Müllabfuhr-Fahrzeuge
Von Dipl-Ing.  H.  Seidel,  Berlin
 

Drei maßgebende Gesichtspunkte für den Bau von Fahrzeugen für Müllabfuhr: Staubfreie Beladung, großes Aufnahmevermögen, niedrige Ladekante. — Verschiedene Bauarten   mit Benzinmotorantrieb: Wagen von Krupp mit Förderschnecke, kippbare Rolltrommel - Müllwagen der Firmen Faun-Werke G. m. b. H., Nürnberg, und Peter Bauer, Köln-Ehrenfeld, Großraum - Müllwagen zur Beförderung von Müll von einer Umlade - zur Abladestelle.

Der  Kampf  gegen  Staub   und  Schmutz,  die  in  den dichtbevölkerten  Großstädten   eine   große   Gefahr für die Gesundheit der Bewohner bedeuten, bildet für die Verwaltung dieser Städte eine schwere und verantwortungsvolle  Aufgabe,  die  zu  lösen  vor  allen  Dingen der  Techniker   berufen  ist.    Eine   wichtige   Rolle   spielt hierbei die Beseitigung des Hausmülls.   Auch auf diesem Gebiete der kommunalen Technik sind seit Einführung des Kraftantriebes große  Fortschritte gemacht  worden.

Drei Punkte spielen bei der Müllabfuhr eine ausschlaggebende Rolle: Die staubfreie Beladung sowie ein möglichst großes Aufnahmevermögen des Müllkastens der Wagen bei möglichst niedriger L a d e k a n t e. Während die erste Frage vom gesundheitlichen Standpunkt aus besondere Bedeutung hat, sind die beiden ändern wichtig für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Die Höhe des Wagendaches ist nach oben begrenzt; eine große Ladehöhe macht das Aufladen schwieriger und vergrößert damit seine Dauer. Diesen Anforderungen sucht man auf verschiedenen Wegen gerecht zu werden. Im folgenden seien einige neuere Lösungen behandelt, die sich bereits im Betriebe bewährt haben, so daß man ihnen mit gutem Grund auch Zukunftsaussichten zubilligen kann

Kennzeichnend für den von der Firma Fried. Krupp, A. - G., Essen, erbauten Müllabfuhrwagen mit Benzinmotorantrieb, ist die mechanische Beladevorrichtung mittels Schnecke, die aus Sonderstahl hergestellt ist, so daß sie auch großstückigen Schutt ohne erheblichen Verschleiß fortbewegen kann. Das hintere Ende des Schneckengehäuses an der Rückseite des Wagens ist oben offen und bildet die Einschüttöffnung. Man kann das Müll aus beliebigen Behältern einschütten. Übermäßige Staubentwicklung wird durch ein über dem Einfülltrog angeordnetes Segeltuch verhindert. Bei Verwendung von einheitlichen Tonnen mit 110 l Inhalt, deren Größe der Einwurföffnung entspricht, wird mittels eines schon länger bewährten selbsttätigen Verschlusses vollkommene Staubfreiheit erreicht.

Die Förderschnecke, die über einen mehrfachen Kegelradantrieb b betätigt wird,. schafft das Müll in kurzer Zeit in den vorderen Teil des Wagens. Die Schnecke ist bis auf die oberen Windungen von einem Gehäuse eingeschlossen. Aus dem Querschnitt des Schneckentroges ist die Anordnung einer Leiste  zu erkennen, die den Sclmeckenumfang fast berührt, Unterhalb dieser Leiste ist der Spielraum zwischen Schneckenrohr  und Schnecke am kleinsten, er erweitert sich allmählich in der Drehrichtung zu einem großen Hohlraum  oberhalb der Leiste . Sperrige Müllteile werden mit herumgenommen, bis sie auf die Leiste aufschlagen. Die Schnecke  zieht dann diese Teile durch den Raum  in den Wagenkasten hinein.

Das Einladen von der Rückseite aus schließt auch bei lebhaftem Verkehr Belästigungen von Fußgängern aus. In engen Straßen, wo gleichzeitig von beiden Straßenseiten die Kästen entleert werden, wird das zeitraubende Herumlaufen um den Wagen zur Ladeseite vermieden. Die Beladehöhe wird durch die Anordnung der Förderschnecke sehr günstig beeinflußt; sie liegt nur 100cm über der Straße.

Durch Hochkippen des Wagenkastens wird das Müll im Wagen verteilt, so daß das Fassungsvermögen von 12 m3 vollständig ausgenutzt werden kann. Das Einladen dauert je nach der Bebaungsdichte 50 bis 70 min. Täglich können mit einem Wagen bei etwa fünf Fahrten 45 bis 60 m3 Hausmüll abgefahren werden.

