufgaben. Eine besondere Bedeutung im Rahmen dieser Publizistik hat die Gemeindewerbung, die je nach den gegebenen Möglichkeiten in den verschiedensten Formen ihren Ausdruck findet. Bei allen Tagungen, Veranstaltungen und Ausstellungen, die die Gemeinde durchführt, ist das Presseamt zu beteiligen, das dann gleichzeitig auch alle daraus sich ergebenden publizistischen Arbeiten übernimmt. Unterhält die Gemeinde ein eigenes Amtsblatt, so obliegt die verantwortliche Redaktion desselben dem Presseamt. Iri Bochum kommt als besondere Aufgabe hinzu die Bearbeitung des öffentlichen Plakatanschlagwesens und der Angelegenheiten der Deutschen Städte-Reklame, Geschäftsstelle Bochum. Und schließlich darf nicht unerwähnt bleiben der ebenfalls recht bedeutsame „Innere Berichtsdienst". Für die Kommunalverwaltung wichtige Nachrichten der örtlichen und auswärtigen Tageszeitungen werden ausgeschnitten und den zuständigen Dezernenten und Dienststellen zugeleitet; sie geben oft Anregungen zu neuen kommunalpolitischen Maßnahmen oder dienen der Abstellung von Mißständen. Auf dieser nach innen gerichteten Arbeit vermag sich mit der Zeit ein wertvoller Informationsdienst aufzubauen, der der gesamten Verwaltung zugute kommt und damit ebenfalls der Allgemeinheit nützt.
Der Beginn der zehnjährigen Berichtsperiode fällt in die Zeit nationalsozialistischer Gewaltherrschaft; für die hier besprochene Sparte öffentlichen Geschehens bedeutet das: Unterdrückung des Rechts der freien Meinungsäußerung und Uniformierung nicht nur der Presse, sondern alles dessen, was irdgendwie mit Propaganda, mit öffentlichen Verlautbarungen, zusammenhängt. Deshalb durften die Gemeinden auch keine Presse- oder Nachrichtenämter mehr unterhalten; sie sind nur noch dem Staat selbst vorbehalten. Damit haben dann die Aemter der Gemeinden, die sich früher der Publizistik widmeten, ihren eigentlichen Sinn verloren. Sie betätigen sich höchstens noch mit einer gewissen Eigeninitiative auf dem Gebiete der Werbung, bis der Zweite Weltkrieg auch dieser Arbeit Fesseln anlegt und sie schließlich völlig lahmlegt. Nach dem Zusammenbruch behindern Verkehrsschwierigkeiten, Materialknappheit und die Erfordernisse der Lizenzierungen die Entwicklung der Publizistik zunächst stark. Allmählich treten Erleichterungen ein; der Weg wird frei für eine dem Geist wahrer Selbstverwaltung entsprechende, allein vom Allgemeinwohl bestimmte publizitätsfreudige Arbeit der Gemeinde. Es folgen nun Angaben über besondere Ereignisse und Aufgaben, die die Tätigkeit des Presseamts oder seines Vorgängers während der zehnjährigen Berichtszeit bestimmt haben.
In der Zeit unmittelbar vor dem Kriege wickelte sich der Verkehr mit den örtlichen und auswärtigen Tageszeitungen, den Nachrichtenstellen und dem Rundfunk in der gewohnten Weise ab. Wiederholt, namentlich bei größeren Veranstaltungen, fanden Pressebesprechungen statt. Vertreter bekannter auswärtiger Tageszeitungen erhielten ferner Einladungen zu Führungen und Besichtigungen, um ihnen Gelegenheit zu geben, die wirtschaftliche Bedeutung Bochums zu studieren und die kulturellen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten kennenzulernen.
Der Rundfunk übernahm mehrere Konzerte, vor allem aus dem Innenhof des Rathauses, bei denen zu Beginn und am Schluß auch das Glockenspiel in der Sendung erklang. Aber auch durch Reportagen über kommunale Einrichtungen und Veranstaltungen, so vor allem auch über das traditionelle Maiabendfest, hat der Rundfunk sein Interesse für Bochum bekundet.
