Der Stand der Technik vor dem Krieg war im Bereich der wichtigen Straßenreinigung stark vorangeschritten. Gerade die Straßenreinigung wurde und wird kaum als besonders wichtige Maßnahme zur Aufrechterhaltung der allgemeinen Gesundheit wahrgenommen. In Friedenszeiten wird diese Tätigkeit von der allgemeinen Bevölkerung wenig  geschätzt, und wenn, dann nur wenn  der Unrat auf den Straßen und Plätzen überhand genommen hat. In Kriegszeiten jedoch, gerade nach Bombenangriffen, lagern sich Staub, Asche, Bakterien und andere Substanzen auf Freiflächen ab. Menschen die solche Bereiche betreten, atmen diese Stoffe ein, kommen in direkten Kontakt und können dadurch besonders schnell erkranken. Deshalb zählt die Straßenreinigung ebenfalls zu einem wichtigen Teil der Daseinsvorsorge. Nachfolgend der Stand der Technik von 1929 

 

Neue Straßenreinigungsmaschinen

Von G. ERDMANN, Direktor der Straßenreinigung in Berlin
 

Die Entwicklung des Verkehrs., die gesteigerten Forderungen der öffentlichen Gesundheitspflege und wirtschaftliche Rücksichten zwingen die Straßenreinigungsbetriebe, die Handarbeit immer mehr einzuschränken und an deren Stelle die Maschinenarbeit einzuführen.  Mit einer Anzahl neuer Maschinen und Fahrzeuge sind Versuche gemacht worden. Bei einigen, wie den selbstaufnehmenden Kehrmaschinen, den Baggersaugwagen und Sandstreumaschinen, sind die Versuche im großen und ganzen als beendet anzusehen; die Maschinen arbeiten bereits im praktischen Betriebe. Mit den ändern Maschinen werden die Versuche fortgesetzt. Einrichtung und Arbeitsweise der einzelnen Maschinen werden beschrieben, dabei werden die noch nicht gelösten technischen Aufgaben erwähnt.
Straßenreinigung 001 Kehrmaschine Bauart Karrier

Aufgaben der gegenwärtigen Entwicklung
Die Entwicklung der Betriebs- und Arbeitsverhältnisse im Straßenreinigungswesen zwingt die Straßenreinigungsbetriebe, ihre Arbeiten mehr und mehr zu mechanisieren. Die dringendste Aufgabe besteht darin, die Fahrzeuge und Arbeitsmaschinen mit motorischem Antrieb auszustatten. Kraftfahrzeuge sind beweglicher und wendiger als bespannte Fahrzeuge, stören also den Verkehr weniger und werden selbst bei der Arbeit vom Verkehr weniger gestört. Auch die Betriebskosten sind, auf die Leistung umgerechnet, geringer als bei bespannten Fahrzeugen. Die technischen Voraussetzungen für den motorischen Antrieb sind seit langem gegeben. Es sind heute sehr leistungsfähige Kraftfahrzeuge für die Zwecke der Straßenreinigung auf dem Markte. Wenn bisher das Tempo der Umstellung nicht allzu lebhaft war, so lag das daran, daß die deutschen Gemeinden in den Jahren nach dem Kriege und in der Inflationszeit nur geringe Mittel für die technische Ausstattung ihrer Straßenreinigungsbetriebe zur Verfügung hatten. Es ist anzunehmen, daß die weitere Entwicklung des Oberflächenverkehrs die im Gange befindliche Umstellung beschleunigen wird.
Eine weitere dringende Aufgabe ist die Mechanisierung der Handarbeit, die ebenfalls in erster Linie durch die Entwicklung des Verkehrs bedingt ist. In den Verkehrsstraßen der Großstädte ist die Handarbeit heute nur noch unter großen Schwierigkeiten und unter erheblichen persönlichen Gefahren für die Belegschaft der Straßenreinigung durchzuführen. Die Anzahl der Betriebsunfälle von Straßenreinigungsarbeitern hat bereits eine solche Höhe erreicht, daß eine Änderung des jetzigen Zustandes durch eine weitere Mechanisierung der Handarbeit dringend erforderlich ist. Die praktische Ausführung der Mechanisierung war bisher dadurch gehemmt, daß es an leistungsfähigen Maschinen fehlte. Erst in der allerletzten Zeit sind darin Fortschritte gemacht worden, die erhoffen lassen, daß die Mechanisierung nunmehr beschleunigt durchgeführt werden kann.
In erster Linie handelt es sich dabei um die Einführung sogenannter selbstaufnehmender Kehrmaschinen. Die einfachen Kraftkehrmaschinen schieben den Kehricht nur zur Seite an die Bordschwelle, wo er von Arbeitern mit dem Besen gehäufelt und in Karren gesammelt werden muß. Das Arbeiten mit der Handkarre ist im Verkehr besonders gefährlich. Die Arbeitsweise selbst ist teuer und in gesundheitlicher Beziehung keineswegs einwandfrei. Die Fachwelt beschäftigt sich seit Jahrzehnten schon mit dem Gedanken, in die Kehrmaschine eine Vorrichtung einzubauen, die es ermöglicht, den zusammengekehrten Straßenschmutz sofort mit aufzunehmen. Nach langwierigen Versuchen und mancherlei Fehlschlägen ist es jetzt gelungen, Maschinen herauszubringen, die den Anforderungen des praktischen Betriebes gewachsen sind.

