MITTEILUNGS- BEILAGE DER AUERGESELLSCHAFT AKTIENGESELLSCHAFT, BERLIN N 65
zu
GASSCHUTZ UND LUFTSCHUTZ
 Mai 1940
 

Die Bedeutung der Raumbelüftung in Luftschutzräumen.
 Luftschutzräume mit oder ohne Belüftung? Eine wirtschaftliche Betrachtung.
 

Wer als Bauherr oder Werkluftschutzleiter, wer als Architekt, Ingenieur oder als Baufirma Luftschutzräume bauen läßt oder selbst baut, kann an der Frage der Luftschutzraum-Belüftung nicht vorbeigehen. Denn die Größe eines neu zu bauenden Luftschutzraumes bzw. das Fassungsvermögen eines als Luftschutzraum auszubauenden bereits bestehenden Kellers ist davon abhängig, ob der Luftschutzraum belüftet wird oder nicht.

Für den unbelüfteten Luftschutzraum besteht die gesetzliche Vorschrift 1), daß für jede Person mindestens 3 Kubikmeter Luftraum vorhanden sein müssen. Sollen also 30 Personen in einem Luftschutzraum untergebracht werden, so muß der Luftschutzraum mindestens einen Rauminhalt von 90 Kubikmetern haben. Bei einer Höhe von 2,5 m wäre demnach mit einer Grundfläche von 36 qm zu rechnen.
In einem belüfteten Schutzraum sind nach der gleichen gesetzlichen Vorschrift für jede Person mindestens 0,6 qm Grundfläche und l Kubikmeter Raum vorzusehen; aus beiden Mindestmaßen ergibt sich rechnerisch eine Höhe von etwa 1,65 m. Da man in der Praxis über diese Höhe hinausgehen muß, kann man allein von der Grundfläche ausgehen, um die zulässige Belegschaftsdichte in einem belüfteten Schutzraum zu ermitteln.
In einem ausreichend belüfteten Schutzraum .können daher 30 Personen auf 18 qm Grundfläche untergebracht werden. Im unbelüfteten Schutzraum ist die doppelte Fläche — 36 qm — nötig, um die gleiche Anzahl von Personen unterzubringen. Also: Der belüftete Schutzraum faßt mindestens doppelt so viele Menschen oder wird   für   gleiche   Menschenzahl   höchstens halb so groß wie der unbelüftete Schutzraum.
Dieses einfache Beispiel soll zeigen, wie wichtig es ist, die Frage der Belüftung rechtzeitig zu behandeln. Denn durch den Einbau einer Belüftung wird es entweder ermöglicht in einem vorhandenen Raum die Belegschaftsdichte wesentlich heraufzusetzen oder beim Neubau eines Luftschutzraumes das Bauprojekt zu verkleinern, die Bauzeit zu verkürzen und Material einzusparen. Die Kosten für eine zusätzliche Belüftung sind ungleich geringer als die Kosten für entsprechend größere Luftschutzraumbauten.

Das nachfolgende Kostenbeispiel gibt darüber Auskunft:
 

Kostenbeispiel auf Grund praktischer Erfahrungen:
Baukosten  für   den  Schutzraumbau ohne Belüftung RM 40,— p. Person
Baukosten  für   den  Schutzraumbau mit Belüftung RM 20,— p.
Kosten für Belüftung RM   12,— p. Person  
Ersparnis bei Belüftung  RM 40 RM -  32 RM   = 8,— p. Person