Für Aufklärungs-, Belehrungs- und Anschauungszwecke wurden in großer Zahl Bildabzüge an Zeitschriften, Zeitungen, Buchverleger und Reiseschriftsteller abgegeben und in Verbindung mit Werbeaufsätzen oder Anzeigen veröffentlicht. Auf Speisekarten, in Landschaftsführern, Autoführern


und in den dem Fremdenverkehr dienenden Nachschlagewerken haben Bilder die Sehenswürdigkeiten Bochums dargestellt. Zur Bebilderung von Prospekten und Festschriften wurden auch den industriellen Werken, Vereinen und Organisationen Bildabzüge überlassen. Laufend hat die westfälische Werbezeitschrift „Westfalen im Bild" Bochumer Motive als Bildbeiträge aufgenommen, teilweise in Verbindung mit Werbetexten und Stadtbeschreibungen. Durch die Vermittlung der Deutschen Städte-Reklame konnten Ansichten der Stadt Bochum auch in den Bordzeitungen der Ueberseedampfer untergebracht werden. Ebenso haben die Bildarchive der Reichsbahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr und des Landesfremdenverkehrsverbandes Westfalen, an dessen verschiedenen Gemeinschaftswerbungen sich die Stadt beteiligte, fortlaufend Werbefotos erhalten; vielfach zierten Bochumer Bildmotive die Eisenbahnabteile. Mit Großfotos war Bochum im Westfalenhaus der „Reichsgartenschau 1938" und auf der „Deutschen Bau- und Siedlungsausstellung Frankfurt 1938" vertreten. Hier waren auch in einer geschlossenen Koje ein neu angefertigtes Modell des Hauptfriedhofs und in Lichtkästen 2 Buntglasfensterentwürfe der Friedhofshaupthalle ausgestellt.
Der Fremdenverkehrswerbung diente auch der im Jahre 1938 in einer Massenauflage herausgegebene Stadtprospekt. Bei Führungen, Besuchen und Besichtigungen wurden künstlerische Ansichtspostkarten an die Gäste ausgegeben. Darüber hinaus sind Bochumer Bilder in Geschenkmappen an besondere Ehrengäste der Stadt abgegeben worden. Sehr zahlreich war die Anforderung von gerahmten Fotos zur Ausschmückung der Stuben in den Kasernen der Wehrmacht und der Arbeitsdienstlager. Die Bochumer Filmchronik und die Sammlung geschichtlicher Aufnahmen wurden weiter ausgebaut.
Die Dienststelle stand stets in enger Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein in allen Werbe- und Verkehrsfragen. Insbesondere sind alle Gelegenheiten ausgenutzt worden, um durch Tagungen, Studienfahrten von Hoch- und Fachschulen sowie Reisegesellschaften den Fremdenverkehr zu fördern. Wiederholt war Bochum auch das Ziel ausländischer Besucher, namentlich aus Holland, Belgien, England und Ungarn. Anziehungspunkte waren neben den industriellen Werken insbesondere die Städtische Bühne, das Rathaus mit seinem — leider durch Bomben zerstörten - Sitzungssaal und das Bergbaumuseum. Bei den Stadtrundfahrten waren die auswärtigen Besucher stets überrascht von den landschaftlichen Schönheiten des Ruhrtals mit der Burg Blankenstein und des Stadtparks; manches Vorurteil, das man bis dahin Bochum als Industriestadt gegenüber gehegt hatte, konnte dabei berichtigt werden. Nicht nur der Stadtwerbung, auch der Gemeinschaftspflege sollten verschiedene Veranstaltungen dienen, die in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein durchgeführt wurden. So war der Stadtpark das Ziel unzähliger Besucher, wenn während der Sommermonate Parkbeleuchtungen bei besonderen Anlässen stattfanden, wie dies z. B. bei dem letzten vor dem Kriege auf Initiative des Stadtamts für Leibesübungen veranstalteten Reit- und Fahrturnier der Fall war.