Selbstaufnehmende   Kehrmaschinen
Die erste in Deutschland erprobte selbstaufnehmende Kehrmaschine ist die sogen. Karrier-Maschine, die von den Karrier-Werken in Huddersfield (England) hergestellt wird und in vielen Städten Englands, ferner in Holland und Norwegen eingeführt ist. Eine Maschine dieser Art ist bei der Berliner Straßenreinigung seit Mitte Mai 1927 in Betrieb. Die Stadt Berlin hat sich bei der Bestellung dieser Maschine von der Annahme leiten lassen, daß die deutsche Industrie Gelegenheit nehmen würde, sich etwas eingehender als bisher mit der technischen Aufgabe der selbstaufnehmenden Kehrmaschine zu beschäftigen und selbst solche Maschinen herauszubringen. Diese Annahme ist durch die weitere Entwicklung bestätigt worden.
Die Karrier-Maschine besteht aus einem vierrädrigen Fahrgestell, das von einem Vierzylindermotor von 25 PS angetrieben wird. Die Kehrwalze ist unter dem Rahmen des Fahrgestells schiefwinklig zur Fahrtrichtung gelagert; es ist aber nicht, wie bei den einfachen Kehrmaschinen, das rechte Ende zurückgenommen, sondern das linke. Der Kehricht wird also nach links, d. h. nach der Straßenmitte zu, abgelegt. Die Kehrwalze hat am rechten Ende ein auswechselbares Kopfstück mit besonders langen Borsten, die eine gründliche Säuberung des Rinnsteines gewährleisten sollen.
Vor der Kehrwalze ist waagerecht ein Kasten gelagert, der auf der der Walze zugekehrten Seite offen ist. In dem Kasten befindet sich eine Förderschnecke. Bei der Arbeit schleudert die Kehrwalze einen Teil des Kehrichts in diesen Kasten, die Förderschnecke befördert diesen Kehricht nach links zu dem zurückgenommenen Ende der Walze, wo er auf eine Schaufel fällt. Der übrige Kehricht wandert nach links und wird dort von der Kehrwalze unmittelbar auf die Schaufel geschleudert. Die Schaufel schleift mit dem freien Ende auf dem Boden und wird von Zeit zu Zeit zwangläufig angehoben, wobei der Kehricht der Aufnehmevorrichtung zugeführt wird.
Diese Vorrichtung besteht aus drei in einem Schacht übereinandergelagerten, 52 cm breiten Bürstenwalzen, die teilweise ummantelt sind. Die mittlere dreht sich in entgegengesetzter Richtung wie die beiden ändern. Die unterste Walze erfaßt den Kehricht und führt ihn der darüberliegenden zu. Die dritte schleudert ihn in den Kehrichtkasten. Der Antrieb der Kehrwalze und der Aufnehmewalzen wird mittels Schneckenwelle, Zahnkranzes und Ketten von der Getriebewelle des Fahrgestells abgenommen.Die Sprengvorrichtung besteht aus dem Wasserbehälter von 600 l Fassungsraum, der Pumpe und dem Sprengrohr.
Die Maschine beginnt mit der Arbeit an der Bordschwelle, wobei das Kopfstück der Kehrwalze den Rinnstein säubert. Dann arbeitet sie allmählich nach der Mitte des Fahrdammes zu. Sowohl die Fahrdammreinigung wie die Reinigung der Rinnsteine ist einwandfrei. An der linken Seite des Fahrzeuges bleibt aber neben der Aufnehmevorrichtung stets ein schmaler Kehrstreifen liegen, so daß zum Schluß, d. h. nach dem eigentlichen Abkehren der Straße, die Maschine noch einmal durch die Straße geschickt werden muß, um diesen schmalen Kehrstreifen zu beseitigen. Dadurch wird ihre Leistung etwas herabgedrückt. Diese Leistung beträgt etwa 90 000 m2 in achtstündiger Arbeitsschicht bei 2,13 m Arbeitsbreite und 16 km/h Arbeitsgeschwindigkeit.
Straßenreinigung 002