Weitere Vorteile der Luftschutzraum-Belüftung.
Der belüftete Schutzraum wird durch den Raumbelüfter ständig mit frischer Luft versorgt. Daher herrscht in ihm auch nach beliebig langer Aufenthaltsdauer der Belegschaft stets eine gleichbleibende, gute und erträgliche Atmosphäre. Eingehende Untersuchungen über die Auswirkungen, die durch größere Menschenansammlungen in unbelüfteten Räumen hervorgerufen werden, wie z. B. Anreicherung von Kohlensäure (Bild 1), Zunahme des Feuchtigkeitsgehaltes und der Temperatur (Schwülegrad), sind Von Prof. Dr. Quasebart und Dipl.-Ing. Roedler in der Zeitschrift „Gasschutz und Luftschutz 2) -veröffentlicht worden.
Im belüfteten Luftschutzraum gibt es keine Belästigung durch Ausdünstungen, da der Belüfter eine ständige Frischluftzufuhr gewährleistet und verbrauchte Luft durch Überdruckventile ins Freie drückt. Notaborte können mit dieser verbrauchten Luft durchspült und somit entlüftet werden.
 

Was ist und wie arbeitet ein Schutzraumbelüfter ?
Ein Schutzraumbelüfter besteht aus dem Luftförderer und aus Filtern, die die angesaugte Luft von chemischen Kampfstoffen reinigen.

Der Schutzraumbelüfter stellt für den Luftschutzraum Lunge und Gasmaske in einem Gerät dar. Sein Luftförderer saugt durch eine Rohrleitung die Frischluft von außen an. Er atmet sie sozusagen ein. Die Filter der Luftschutzraumbelüfter sorgen dafür, daß im Freien vorhandene chemische Kampfstoffe zurückgehalten werden. Sie erfüllen den Zweck der Gasmaske.
Der Luftschutzraumbelüfter bat aber noch eine andere Aufgabe: Er sorgt zugleich dafür, daß in einem Luftschutzraum ständig ein Überdruck vorhanden ist. Dieser Überdruck bewirkt eine dauernde Luftströmung vom Innern des Schutzraumes nach außen und verhindert, daß vergiftete Außenluft durch bauliche Undichtigkeiten eindringen kann. In den belüfteten Luftschutzraum kann die Außenluft nur durch die mit dem Raumbelüfter verbundene Ansaugeleitung gelangen. Sie muß zwangsläufig den Weg über die Filter nehmen.
Ein Schutzraumbelüfter verleiht daher dem Luftschutzraum vollständige Sicherheit vor dem Eindringen kampfstoffhaltiger Außenluft.

Auer-Raumfilter.
Die Auergesellscbaft verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen auf dem Gesamtgebiete des Gas- und Atemschutzes. Die im großen Kriege erstmalig von Deutschland und seinen Verbündeten verwendeten Gasmasken (1916) wurden bei der Auergesellscbaft entwickelt. Fast 25 Jahre Erfahrungen auf dem Gebiete des Atemschutzes kommen den Auer-Raumfiltern bei ihrer Herstellung zugute. Ebenso wie die Filter der Gasmasken haben auch die den Raumbelüftern vorgeschalteten Raumfilter die Aufgabe, sämtliche chemischen Kampfstoffe, seien es Gase oder Schwebstoffe, fernzuhalten. Nur von diesen Stoffen befreite frische Luft darf den Menschen im Schutzraum zugeführt werden.
Welche chemischen Kampfstoffe im   Ernstfalle   vom   Feind   auch ,immer   eingesetzt  werden  mögen, die Auer-Raumfilter gewähren Schutz  gegen  alle.