Sehr wirkungsvoll war die letztmalig im Dezember 1938 veranstaltete, gegenüber den früheren Jahren erweiterte Weihnachtswerbung unter dem Motto „Grubenlicht und Weihnachtsbaum". Girlanden aus Tannengrün mit elektrischen Lichtern und Bergmannslampen zogen sich an den Häuserfronten der Verkehrsstraßen entlang und gaben dem Straßenbild ein eindrucksvolles Gepräge. Große, lichtergeschmückte Weihnachtsbäume waren auf den verkehrsbelebten Plätzen aufgestellt. Kirchen und öffentliche Gebäude hoben sich durch eine festliche Anstrahlung vom nächtlichen Dunkel ab; besonders stimmungsvoll wirkte auf diese Weise der Innenhof des Rathauses, von dessen Glockenturm die Weihnachtslieder erklangen. Diese Weihnachtswerbung, die ihren Auftakt mit dem Nikolauszug der Bochumer Schuljugend am 6. 12. nahm, zog durch ihre Eigenart und Gediegenheit zahlreiche Besucher von nah und fern an.
Während der Wintermonate in der Nachweihnachtszeit wurden auch die karnevalistischen Veranstaltungen gepflegt. In ihrem Mittelpunkt stand am Karnevalssamstag der Empfang der Großen Bochumer Karnevalsgesellschaft mit dem Prinzen Karneval und der Höntroper Gänsereiter im Innenhof des Rathauses.
Alle diese Bemühungen um die Geltung und das Ansehen der Stadt fanden ein jähes Ende mit dem Ausbruch der Feindseligkeiten. Auch nach dem Kriege konnte die Verkehrswerbung einstweilen nur im bescheidenen Rahmen aufgenommen werden, da fast sämtliche Hotels, darunter das. früher in Westdeutschland führende Parkhotel „Haus Rechen", vernichtet worden sind.
Während der Kriegszeit beschränkte sich die Pressetätigkeit auf die Veröffentlichung der amtlichen Bekanntmachungen, insbesondere kriegs- und ernährungswirtschaftlichen Inhalts, und auf entsprechende redaktionelle Hinweise.
Mit demTage der Besetzung der Stadt—10.4.1945 — stellten die Bochumer Tageszeitungen, nämlich die Westfälische Landeszeitung, der Bochumer Anzeiger und die Langendreerer Zeitung, auf Anordnung der Militärregierung ihr Erscheinen ein. Die Bekanntmachungen der Militärregierung und der Stadtverwaltung wurden zuerst nur durch Plakatanschlag veröffentlicht. Die Anfang Juni 1945 eingeleiteten Verhandlungen mit der Militärregierung wegen Herausgabe einer Bochumer Tageszeitung führten zu dem Ergebnis, daß die Militärregierung vorerst nur die Herausgabe eines amtlichen Bekanntmachungsblattes durch die Stadtverwaltung genehmigte. Dieses neue Publikationsorgan erschien seit dem 30. 6. 1945 wöchentlich einmal unter dem Titel „Amtliche Nachrichten der Stadtverwaltung Bochum". Nach einer grundlegenden Umgestaltung durch Anordnung der Militärregierung vom 18.8.1945 erschien das amtliche Bekanntmachungsblatt seit dem 27.8.1945 in einer Auflage von 25—30000 Stück unter dem Titel ,,Amtliche Bekanntmachungen". Mit Genehmigung der Militärregierung führt es seit dem 30. 3. 1946 den Namen „Bochumer Amtsblatt". Die ursprünglich von der Besatzungsmacht angeordnete Pressezensur kam im November 1946 in Wegfall..
