Teno-Beitritt
Tenp-Bedingungen

Verpflichtungsschein der Technischen Nothilfe

Aus: Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure  Band 79 Nr. 7 vom 16.2.1935  Seite 209


Die Technische Nothilfe
Gelegentlich des 15jährigen Bestehens der Technischen Nothilfe
1) hat die Zeitschrift „Die Räder" ein Sonderheft 2) herausgebracht, worin in großen Zügen die Entwicklung der Technischen Nothilfe dargelegt wird. Die in dieser Veröffentlichung mitgeteilten Zahlen sind so bemerkenswert, daß wir einige davon wiedergeben.
 

Ein Vierteljahr nach der Gründung, Anfang 1920, betrug die Zahl der Nothelfer 2114; am 1. Oktober 1920 war sie bereits auf rd. 132 000 angewachsen. Der Höchststand wurde 1924 mit fast % Million Nothelfer erreicht. Dann folgt ein Rückgang bis auf 207 000 am 1. Oktober 1928; auf dieser Höhe ist die Zahl der Nothelfer bis jetzt geblieben.
Der organisatorische Aufbau erreichte seinen Höhepunkt in der zweiten Hälfte 1927 mit 2230 Ortsgruppen. Dann setzte infolge der Kürzung der Mittel — 1925 waren es 3 Millionen, 1928 noch 2,25 Millionen und 1931 nur noch l Million Reichsmark —- eine Verringerung der Ortsgruppenzahl bis |auf rd. 670 ein, und auf diesem Stand wurde sie bis heute gehalten. Wenn trotzdem die Leistungsfähigkeit und Schlagkraft der Technischen Nothilfe nicht geringer wurden, so lag dies hauptsächlich daran, daß man die ehrenamtliche Mitarbeit von Führern und Nothelfern in verstärktem Maß heranzog, die Ansprüche an die fachliche Eignung der Nothelfer immer wieder heraufsetzte und den organisatorischen Aufbau vereinfachte. Ihre Wirksamkeit hat die Technische Nothilfe damit bewiesen, daß sie insgesamt 4009 mal in lebenswichtigen Betrieben und 1908 mal zur Hilfeleistung bei schweren Unglücksfällen herangezogen worden ist. Unzweifelhaft hat auch schon ihre Bereitschaft in den Zeiten des Zwischenreiches eine heilsame Wirkung ausgeübt. Von den 5917 Einsatzstellen mit 117313 eingesetzten Nothelfern bei 6180466 Arbeitsstunden entfallen auf die Landwirtschaft 2104 Arbeitsstellen und 220 781 Arbeitsstunden, auf den Verkehr 829 Einsatzstellen und l 391 784 Arbeitsstunden, auf das Nahrungsmittelgewerbe 496 Einsatzstellen und 355 065 Arbeitsstunden, auf Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke 366 Einsatzstellen mit l 080 550 Arbeitsstunden. Die größte Zahl der Nothelfer wurde im Verkehr eingesetzt; sie betrug 31 151 gegenüber 27 800 bei Ereignissen höherer Gewalt und 20 909 in der Landwirtschaft. Die der Technischen Nothilfe im Dritten Reich gestellten Aufgaben sind Beseitigung von öffentlichen Notständen in lebenswichtigen Betrieben und Mitwirkung im zivilen Luftschutz. N 1789Sd.

1) Vgl. a. Z. VDI Bd. 64 (1920) S. 874; Bd. 66 (1922) S. 1089.

2) „Die Räder" Bd. 15 (1934) Nr. 20.

 

Teno - Liederbuch001
Teno - Liederbuch002

Wie damals üblich, wurde der Gemeinschaftsgedanke unter anderem durch Gesang gefördert. Auch die Teno hatte ein eigenes Liederbuch

Einen guten Über - und Einblick über die Tätigkeiten der Technischen Nothilfe kann man dem “Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt mit Zeitschrift für Bauwesen”, Herausgegeben im Preuss. Finanzministerium, 60. Jahrgang, Heft  25/26, S. 374 -376, Berlin, 22.Juni 1940, entnehmen. Nachfolgend ein Aufsatz von Erich Hampe

 

Deutsche Technik im freiwilligen Einsatz

Von Erich Hampe, Stellv. Chef und Chef des Führungsstabes der Technischen Nothilfe.