Warum Membranpumpen als Luftförderer?
Wo immer möglich, wird man bei einem Raumbelüfter den Handantrieb vorsehen, denn im Ernstfalle kann die Stromversorgung zeitweise ausfallen.
Welcher Luftförderung wird man nun bei einem Raumbelüfter den Vorzug geben? Derjenigen, die den Bedingungen, unter denen die Luftförderung hier stattfindet, am besten Rechnung trägt. Von der Luftförderung eines Raum-Belüfters wird man verlangen: einfache Handhabung,
ein Mindestmaß von Pflege und Wartung, geringen Kraftaufwand, d. h. hohen Wirkungsgrad, sofortige Betriebsbereitschaft, völlige Betriebssicherheit auch nach jahrelangem Stillstand.
Allen diesen Voraussetzungen entspricht in vollem Umfange die eigens für Schutzraum - Belüftung entwickelte Auer - Membranpumpe (Bild 2), d. h. eine Pumpe, deren Kolbenteller mit dem Gehäuse durch eine, besonders imprägnierte, unverwüstliche Lederscheibe, eben der Membran, verbunden ist. Durch die Hin- und Herbewegung dieses Kolbentellers wird die Luft abwechselnd durch Einlaßventile eingesaugt und durch Auslaßventile in den Schutzraum gedrückt.
Die Erfahrungen, die die Auergesellschaft im Bau von Luftschutzraumbelüftungen seit langen Jahren sammeln konnte, haben in überzeugender Weise die Vorzüge der Membranpumpe als Luftförderer für Schutzraumbelüfter immer wieder bestätigt:
Die Luftförderung erfolgt bei der Membranpumpe zwangsläufig und unabhängig, von Hindernissen in der Ansaugeleitung. Die Membranpumpe ist unempfindlich gegen Luftfeuchtigkeit und Luftverunreinigungen.
Der leichte und geräuschlose Gang und die einfache Handhabung ermöglichen es jedem, die Membranpumpe zu bedienen.-
Jeder Pumpenhub gewährleistet die vorgesehene Luftförderung.
Empfindliche Meßgeräte zur Kontrolle der Luftförderung sind überflüssig.
35 Pump e n - Hübe pro Minute genügen, um die vorgesehene Luftzufuhr zu sichern.
Ein einfaches Pendel, abgestimmt auf 35 Ausschläge in der Minute, kontrolliert die erforderliche Luftleistung und gibt den Insassen das Gefühl der Sicherheit.
Jede Verengung in der Ansaugeleitung macht sich am Handhebel der Pumpe sofort bemerkbar, ohne deshalb ihre Wirksamkeit in Frage zu stellen.
Die Auer-Membranpumpe wurde ausschließlich für Luftschutzraumbelüftung entwickelt. Sie entspricht daher in Aufbau und Wirkungsweise allen Anforderungen, die man an einen Luftförderer für Luftschutzräume stellen muß.

Der Luftbedarf im belüfteten Luftschutzräumen
Die Frischluftmenge, die einem Luftschutzraum zuzuführen ist, hängt ab von der Zahl und Tätigkeit seiner Insassen.

Nach den gesetzlichen „Schutzraumbestimmungen" sind für

nichttätige Insassen 20 bis 30 l/min vorzusehen,                                                               für tätige Insassen — je nach Örtlichkeit und Art der Arbeit — bis zu 100 l/min.
Außerdem muß die zuzuführende Luftmenge bei tätigen Insassen so hoch bemessen sein, daß der vorgeschriebene Luftwechsel in der Stunde zustande kommt.
 

So ist bei Luftschutzrettungs- und Befehlsstellen ein mindestens 0,5 facher und bei allen übrigen Luftschutzräumen mit tätigen Insassen ein mindestens einfacher Luftwechsel je Stunde Vorschrift.
Wie wichtig — besonders bei Räumen mit geringer Belegung — es ist, daß bei der Bemessung der Luftmenge beide Vorschriften, also sowohl die bezüglich der Luftmenge je Person, als auch die bezüglich des Luftwechsels je Stunde beachtet werden, sei an nachfolgendem Beispiel erläutert:

Nehmen wir an, daß bei einem Arztraum von 72 m3 Inhalt mit einer ständigen Belegung von drei Personen (Arzt, Krankenschwester und Patient) zu rechnen wäre. Geht man nun von dem Luftbedarf pro Person aus, so erscheint eine Frischluftzufuhr von 300 l/min zunächst als ausreichend, da auf jede Person 100 l/min Frischluft entfallen.
In einem solchen Fall aber schreiben die Bestimmungen außerdem vor, daß mindestens ein 0,5facher Luftwechsel pro Stunde stattfinden muß, das bedeutet, daß in dem Raum von 72 m3 Rauminhalt 36 m3 je Stunde = 600 l/min Frischluft zugeführt werden müssen. Es muß also in diesem Falle doppelt so viel Frischluft zugeführt werden, wie sich bei einer Berechnung nur nach der Kopfzahl ergeben würde.
 