Die erste Bochumer Tageszeitung nach dem Kriege erschien am 18.8.1945, und zwar als Bezirksausgabe D der in Essen erscheinenden Ruhr-Zeitung. Nach weiteren Zeitungslizenzierungen erhielt Bochum
am 20. 3. 1946 eine Bezirksausgabe der in Dortmund erscheinenden Westfälischen Rundschau (SPD.),
am 26. 4. 1946 eine Bezirksausgabe der in Soest erscheinenden Westfalenpost (CDU.),
am 7. 5. 1946 eine Bezirksausgabe des in Dortmund erscheinenden Westdeutschen Volks-Echos (KPD.) - am 15. 9. 1948 in Neue Volks-Zeitung umbenannt -
am 24.8. 1946 eine Bezirksausgabe des in Hamm erscheinenden Westdeutschen Tageblattes (FDP.) und
am 6. 9. 1946 eine Bezirksausgabe des in Gelsenkirchen erscheinenden Neuen Westfälischen Kuriers (Zentrum).

Am 3. 4. 1948 wurde Bochum der Sitz des Verlages der überparteilichen Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, die ihren Titel am 27. 6. 1948 in Westdeutsche Allgemeine änderte.
Die Beziehungen zu den örtlichen Presseorganen sind die denkbar besten. Allein im Jahre 1947 wurden ihnen zur Aufklärung der Bevölkerung 700 Nachrichten übermittelt. Artikel mit überörtlicher Bedeutung erhielten auch Zeitungen der Westzonen, die außerhalb Bochums erscheinen. Auch der Pflege guter Beziehungen zum Rundfunk hat das Presseamt größte Aufmerksamkeit gewidmet. Es konnten auch nach dem Kriege schon wieder mehrere Reportagen aus Bochum gesendet werden.
Der Stadtwerbung nach dem Kriege diente ferner die Ueberlassung von Text- und Bildmaterial zur Auswertung an mehrere Buch- und Zeitschriftenverleger. Im Jahre 1947 wurde aus Anlaß der großen Kunstausstellung „Der Bergmann und sein Werk" ein bebildertes Erinnerungswerk herausgegeben. In Gemeinschaft mit dem Verkehrsverein wurden verschiedene stadtwerbende Maßnahmen durchgeführt und in Bochum stattfindende Tagungen und Veranstaltungen unterstützt, wie überhaupt in allen Werbe-und Verkehrsfragen eine enge Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein bestand.
Aus den sattsam bekannten wirtschaftlichen Gründen mußte der städtische Bilderdienst eine Zeitlang seine Tätigkeit einstellen. Er hat aber im Jahre 1947 schon wieder damit beginnen können, das Bildarchiv aufzufrischen. Da zunächst eine strenge Auswahl nötig war, sind vornehmlich zeitgeschichtliche Aufnahmen bedeutsamer Vorgänge im Stadtgeschehen und Aufnahmen über laufende Veränderungen im Stadtbild hergestellt worden.



Statistik, Ermittlungen und Meldewesen

Die Erledigung statistischer Aufgaben ist in den größeren Städten zumeist einer besonderen Dienststelle übertragen. Bei ihr gehen die zahlenmäßigen Angaben über die Tätigkeit der eigenen Verwaltung und die Mitteilungen sonstiger Körperschaften, Behörden und Verbände des Stadtgebietes wie auch von statistischen Aemtern anderer Städte und großräumiger Verbände ein. Sie wertet diese Angaben für die eigenen kommunalpolitischen Zwecke aus, indem sie den städtischen Dienststellen nach Bedarf das erforderliche Zahlenmaterial zur Verfügung stellt. Auch den größeren Räumen übergeordneter Verwaltungsbezirke und Gebietskörperschaften übermittelt sie regelmäßig die im eigenen Bereich gewonnenen Unterlagen, damit deren Auswertung einer höheren Gemeinschaft zugute kommt. Tatsächlich werden ja doch alle Angaben, die die eigene Landesverwaltung, die Behörden der Zone oder Bizone anfordern, in den Gemeinden gewonnen. In der höheren Ebene - z. B. der Ministerien - werden auf Grund der statistischen Meldungen Entscheidungen getroffen, die das Gemeindeleben u. U. unmittelbar beeinflussen, mag es sich um Finanzzuweisungen oder Kontingentszuteilungen oder um sonstige lebenswichtige Entschließungen handeln. Jedenfalls erhellt hieraus der Wert einer sachgemäß betriebenen gemeindlichen Statistik.