Neben dem Großeinsatz der Deutschen Technik im Rahmen von Wehrmacht und Kriegswirtschaft während des bisherigen Kriegsverlaufes haben deutsche Ingenieure und Techniker noch einen besonderen Beitrag von selbstloser Opferbereitschaft geleistet. Er zeugt von dem Idealismus, der den deutschen Techniker beseelt. Und wie der deutsche Idealismus eine deutsche Angelegenheit ist, die nirgends sonst in der Welt gefunden wird, so ist auch dieser Beitrag einzigartig.
Die Kriegseinsätze der Technischen Nothilfe vollzogen sich während des bisherigen Kriegsverlaufes in drei Gruppen: Einmal in der Aufstellung T e c h n i s c h e r  K o m m a n d o s als Wehrmachteinheiten und ihr Einsatz motorisierter Einheiten des B e r e i t s c h a f t s d i e n s t e s der Technischen Nothilfe im besetzten Ostgebiete zur Beseitigung von Schäden und Gefahrherden und schließlich im Einsatz der bodenständigen E i n h e i t e n  d e r  L a n d e s g r u p p e W e s t m a r k im Vorfeld und freigemachten Gebiete an der Saar-Pfalz-Front zur Unterstützung von Wehrmacht und Polizei.
Jeder Landgewinn bringt gleichzeitig ein Mehr an wirtschaftlichen Werten. Es ist wichtig, daß diese möglichst unversehrt in die eigenen Hände gelangen und schnell wirtschaftlich ausgenutzt werden können. Gleichzeitig ist es wichtig, daß in stark bevölkerten Gebieten die Grundlagen von Leben und Arbeiten gesichert bleiben. Sie beruhen auf dem ungestörten Fortgang der lebenswichtigen Versorgungsbetriebe. So ergab sich die Notwendigkeit der Schaffung technischer Wehrmachteinheiten zu dem Zwecke, das besetzte Gebiet sofort wirtschaftlich zu erkunden, blitzschnell wichtige Betriebe zu besetzen, vor Sabotage und sonstigen Schäden zu schützen und schließlich die Versorgungsbetriebe – Elektrizität, Gas und Wasser – wieder in Gang zu setzen.
Die dafür eingesetzten Technischen Kommandos gaben etwa Bataillonsstärke und gliedern sich in Fachabteilungen von Kompaniestärke. Die Technische Nothilfe hatte eine Anzahl solcher Technischen Kommandos, die meist aus nicht wehrpflichtigen Angehörigen der Technischen Nothilfe zusammengesetzt waren, auf Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht aufzustellen. Sie haben ein umfangreiches Betätigungsfeld gefunden. Überall zeigte sich die Notwendigkeit, durch rasches Zufassen Schäden zu verhüten und stillgelegte wichtige Betriebe in Gang zu setzen. Viel beachtet wurde der Einsatz eines Technischen Kommandos in Warschau, das mit als erste Truppe nach der Übergabe in die Stadt einrückte und die stark beschädigten Versorgungsbetriebe wieder in Gang brachte. Damit wurde nicht nur die Millionenbevölkerung Warschaus vor dem selbstverschuldeten Untergang gerettet, sondern auch der Besatzung durch Zuführung von Licht und Wasser ihre militärische Aufgabe erleichtert. Aber auch ein anderes Technisches Kommando, das das ostoberschlesische Industriegebiet zu erkunden und für die wirtschaftliche Ausnutzung vorzubereiten hatte, das weiterhin später im ehemaligen polnischen Sicherheitsdreieck die Stromversorgung für die Arbeitsaufnahme in den Rüstungsbetrieben sichern mußte und zu diesem Zwecke u.a. eine Freileitung über die Weichsel zu führen hatte, fand nicht weniger wichtige und technisch schwierige Aufgaben vor. Schließlich sei noch ein weiteres Technisches Kommando erwähnt, das durch das Teschenolsagebiet auf Jaslo und weiter ostwärts vorrückend in das Öl- und Erdgasgebiet gelangte und sich hier um die Treibstoffversorgung der Wehrmacht dankbar anerkannte Verdienste erwarb.