 
Bei Zugrundelegung eines einfachen Luftwechsels pro Stunde, wie es bei den übrigen tätigen Belegschaften vorgeschrieben ist, würde bei diesem Beispiel sogar die vierfache Frischluftmenge notwendig sein.
Bei nichttätiger Belegschaft sind dagegen nur Kopfzahl und Luftrate 2) (20 bis 30 l/min) maßgebend. In diesem Falle ist die für einen Luftschutzraum erforderliche Frischluftmenge gleich der Summe der Luftraten der einzelnen Personen. Da die geschlichen Bestimmungen nur Grenzwerte für die Luftraten der nichttätigen und tätigen Personen, aber keine Werte für die einzelnen Tätigkeitsarten einer aktiven Belegschaft angeben, ist die Bemessung der Luftzufuhr innerhalb der Grenzwerte dem Werkluftschutzleiter oder dem mit dem Entwurf der Belüftungsanlage Beauftragten überlassen. Dabei wird man sich von folgenden Gesichtspunkten leiten lassen:

1. Je wichtiger und anstrengender die Tätigkeit der aktiven Belegschaft in einem Schutzraum, um so größer die Luftrate.
2. Je schwerer die Feststellung der endgültigen Belegschaftsstärke für .einen Luftschutzraum, um so reichlicher die Gesamtluftmenge.



Daher sollen Luftschutzleiter und Architekt beim Vergleich verschiedener Entwürfe und Kostenanschläge für ein und dieselbe Luftschutzraumanlage stets prüfen, welche Luftmenge für die Schutzräume bei den einzelnen Entwürfen vorgesehen ist.
Eine höhere Luftzufuhr wird stets höhere Kosten bedingen. Diese sind aber immer zu verantworten, da eine über die Mindestvorschriften hinausgehende Luftrate eine nachträgliche Erhöhung der Belegschaft, ausreichende Grundfläche (0,6 m2 für jede Person) vorausgesetzt, erlaubt und die Aufenthaltsbedingungen in den Luftschutzräumen verbessert.

Die Belüftertypen werden ausgewählt, nachdem die Frischluftmenge für die einzelnen Räume ermittelt ist (vgl. Bild 3).
Die  Raumfilter  der  Schutzraumbelüfter  sind nach DIN 31 86 genormt. Deshalb liegen auch für die Auer-Membranpumpen als Luftförderer folgende Größen fest:

MR   300 versorgt bis zu 15 nichttätige Personen mit Frischluft,
MR   600 versorgt bis zu 30 nichttätige Personen mit Frischluft,
MR 1200 versorgt bis zu 60 nichttätige Personen mit Frischluft,
MR 2400 versorgt  bis   zu   120 nichttätige  Personen mit Frischluft (vgl. Bild 3).
Da in einem Luftschutzraum nicht mehr als 5O Personen untergebracht werden dürfen, können die beiden größeren Belüftertypen für Handbetrieb bereits zur Belüftung mehrerer nebeneinanderliegender kleiner Räume Verwendung finden.
Die Wahl des Belüftertyps bei tätiger Belegschaft richtet sich


1. nach der gewählten Luftrate je Kopf innerhalb der oben angegebenen Grenzen,
2. nach der Zahl der tätigen Insassen, außerdem aber
3. nach   der   Größe   des   Raumes   unter   Berücksichtigung des vorgeschriebenen Luftwechsels.

Bei einem einfachen Luftwechsel versorgt der
Auer- Luftschutzraumbelüfter
MR   600 einen Raum von max.    36 m3 Rauminhalt mit Frischluft,
MR 1200 einen Raum von max.    72 m3 Rauminhalt mit Frischluft,
MR 2400  einen Raum von max. 144 m3 Rauminhalt mit Frischluft (vgl. Bild 3).