In normalen Zeiten wird auch wohl das gesammelte Material periodisch zusammengefaßt und in Monats- oder Vierteljahresberichten veröffentlicht, damit besonders interessierte Kreise sich ein Bild zu machen vermögen über die Arbeit und den Fortschritt der Gemeindeverwaltung. So tragen gerade diese Veröffentlichungen den Charakter von Lei-stungs- und Rechenschaftsberichten. Ihr gern geübter gegenseitiger Austausch unter den Städten wirkt anspornend.
Die mit den statistischen Aufgaben betrauten Dienststellen haben meist auch die mannigfachen, von höheren Verbänden oder Behörden geforderten Erhebungen anzustellen, denen sich fast immer statistische Auswertungen zu Gunsten des eigenen Raums anschließen. Die großen Volkszählungen, die Personenstandsaufnahmen, Vieh- und Obstbaumzählungen, Feststellungen über Saatgut und landwirtschaftliche Maschinen sind nur einige Beispiele für die stets sich wiederholenden Erhebungen.
Auch die Stadt Bochum hat für ihre statistischen Aufgaben eine besondere Dienststelle. Deren Bezeichnung hat verschiedentlich gewechselt. Das hatte seinen Grund darin, daß der den statistischen Zwecken dienenden Amtsstelle Abteilungen mit anderen Aufgaben angegliedert wurden, die mit denen des Kernamts gewisse Berührungspunkte haben. Mal hieß diese Dienststelle „Statistischesund Wahlamt", jetzt heißt sie „Einwohnermeldeamt und Statistisches Amt". Z. Zt sind angegliedert die Einwohnermelde-, Ermittlungs-, Wahl- und Rechtsabteilung. Sie alle stehen unter der einheitlichen Leitung eines Stadtamtsvorstehers.

Statistik und Erhebungen
Das Statistische Amt setzte in den ersten Berichtsjahren seine Tätigkeit in der üblichen Weise fort. Durch Presse und gedruckte statistische Vierteljahresberichte wurde die Oeffentlichkeit unterrichtet über die Bevölkerungsbewegung (Geburten, Heiraten, Sterbefälle), über Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit, über Vorgänge in der Gesundheitsfürsorge und Wohlfahrtspflege, auf dem Arbeitsmarkt und in der Sozialversicherung, über die Kleinhandelspreise des lebenswichtigsten Bedarfs und endlich über kulturelle Veranstaltungen.
Laufend waren Statistiken aus den verschiedensten Verwaltungsgebieten für den Regierungspräsidenten, das Statistische Reichsamt und den Deutschen Gemeindetag aufzustellen. An regelmäßig wiederkehrenden umfangreichen Erhebungen wurden Viehzählungen, Anbauflächen- und Bodenbenutzungserhebungen durchgeführt.
Am 10. 10. 1938 fand eine Personenstandsaufnahme statt, bei der eine Einwohnerzahl von 312.123 ermittelt wurde. Bei der am 19. 5. 1939 durchgeführten Volks- und Betriebszählung ergab sich nur noch eine Einwohnerzahl von 305.485.