Einige Zahlen beleuchten die umfangreiche Tätigkeit dieser Technischen Kommandos im Polenfeldzuge: Der Einsatz erfolgte in rund 180 Orten und an etwa 2000 Einsatzstellen. Allein 190 Elektrizitäts- und Umspannwerke wurden erkundet, bei Beschädigungen instandgesetzt und betreut. Mehr als 1600 km Überlandfreileitungen und Kabel wurden ausgebessert. 30 Gaswerke, 26 Bergwerke, 11 Ölraffinerien wurden in Gang gesetzt oder weitergeführt.
Die erste Gruppe der motorisierten E i n h e i t e n  d e s  B e r e i t s c h a f t s d i e n s t e s, die sonst die Katastrophenbekämpfung in der Heimat versehen, beseitigte Schäden und Gefahren im besetzten Ostgebiet. In ungestümem Vormarsch waren die deutschen Truppen mit ihren Bauformationen tief in das Innere Polens vorgedrungen. In den Randgebieten, von denen Teile, wie etwa Ostoberschlesien, umgangen worden waren, lauerten aber noch Gefahrenherde und zeigten sich durch Sprengungen von polnischer Hand erhebliche Zerstörungen. Wenn rasch der Anschluß an das Altreich gewonnen und Leben und Verkehr in den Randgebieten wieder geweckt werden sollten, mußte schnelle technische Hilfe gebracht werden.
Hierzu eigneten sich die motorisierten Bereitschaftszüge der Technischen Nothilfe vorzüglich. Schlagartig wurden sie im Randgebiete zusammengezogen. Die erste Abteilung, aus 20 Bereitschaftszügen bestehend, setzte kurz nach der Rückgewinnung von Ostoberschlesien von Hindenburg aus ein, um die von den Polen verlassenen, aber noch mit Waffen und Munition und auch mit Sprengladungen besetzten Bunkerzonen schleunigst zu räumen; denn aus diesem Waffenarsenal versorgten sich die Insurgenten immer wieder aufs neue. Dann gingen sie daran, die zahlreichen, zerstörten Eisenbahnbrücken zu erkunden, die Sprengladungen zu entfernen, Vorarbeiten für den raschen Neubau zu leisten oder bei solchen Brücken, bei denen sich die Möglichkeit noch bot, eine behelfsmäßige Wiederherstellung für die Wiederaufnahme des Zugverkehrs durchzuführen. So half sie aus freiem Einsatz die wirtschaftliche Rückgliederung Ostoberschlesiens ins Reich zu beschleunigen. – Weitere TN-Abteilungen setzten bald darauf nord- und südwärts von dieser Abteilung ein. Eine nördliche Abteilung beseitigte von Tschenstochau aus umfangreiche Minenfelder und baute um den Verkehrsknotenpunkt Mielun herum nicht weniger als 20 schwere Behelfsstraßenbrücken von 16 t Tragfähigkeit. Die südliche Abteilung stellte durch Bau von 17 Behelfsbrücken im Zuge wichtiger Fernverkehrstraßen die Verbindung des industriellen Olga-Teschengebietes mit Oberschlesien, Mährisch-Ostrau, den Bestiden und Galizien her. Seine Behelfsbrückenbauten, meist Einbauten von Holzstreben in gesprengte hohe und breite Eisenbetonbrücken, stellen allgemein anerkannte Spitzenleistungen auf diesem Gebiete dar. – Auch an der Südwestgrenze Ostpreußens waren nach dem stürmischen Vormarsch unserer Truppen noch Notstände zu beseitigen. Die Polen hatten den Olgafluß angestaut und die Brücken in Richtung auf Graudenz gesprengt, so daß der unmittelbare Verkehr Marienwerder – Graudenz und Preußisch-Schlau – Graudenz vollkommen unterbunden war. Eine sofort zusammengezogene ostpreußische TN-Abteilung sprengte die Staudämme, regelte den Flusslauf, baute ein neues Wehr und schlug an Stelle der zerstörten sechs neue Behelfsstraßenbrücken, so daß die Verbindung nach Westpreußen wie nach polen in gerader Linie wieder möglich wurde. – Auch nach Instandsetzung der lebenswichtigen Versorgung durch das Technische Kommando in Warschau waren hier