Einzelbelüftung oder Zentralbelüftung?
Es gibt zwei Möglichkeiten, Luftschutzraumanlagen, die aus mehreren Räumen bestehen, zu belüften: Die eine sieht für jeden Raum innerhalb einer Luftschutzraumanlage einen eigenen Belüfter vor. Die andere besteht darin, die gesamte Anlage oder eine Gruppe von Räumen innerhalb einer größeren Anlage zentral von einem Belüfter aus zu versorgen. Wesentlich ist, daß bei der Zentralbelüftungsanlage eine größere Anzahl von Räumen und somit eine größere Anzahl von Personen von einem Belüftungsgerät abhängig gemacht werden, während bei der Einzelbelüftung im allgemeinen höchstens 5O Personen (höchstzulässige Belegungszahl für einen Luftschutzraum) von einem Belüfter versorgt werden. Die größere Sicherheit wird daher in einem Luft-Schutzraum durch die Einzelbelüftung gewährleistet.
Eine Zentralbelüftung mit hoher Förderleistung wird auf die Fälle beschränkt sein, in denen eine besondere Notstromanlage zur Erzeugung der elektrischen Energie zur Verfügung steht, da bei derartigen Belüftern ein Handantrieb nicht immer möglich ist.
Bei Anlage der Zentralbelüftung ist vor allem die Frage zu prüfen, ob mit einer Genehmigung zur Lieferung einer Dieselmaschine und des Rohöls gerechnet werden kann. Auch aus diesem Grunde wird man sich in vielen Fällen zur Einzelbelüftung entschließen müssen.
 

Die Saugleitung
Jeder Luftschutzraumbelüfter soll seine eigene Saugleitung erhalten, deren Führung sich nach der Lage des Gebäudes richtet. Wo dies nicht durchführbar ist, können notfalls zwei Belüfter an  eine  gemeinsame  Saugleitung  angeschlossen werden. Die Saugleitung wird im Freien mindestens 3 m über Erdgleiche geführt und an der Lufteintrittsstelle  durch  eine Abdeckhaube (Bild 3) oder ein Drahtgitter gegen das Eindringen von Regenwasser, grobem Staub, Blättern u. ä. geschützt. Sie besteht im Freien aus einem spröden Werkstoff, der beim Auftreffen von Splittern zerspringt. Ein zähes Flußstahlrohr würde in diesem Falle zusammengequetscht werden und nicht genügend Durchgangsquerschnitt freilassen. Deshalb wählt man als Werkstoff für Saugleitungen Ton, Steinzeug oder Gußeisen (LNA). Wo es architektonische Rücksichten verlangen, wird man die äußere Saugleitung nicht an, sondern in der Außenmauer hochführen (vgl. die vier Möglichkeiten nach Bild 4). Für die innere Saugleitung, das ist die Saugleitung, die innerhalb des Gebäudes bis zum Luft- Schutzraumbelüfter führt, wird   aus   Sicherheitsgründen zweckmäßig geschweißtes Stahlrohr verwendet

Anschluß des Auer- Luftschutzraum - Belüfters.
Unmittelbar vor dem Belüfter ist in der inneren Saugleitung ein Entwässerungsstutzen angeordnet (Bild 7). Dieser fängt anfallendes Kondensat ab, damit es nicht in die Filter eindringen kann.
Außerdem befindet sich in der Saugleitung, ebenfalls unmittelbar vor dem Belüfter, noch ein gasdichtes Absperrventil. Diese Sicherheitsmaßnahme macht es möglich, den Eintritt von Außenluft durch die Saugleitungen vorübergehend zu unterbinden, wenn dies z. B. zur Auswechslung eines Raumfilters notwendig werden sollte. Ein beweglicher Schlauch verbindet die starr an der Wand oder an der Decke verlegte Saugleitung mit dem Raumfilter (Bild 7).