Im Zuge der zur Vereinfachung der Verwaltung durchgeführten Maßnahmen beschränkte sich die Arbeit des Statistischen Amtes seit Kriegsbeginn in der Hauptsache auf die Erledigung von Sonderaufgaben. Die Herausgabe der statistischen Vierteljahresberichte wurde mit dem 2. Vierteljahr 1939 eingestellt. Das hat sich umso nachteiliger ausgewirkt, als die gesamten Unterlagen des Statistischen Amtes bei der Zerstörung der Diensträume am 12.6. 1943 vernichtet wurden und deshalb auf statistische Unterlagen von 1939 bis zum Zusammenbruch nicht mehr zurückgegriffen werden kann. Auch die behelfsmäßigen Unterkünfte des Statistischen Amtes in der Verwaltungsakademie Wittener Str. 61, in der Volksschule Oskar-Hoffmann-Str. 64 und in der Mädchenmittelschule Blücherstraße fielen nacheinander dem Luftkrieg zum Opfer, sodaß die zwischenzeitlich gewonnenen und wieder zusammengetragenen Unterlagen aufs neue verloren gingen.
Im Jahre 1945 wurde mit der Sammlung statistischer Unterlagen in der Weise neu begonnen, daß die Stadtämter, die weniger unter den Luftangriffen zu leiden gehabt hatten, ihr statistisches Material zur Auswertung überließen. Der Bevölkerungsstand wurde nach der jeweiligen Lebensmittelkartenausgabe ermittelt.
Geburten, Eheschließungen, Sterbefälle und die Todesursachen waren der Aufsichtsbehörde und der Militärregierung zu melden.
Im Jahre 1946 wurde die Sammlung statistischer Unterlagen weiter fortgesetzt. Es liegen z. Zt. wieder vor:
1. die Verwaltungsberichte aus den Jahren 1909, 1912 bis 1937,
2. die Vierteljahresberichte aus den Jahren 1919 bis Juni 1939,
3. das Ergebnis der Volkszählung v. 17. 5. 1939,
4. das Ergebnis der Wohnungszählung   vom 16.5. 1925,
5. das Ergebnis der Wohnungszählung vom 10.10. 1935,
6. das bevölkerungsmäßige Wachsen und Werden der Industriegroßstadt Bochum von 1719 bis 1936,
7. Geburten, Sterbefälle und Heiraten in Bochum im Spiegel der Jahrhunderte,
8. Altersgliederung  der   Einwohner in  Bochum am 10. 10. 1936.
Besondere Anforderungen stellte die am 29./30. 10. 1946 durchgeführte Volkszählung an die Dienststelle. Umfangreiche Vorarbeiten waren monatelang vorher zu leisten, da vor allem darauf Bedacht genommen werden mußte, daß die bewohnten und aufenthaltsmäßigen Unterkünfte (Behelfsheime, Gartenlauben, Keller, Bunker, Bahnhofswartesäle usw.) ausnahmslos erfaßt wurden. Die
Zählung wurde in der Hauptsache mit stadteigenen Beamten und Angestellten, mit den Lehrkräften der Schulen und mit Dienstkräften des Land- und Amtsgerichts, des Arbeitsamts, des Finanz- und Zollamts, der Bergbau-Berufsgenossenschaft und der Allgemeinen Ortskrankenkasse durchgeführt. Gezählt wurde in 1.098 Zählbezirken. Insgesamt haben 1.248 Kräfte bei der Zählung mitgewirkt. Ueber 3 to Papier wurden allein für diese Zählung verbraucht. Die Prüfung des Zählmaterials und die Zusammenstellung des Ergebnisses konnten trotz äußerst kurz bemessener Fristen dank der guten Vorbereitung und der reibungslosen Abwicklung der Zählung rechtzeitig abgeschlossen werden.
Das endgültige Ergebnis der Volkszählung folgendes:
männliche Personen 114.949
weibliche Personen  131.268
insgesamt               246.217.

Beginnend mit der bei der Volkszählung festgestellten Einwohnerzahl    wurde   die Fortschreibung der Bevölkerungszahl   wieder   aufgenommen.   Die fortgeschriebene Bevölkerungszahl   betrug    am  31 12. 1946   =   249.670.