Entleert wird der Wagen durch ein einfaches Kippen des Kastens nach hinten bei geöffneter Rückwand. Hierzu wird der obere Teil der Rückwand nach oben, der untere nach unten umgeklappt, und beide werden mit Haken festgehalten. Die Kippvorrichtung, besteht aus einer unter der Kastenmitte angreifenden Winde mit ausschraubbarer Spindel. Die Winde wird vom Motor über ein Getriebe  angetrieben. Der größte Kippwinkel beträgt 65 °, in den Endstellungen wird das Getriebe selbsttätig ausgerückt. Zwei Stützhaken, die mit den Achsen verbunden werden können, schalten beim Kippen die Hinterachsfedern aus.

Der mittlere Benzinverbrauch für den Wagen beim Aufladen beträgt 2,5 bis 4 kg in einer Arbeitstunde. Der Wagen ist in etwa 52 deutschen und ausländischen Großstädten in Betrieb.
Die Firma Faun, G. m. b. H., Nürnberg, baut einen kippbaren Rolltrommel-Müllwagen für 10m3 Inhalt mit benzin-elektrischem Antrieb. Dieser Wagen wird von der Seite her beladen, Abb. 6. Die Höhe der Einschüttkante ist auf 1300 bis 1700 mm über dem Erdboden einstellbar. Die Trommel hat insgesamt vier Einschüttöffnungen. Das Schüttgut wird zunächst solange eingebracht, bis es die untere Kante der Einschüttöffnung erreicht hat. Hierauf wird die Trommel um etwa 130 ° gedreht, so daß die Einschüttöffnungen auf die andre Seite zu liegen kommen. Dabei rutscht das Müll entsprechend weiter, und die Einschüttöffnung wird wieder frei. Beim Zurückdrehen in die alte Stellung bleibt das Müll infolge der Adhäsion in der neuen Stellung an der Trommelwand haften. Nach etwa vier bis fünf Drehungen der Trommel, die jedesmal vorgenommen werden, wenn das Schüttgut die untere Kante der Einschüttöffnung erreicht hat, ist die Trommel gefüllt. Soll der Wagen entleert werden, so öffnet man die Klappe der Rückwand und kippt die Trommel mittels Doppelspindel bis zu einem Kippwinkel von 60 ° nach rückwärts.

Die Einschüttöffnungen sind für die sogenannten Ringtonnen eingerichtet, können aber ändern Müllgefäßformen angepaßt werden. Die Klappe über den Einwurföffnungen kann die übliche selbsttätige Bewegung erhalten.

Über ein besonderes Getriebe versetzt der Antriebmotor die Trommel in Drehung, und zwar können diese Drehungen ohne Zeitverlust und mit geringem Kraftaufwand während der Fahrt zum nächsten Haus vorgenommen werden. Diese Bauart hat den Vorzug, daß die Entleerung der Trommel durch keinerlei Antriebteile in ihrem Innern erschwert wird. Auch der Kraftaufwand für das Drehen der Trommel ist verhältnismäßig gering.

Die Stadtverwaltung der holländischen Hauptstadt Den Haag hat u. a. verschiedene Wagen in Betrieb. Müllwagen ganz ähnlicher Art baut die Firma Peter Bauer, Köln-Ehrenfeld. Zum Drehen der Trommel dient hier ein Nebenantrieb des Motors. Die Kraft wird von der Antriebwelle  mittels einer Kette auf eine zu  parallele Welle übertragen, von der aus über ein Kegelradgetriebe mit der Kupplung  eine Schnecke  angetrieben wird. Die Schnecke kämmt mit einem Schneckenrad  und das mit diesem auf gleicher Welle sitzende Rad  dreht die Trommel durch Arbeiten auf die über des Trommelumfanges ausgedehnte Triebstockverzahnung. Die Trommel stützt sich hierbei gegen die Rolle  ab. 100 vollgefüllte Mülltonnen von je 1001 Inhalt können ohne Schwierigkeit eingefüllt werden. Ein weiteres Erzeugnis dieser Firma ist ein Großraum-Müllwagen von 12 m8 Inhalt. Dieser Wagen dient zur Abfuhr von Müll von einer Umladestelle aus zur Abladestelle. Die Mülltonnen werden durch Klein-Elektrowagen mit Anhänger gesammelt, die je 18 Mülltonnen aufladen können, und zur nächsten Umladestelle gebracht. Das durch besondere Vorrichtungen staubfrei ausgeladene Müll wird hier mittels einer Schüttelrinne oder eines Förderbandes mit Becherwerk von oben her in den Wagen befördert. Die Wagendecke wird durch Schieber abgeschlossen, die man von der Erde her durch einfache Kurbelbetätigung bedienen kann. Beim Entleeren wird eine Bodenklappe geöffnet. Der städtische Fuhrpark der Stadt Köln hat etwa 40 dieser Wagen in Betrieb.

Quelle: VDI Nachrichten 1927

Müllwagen Faun

Faun Müllwagen

Müllwagen Faun Kippstellung

Müllwagen von Faun in Kippstellung

Müllwagen Krupp001

Müllwagen von Krupp

Müllwagen Krupp002

Kruppsche Müllwagen - Zeichnung


 

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