 
Die durch die Saugleitung gelangende kämpfstoffhaltige Luft wird von der Auer- Membranpumpe über das reinigende Raumfilter gesaugt und in den Schutzraum geführt. Das Raumfilter besteht aus einem Schwebstoff- und einem Gasfilter; jedes ist in einer Blechpatrone untergebracht und mit Hilfe der Rollgewinde an den beiden Enden mit der Saugleitung einerseits und der Membranpumpe andererseits verschraubt. Wie der Name besagt, hält das Schwebstoffilter die in der Luft vorhandenen Schwebstoffe und das Gasfilter die gasförmigen Kampfstoffe zurück
 

Die Auer-Membranpumpe.
Der Aufbau der Membranpumpe entspricht einer Kolbenpumpe. Der Wirkungsgrad einer Kolbenpumpe ist um so besser, je dichter der Kolben in dem Zylinder gleitet. Da aber das Bewegen eines stramm im Zylinder sitzenden Kolbens hohen Kraftaufwand erfordert, der bei dem Handantrieb der Belüfter lästig wäre, andererseits ein leicht beweglicher Kolben mit Spiel ein Zurückschlüpfen der Luft von der Druckseite auf die Saugseite mit sich bringt und so den Wirkungsgrad wesentlich verschlechtert, ist bei der Membranpumpe zwischen Kolben und Zylinder ein luftundurchlässiges, aber sehr leicht bewegliches Zwischenglied in Form einer ringförmigen Ledermembran eingeschaltet (Bild 8). Die Ledermembran ist am äußeren Umfang des plattenförmigen Kolbens und an der Trennfuge des Gehäuses verschraubt und stülpt sich beim Auf- und Niedergehen des Kolbens nach oben und unten durch. Hierbei wird die Luft auf der einen Seite des Kolbens zwangsläufig angesaugt und gleichzeitig auf der anderen Seite des Kolbens eine ebenso große Luftmenge in den Schutzraum gedrückt. Mi t jedem Pumpenhub fördert die Pumpe die dem Hubvolumen entsprechende Luftmenge, unabhängig von dem Strömungswiderstand, der im Raumfilter oder auch in der Saugleitung durch Verstaubung und Verschmutzung noch anwachsen kann. Bei der Bewegung der Membranpumpe durch den Handhebel hat sich der Rhythmus von 35 Doppelschwingungen in der Minute für . den menschlichen Körper als physiologischer Bestwert herausgestellt. Diese Taktzahl wird von einem an der Wand aufgehängten Pendel (vgl. Bild 7) genau angegeben. Bei den Auer- Membranpumpen erübrigt sich daher ein besonderer Luftmengenmesser, weil infolge der zwangsläufigen Förderung bei der obengenannten Taktzahl eine ganz bestimmte Luftmenge gefördert und eingehalten wird. Da die Ausgangsbewegung bei einer Kolbenpumpe die hin- und hergehende ist, war es selbstverständlich, als Antriebselement ebenfalls einen hin- und hergehenden Handhebel zu verwenden. Jede andere Übertragung, etwa auf eine Handkurbel, hätte nur zu Wirkungsgradverlusten oder höherem Kraftaufwand geführt! Der Handhebelantrieb hat vor allem den Vorteil, daß abwechselnd mit dem linken oder rechten Arm gepumpt und das ganze Körpergewicht durch leichtes hin- und    herschwingen zur Kraftübertragung mit herangezogen werden kann.
Arbeitsphysiologische Versuche des Kaiser-Wilhelm-Instituts in Dortmund haben ergeben, daß die menschliche Arbeitskraft am Handhebel der Membranpumpen mit einem sehr guten Wirkungsgrad eingesetzt wird, da Getriebe (Zahnradvorgelege) nicht vorhanden sind und die menschliche Arbeitskraft so gut wie restlos in Luftförderarbeit umgesetzt wird. Der bewußte Verzicht auf Zahn- und Schneckenräder bei  der Membranpumpe macht ihren Betrieb auch praktisch geräuschlos. Eine Verschmutzung und Verstaubung bzw. Beschädigung der Ventile ist ebenfalls ausgeschlossen, da sie innerhalb des Gehäuses liegen.
Besondere Wartung benötigt die Auer-Membranpumpe nicht; es ist nur dafür zu sorgen, daß die Räume, in denen die Pumpen aufgestellt sind, ab und zu durchlüftet werden. Auch ist größere Feuchtigkeit zu vermeiden, eine Forderung, die schon mit Rücksicht auf den gesamten Bauzustand des Luftschutzraumes gestellt werden muß.