Spezielle statistische Angaben waren zu beschaffen für Berichte an die Militärregierung, die Quäker- und Schweizerspende und an den Deutschen Städtetag. Laufend wurden statistische Angaben von der Aufsichtsbehörde, von städtischen Dienststellen und von anderen Behörden angefordert.
Eine wertvolle Bereicherung erfuhr das statistische Material durch die vom Statistischen Amt für die Britischen Zone herausgegebenen „Statistischen Monatshefte für die Britische Zone" und durch die inzwischen — wenn auch noch nicht vollständig — vorliegenden Tabellen aus der Volkszählung 1946.
Im übrigen setzten auch die ständig sich wiederholenden Tätigkeiten ein. Da sie auch im letzten Berichtsjahr vorkamen, seien sie hier zusammen aufgeführt.
Monatlich wurden aufgestellt
die Fortschreibung der Bevölkerungsbewegung, die Statistik der Todesursachen, die Flüchtlingsstatistik, die vergleichende Städtestatistik, die Statistik der Geburten,    Sterbefälle und Eheschließungen.
Den größten Teil der Arbeit beanspruchten die auf Anordnung des Landesamts für Statistik durchzuführenden Erhebungen, und zwar
die Bodenbenutzungserhebung im Mai 1946 sowie im Mai, Juni und November 1947,
die allgemeine Viehzählung im Juni und Dezember 1946 sowie im Juni und Dezember 1947,
die Erhebung über den Gesamtanbau von Gemüse und Erdbeeren im August 1946 und August 1947,
die Feststellung der Aussaatflächen für Wintergetreide, Winterraps und Winterrübsen im Dezember 1946 und Dezember 1947,
die Erhebung über den Bestand an landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten im Februar 1947,
die Obstbaumzählung im September 1947 und die Erhebung über Wohnungen in kriegsbeschädigten Gebäuden im Oktober 1947.
Die Wohnungserhebung erwies sich angesichts des starken Zerstörungsgrades als besonders schwierig.
Mit der im Dezember 1947 stattfindenden Viehzählung wurde zu steuerlichen Zwecken eine Aufnahme des Hundebestandes verbunden.
Am Schlüsse der Berichtszeit wurden Vorbereitungen zur alsbaldigen Wiederherausgabe der statistischen Vierteljahresberichte getroffen.
Ermittlungen
Die Ermittlungsabteilung erledigte trotz der verminderten personellen Besetzung in gewohnter Weise die von städtischen Dienststellen, von Bochumer Behörden sowie von auswärtigen Behörden eingehenden Feststellungsersuchen. Es fehlen jedoch alle Unterlagen über Zahl und Art der Ersuchen bis zum Kriegsschluß.
Von Mai bis Juni 1945 war die Ermittlungsabteilung mit 4, von August bis November mit 8 und ab Dezember mit 10 Ermittelungsbeamten besetzt.
 

 


Meldewesen
Die dem Statistischen Amt angegliederte Personenstandskartei wurde an Hand der Meldescheine der staatlichen Polizei und der Meldungen, die die Standesämter erstatteten, ständig auf dem Laufenden gehalten. Sie war wohl die von den Dienststellen am meisten in Anspruch genommene Einrichtung der Stadtverwaltung. Neben der Erteilung von Auskünften erledigte sie
die   jährliche   Aufstellung   der   Schülerlisten für schulpflichtig werdende Kinder, die Ausfertigung von Wahlkarten für wahlfähig werdende Personen, die Feststellung der für eine Ehrung in Frage kommenden 90-jährigen  Personen.
Die Personenstandskartei wurde mit den übrigen Einrichtungen der Dienststelle 1943 durch Kriegseinwirkung vernichtet. Die städtischen Dienststellen mußten von da ab das Hauptmeldeamt der staatlichen Polizeiverwaltung in Anspruch nehmen.
Im Zuge der Neuorganisation der Polizei wurde das Einwohnermeldewesen auf Anordnung der Militärregierung am 1. 1. 1946 der Stadtverwaltung übertragen.