noch Gefahrenherde verblieben. Einmal ließ die an vielen Stellen zu Bruch gegangene Kanalisation eine Ausbreitung von Seuchen befürchten, zum anderen bildeten schwer beschädigte Häuser im Zuge wichtiger Durchmarschstraßen ständige Einsturzgefahren. Eine TN-Ingenieurgruppe, aus Tiefbauingenieuren bestehend, bekam den Auftrag, die Häuser auf Einsturzgefahr zu untersuchen. Die am meisten gefährdeten Häuser wurden sodann durch Sprengkommandos der Technischen Nothilfe gesprengt, und zwar unter Anwendung eines besonderen Sprengverfahrens, durch das weder eine Beschädigung an den Nachbarhäusern verursacht noch die Straße durch Trümmer versperrt wurde. Nur sechs Minuten brauchte bei einer solchen Sprengung die Straße gesperrt zu werden. Es sind 60 Häuser auf diese Weise gesprengt worden. Die Untersuchung der baulichen Schäden der Stadt Warschau durch dieses Einsatzkommando erbrachte zugleich wichtige bautechnische Luftschutzerfahrungen.
Im Westen waren Teile der Technischen Nothilfe im Grenzschutz eingebaut gewesen. Ihre Aufgaben waren: Behelfsbrückenbau, Freimachung von Schußfeld, Versumpfung von Geländestrecken usw. Bei der Freimachung griffen sie tatkräftig ein. Sie bargen durch ihren vorbildlichen Einsatz Tiere, Erzeugnisse und Maschinen im Werte von vielen Millionen Reichsmark. Das geschah unter schwierigsten Umständen. Große Benzolvorräte in einem Hüttenwerke z.B. mussten in selbst herbeigeführte Tankwagen umgefüllt und die Tankwagenzüge im eigenen Bahnbetrieb ins Hinterland zurückgebracht werden. Neue wichtige Aufgaben harrten der TN-Abteilungen an der Saar-Pfalzfront im weiteren Verlaufe. Sie lassen sich in drei Gruppen gliedern: Einmal mußte den Truppenunterkünften, aber auch den vordersten Postenstellungen, Licht und Wasser zugeführt werden – was die Verlegung kilometerlanger neuer Leitungen erforderlich machte -, weiter wurde ihnen die technische Wartung der Bunker übertragen, und schließlich bekamen sie Sonderbauaufträge an Gefechtsstollen und Sanitätsstollen. Als besonders bemerkenswert ist der Sanitätsstollenbau zu bezeichnen; denn hier handelt es sich um nichts mehr oder weniger als die Einrichtung unterirdischer Operationssäle und Aufenthaltsräume von erheblichem Umfange. Während diese Aufgaben Schulter an Schulter mit Wehrmacht und Polizei im freigemachten Gebiete, ja teils unter dem Schutz von Spähtrupps im Vorfeld durchgeführt wurden, errichteten im rückwärtigen Gebiete andere Einheiten eine Anzahl von schweren Behelfsbrücken, um dem starken Verkehr hinter der Front genügend Ausweichmöglichkeiten zu schaffen. Auch hier zeigte sich der deutsche Techniker als bester Freund der Truppe und erwarb sich allgemeine Anerkennung.
Während dieser Einsätze an den Fronten liefen in der Heimat die täglichen Einsätze im vermehrten Ausmaße fort. Hier zeigte sich beim Übergang vom Friedens- in den Kriegszustand so recht, wie wichtig ein solches technisches Hilfsorgan für ale Teile ist. Wehrmacht und Polizei verlangten technische Hilfe, die Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung erheischten vielfache technische Hilfeleistungen, die Bekämpfung von Schäden und Unglücksfällen riß nicht ab, besonders nicht in dem strengen Winter. Nicht weniger als 70000 Nothelfer leisteten hierbei in der Heimat freiwillig und entschädigungslos ihren Ehrendienst am deutschen Volke.
 

Dieser Aufsatz aus der  o.g. Quelle liegt nur in altdeutscher Druckschrift vor und wurde von Sieglinde Gentsch übertragen
 

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