Reinluft- und Abluftführung
Ist in jedem Luftschutzraum eine Membranpumpe aufgestellt, so wird die von ihr angesaugte Luft unmittelbar durch eine Ausblaseöffnung in den Schutzraum geführt. Versorgt eine Membranpumpe zwei oder drei einander benachbarte Räume gemeinsam, so ist an den Austrittsstutzen der Membranpumpe eine Reinluft- Verteilleitung anzuschließen, durch die die Luft in die einzelnen Räume gelangt. An den Luftaustrittsstellen der Reinluftleitung befinden sich Regulierklappen (Bild 9), die es ermöglichen, die Luftzufuhr in die einzelnen Räume dem jeweiligen Bedarf anzupassen.
Für eine gute Durchlüftung der Räume ist es wesentlich, der Luft einen ganz bestimmten Weg durch den Raum vorzuschreiben, und zwar durch sinngemäß räumliche Anbringung des Überdruckventils. Es muß so angeordnet sein, daß die Luft möglichst quer durch den ganzen Raum hindurch streicht, bevor sie ins Freie bzw. in die Schleuse entweichen kann. Die Luftgeschwindigkeit ist hierbei so gering, daß kein „Zug" entsteht.
Die verbrauchte Luft aus dem Luftschutzraum führt man noch über die Aborte oder die Gasschleuse; man erreicht dadurch besonders in den Aborten einen hohen Luftwechsel und vermeidet mit Sicherheit ein Zurücktreten der schlechten Luft und damit eine Geruchsbelästigung im Luftschutzraum.
Falls aus besonderen Gründen die Abluft nicht frei in den Nachbarraum abblasen soll, kann auch eine Abluftleitung verlegt werden, durch die die Abluft des einen Raumes geschlossen durch den Nachbarraum hindurchgeführt wird (Bild 10).
Das Auer-Überdruckventil
Um in den Luftschutzräumen einen Überdruck gegenüber der Außenluft zu erzeugen und aufrechtzuerhalten, der das Eindringen kampfstoffhaltiger Luft von außen her auch bei Windanfall mit Sicherheit verhindert, baut man an einer Wand des Schutzraumes ein Überdruckventil ein. (Vgl. Bild?.)
Das Auer-Überdruckventil arbeitet als Rückschlagventil. Es gibt der Luft den Austrittsweg erst und nur dann frei, wenn ein gewisser Überdruck im Schutzraum vorhanden ist. Die abblasende Luft hebt dabei im Überdruckventil einen halbkugelförmigen Schwimmer mehr öder weniger in die Höhe. Durch ein Fenster kann die Höhenlage des Schwimmers
dauernd beobachtet werden, so daß sich jeder Luftschutzraum-Insasse sehr einfach von dem im Luftschutzraum vorhandenen Überdruck überzeugen kann.
Um eine möglichst .bequeme Luftführung hinter dem Überdruckventil zu ermöglichen, wird es in der Regel mit einem Wanddurchführungsrohr verschraubt, das teleskopartig ausgeführt ist und daher in seiner Länge jeder Wandstärke angepaßt werden kann.
Münden, wie das oft der Fall ist, mehrere Luftschutzräume und damit mehrere Abluftleitungen in eine Gasschleuse, so verwendet man zur Entlüftung der Schleuse das eigens für diesen Zweck geschaffene Überdruckventil Umg. 50, das für einen normalen Durchgang von 50001 pro Minute gebaut ist. (Bild 7.)
 