Kurz vor dem Einmarsch der Besatzungstruppen wurden die Meldekarteien von dei. Staatlichen Polizei vernichtet. Sie mußten deshalb unter großen Schwierigkeiten neu aufgebaut werden. Obwohl entsprechende Anordnungen hierzu wiederholt veröffentlicht wurden, fehlte in der Bürgerschaft oft das Verständnis dafür, daß sich zu diesem Zwecke alle Personen, also auch solche, die Bochum nie verlassen hatten, neu anmelden mußten.
Mit viel Mühe und Arbeit ist nun wieder eine alphabetische Einwohnerkartei erstellt worden. Außerdem werden wie früher alle Einwohner in den Meldestellen in einer nach Straßen und Hausnummern geordneten Häuserkartei geführt.
Die Einwohnermeldeabteilung mit der alphabetischen Zentralkartei ist im Polizeiverwaltungsgebäude, Uhlandstr. 35, untergebracht. Die Meldestellen verteilen sich auf das Stadtgebiet wie folgt:

Meldestelle l        Uhlandstr. 35     (Altstadt)
Meldestelle l a      Heinrichstr. 42  (Gerthe)
Meldestelle 2       Rathaus Eingang   Mühlenstr.   (Altstadt)
Meldestelle 2a      Overdykerstr. 2(Hamme)
Meldestelle 3        Hattinger Str. 348               (Weitmar)
Meldestelle 3a      Hattinger Str. 845             (Linden)
Meldestelle 4        Königsallee 160  (Ehrenfeld)
Meldestelle 4        Kemnader Str. 199        (Zweigst. Stiepel)
Meldestelle 4a     Velsstr.  19(Altenbochum)
Meldestelle 5        Bramheide 17/19               (Werne)
Meldestelle 5a      Am alten Bahnhof 70        (Langendreer)

Neben der Erledigung der An- und Abmeldungen obliegt den Meldestellen und der Einwohnermeldeabteilung die Ausstellung von Bescheinigungen, die Beglaubigung von Unterschriften und Abschriften, die Ausstellung von Führungszeugnissen, die Bearbeitung der Staatsangehörigkeitsangelegenheiten, Einbürgerungen, Namensänderungen, Paßangelegenheiten und Reisebescheinigungen für den Interzonenverkehr. Infolge der Kriegsereignisse wird das Melderegister von Volksgenossen, die ihre Angehörigen suchen, in hohem Maße in Anspruch genommen. Außer auf dienstliche Anfragen sind dort täglich ca. 100 schriftliche (private) Auskünfte erteilt worden. Für die Verrichtung solcher Amtshandlungen wurden im Rechnungsjahr 1947 31.497 RM Verwaltungsgebühren vereinnahmt.
Neben der umfangreichen Neuorganisation des gesamten Meldewesens war die Ausstellung der von der Militärregierung angeordneten Einheitspersonalausweise von großer Bedeutung. Bis zum Jahresschluß 1946 sind rd. 250.000 Personalausweise ausgegeben worden. Diese Aktion stellte größte Anforderungen an das Personal der Meldestellen. Sie konnte nur unter Aufbietung aller Kräfte und unter Verrichtung erheblicher Ueberarbeit bewältigt werden. Im Jahre 1947 sind die Karteien der Meldestellen mit den Karteien der Außenstellen des Er-nährungs- und des Wirtschaftsamtes abgestimmt worden. Außerdem wurde die Einwohnerzahl in den Meldestellen durch die Auszählung der Häuserkartei, aufgegliedert nach dem Geschlecht, der Konfession und nach gewissen Altersgruppen, ermittelt. Damit sind brauchbare Unterlagen für die Fortschreibung der Bochumer Bevölkerungszahl gewonnen worden.
 

Quelle: Verwaltungsbericht der Stadt Bochum, 1938 - 1948, Papierwerk Bochum , Seite 33 - 39
 

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