Der Auer-Kundendienst
Eine Auer- Schutzraumbelüftungsanlage soll nur von Auer-Monteuren eingebaut werden. Fortlaufende Schulung und ständiger Erfahrungsaustausch sorgen dafür, daß jeder Auer-Monteur .über das reiche Fachwissen der Auergesellschaft auf diesem Gebiete verfügt.
Verantwortungsbewußtsein und die Erkenntnis, daß auch die kleinsten Fehler u. U. verhängnisvolle Folgen haben können, haben die Auergesellschaft veranlaßt, dieses Verfahren ausschließlich anzuwenden. Auer-Membranpumpen und Auer-Raumfilter werden daher weder an Wiederverkäufer noch an Installationsgeschäfte geliefert. Zweck dieser Maßnahme ist die Schaffung einer für den Ernstfall bereiten, in jeder Beziehung einwandfreien und vollkommenen Luftschutzraum -belüftung. Für die dauernde Erhaltung dieses Zustandes sorgt der von der Auergesellschaft eingerichtete „Auer-Kundendienst". Zwar wird der Luftschutzleiter eines Industriewerkes oder einer Behörde schon im Bewusstsein seiner eigenen Verantwortung alle erdenkliche Sorgfalt darauf verwenden, die seiner Obhut anvertrauten Räume und Geräte gewissenhaft zu überprüfen. Er wird sich stets davon überzeugen, daß alle in seinem Luftschutzraum befindlichen Apparate und Einrichtungen in einem tadellosen und sofort gebrauchsfertigen Zustand sind. Diese Überwachungstätigkeit wird sich aber bei aller Sachkenntnis und Sorgfalt bei einer Belüftungsanlage in der Regel nur auf das von außen Erkennbare beschränken müssen. Die Feststellung, ob irgendwelche Einflüsse versteckter Natur die Anlage gefährden, kann nur eine bis ins einzelne vordringende sachkundige Revision eines erfahrenen Fachmannes ergeben. Daher wird jede von Auer-Monteuren gebaute und somit unter der Verantwortung der Auergesellschaft stehende Schutzraumbelüftungsanlage in bestimmten Abständen von besonders ausgebildeten Auer-Revisoren untersucht. Das über diese Untersuchungen aufgenommene Protokoll, das völligen Aufschluß über jeden Teil der Anlage in seinem bei der Revision angetroffenen Zustand gibt, wird bei der Kundendienst-Abteilung aufbewahrt. Ein entsprechender Eintrag in die Kundenkartei bestimmt den voraussichtlichen Termin der nächsten Revision.  Der Besitzer der revidierten Anlage erhält eine Bescheinigung über den Befund der Revision. Er ersieht daraus, ob seine Anlage in Ordnung ist, oder ob und welche Mängel - etwa infolge unsachgemäßer Behandlung der Anlage — festgestellt wurden. Im letzteren Falle gehen dem Besitzer schriftliche, Vorschläge zur Abstellung dieser Mängel durch den Auer-Kundendienst zu.  
Die Auergesellschaft hält auf dem Weg über diesen Kundendienst alle von ihr gebauten Anlagen unter, unausgesetzter Beobachtung. Sie gibt dadurch ihren Abnehmern und sich selbst die Beruhigung, daß eine von der Auergesellschaft gebaute Schutzraumbelüftungsanlage jederzeit im Ernstfalle einsatzbereit und ihrer Aufgabe gewachsen ist.
 

l) Erste Ausführungsbestimmungen zum § l der Zweiten Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz — Schutzraumbestimmungen — .

2) Gasschutz und Luftschutz}, Jahrgang 1936, Heft 6; Jahrgang 1938, Heft 8. Interessenten wollen Sonderdrucke dieser Veröffentlichungen bei uns anfordern  S. 1773. 7. 40. Sa.

* Luftrate = Luftzufuhr je Minute und Person.

 

Auer - Produkte006

Bildquelle: Die Gasmaske, Ausgabe 1939 Heft 6, Auergesellschaft Berlin, Verlag Deutsche Gasglühlicht - Auergesellschaft m.b.H, Berlin,

 

 


 

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