Elgin-Maschine

Im Oktober 1927 wurde der Berliner Straßenreinigung eine selbstaufnehmende Kehrmaschine amerikanischen Ursprungs, die sogenannte Elgin - Maschine , Abb. 2, von Muchow & Co., Berlin, zu einem Versuch zur Verfügung gestellt. Die Elgin-Maschine ist im Gegensatz zur Karrier-Maschine, die die übliche Wagenbauart aufweist, eine ausgesprochene Sonderbauart. Es ist ein dreirädriges Fahrzeug. Die zweirädrige Triebachse liegt vorn, das hintere Einzelrad ist als Lenkrad ausgebildet. Auf dem Fahrgestell befindet sich am hinteren Ende des hier trapezförmig auslaufenden Rahmens der Antriebsmotor, ein Vergasermotor von etwa 42 PS. davor der Getriebekasten, von dem aus der Wagenantrieb und sämtliche Nebenantriebe betätigt werden. unterhalb des Rahmens des Fahrgestells, unmittelbar vor dem Hinterrad, ist rechtwinklig zur Fahrtrichtung die Kehrwalze gelagert. Sie ist 2,40 m breit und hat 0,91 m Dmr. Davor befindet sich die Kehrichtaufnehmevorrichtung. Sie besteht aus einem Förderband aus Gummi, das von zwei Rollen getragen wird. Das Band ist mit Querleisten besetzt, die den Kehricht festhalten und nach oben befördern. Vorn am Fahrgestell ist ein Kehrichtkasten von etwa 2 m3 Fassungsraum angebracht, in den der Kehricht hineinfällt. An der rechten Seite des Fahrgestells, vor der Kehrwalze, befindet sich der sogenannte Rinnsteinkehrer. Er besteht aus einem pinselartigen, mit Stahldraht besetzten Besen von 65 cm Dmr., der senkrecht an einer Kardanwelle aufgehängt ist. Der Rinnsteinbesen kann durch einen Handhebel gesenkt und angehoben, die Anpressung an die Straße kann geregelt werden. Der Führersitz befindet sich an der rechten Seite, unmittelbar vor dem Motor.
Die Sprengvorrichtung besteht aus einem Wasserbehälter und einer Anzahl Sprengdüsen, aus denen das Wasser unter Druck ausgespritzt und zerstäubt wird. Zur Erzeugung des Drucks ist ein Luftverdichter eingebaut. Das Gewicht der Maschine beträgt 5100 kg.
Die Maschine arbeitet in folgender Weise: Der Rinnsteinbesen dreht sich um die senkrecht gelagerte Welle und schleudert dabei den im Rinnstein befindlichen Kehricht vor die Walze. Die Kehrwalze, die eine hohe Umdrehungszahl hat, kehrt den Fahrdamm und schleudert dabei den Kehricht auf das Förderband, das Förderband befördert ihn in den Kehrichtbehälter.
Die Maschine hat rd. 3m Arbeitsbreite (Walze und Rinnsteinkehrer zusammengenommen). Ihre Leistung beträgt im Durchschnitt in einer Arbeitsschicht rd. 143 000 m2. Die Maschine ist sowohl bei der Arbeit wie auch bei Leerfahrten von einer überraschenden Beweglichkeit und Wendigkeit. Sie wendet in einem Kreis von 7 m, kann also auch in den schmaleren Berliner Straßen bequem wenden. Die Reinigungsarbeit ist sehr gut. Aus den Rinnsteinen wird der Schmutz restlos herausgeholt. Die Maschine ist inzwischen angekauft worden. Nach Angabe der Firma Muchow & Co., die die Lizenz erworben hat, sollen solche Maschinen in Zukunft in Deutschland in deutschen Fabriken hergestellt werden.
Das erste deutsche Werk, das der Berliner Straßenreinigung eine im Inland konstruierte und angefertigte selbstaufnehmende Kehrmaschine zu Versuchen zur Verfügung stellte, waren die Daimler-Benz-Werke. Es handelt sich dabei um eine von ihnen gemeinsam mit Weygandt & Klein in Stuttgart-Feuerbach konstruierte Maschine 1). Als Fahrgestell war zunächst ein normales 1 t-Fahrgestell der Daimler-Werke verwendet worden. Der Kehrapparat der Maschine besteht aus zwei Walzen von je 1,10 m Breite, die zwischen Vorder- und Hinterachse nebeneinander gelagert sind. Die inneren Enden beider Walzen sind zurückgenommen, so daß der Kehricht bei der Arbeit in Gestalt eines Kehrstreifens zwischen beiden Walzen abgelegt wird. Zur Aufnahme des Kehrichts dient ein am hinteren Ende des Fahrgestells angebrachtes kurzes, raupenartiges Besenband, das den Kehricht zunächst auf eine Schaufel und dann in einen Förderschacht drückt. In dem Förderschacht läuft ein Becherwerk, das den Kehricht in den Kehrichtkasten schüttet. Bei Beginn und Beendigung der Kehrarbeit braucht nur die eigentliche kurze Aufnehmevorrichtung gehoben oder gesenkt zu werden. Die Kehrarbeit der Maschine ist gut, die Maschine selbst aber war für den Verkehr in den Berliner Straßen wegen ihrer großen Länge nicht beweglich genug. Sie wird zur Zeit umgebaut und erhält ein stark verkürztes Sonderfahrgestell.
Eine weitere deutsche Maschine wurde von den Faun-Werken in Nürnberg herausgebracht. Eine Maschine dieser Art arbeitet seit dem Herbst 1928 bei der Berliner Straßenreinigung. Die Faun - Maschine hat ein Vierradfahrgestell mit sogenanntem benzin-elektrischem Antrieb. Ein Vierzylindermotor von 50 PS treibt einen Stromerzeuger an; der Strom wird in die in die Hinterräder eingebauten beiden Radnabenmotoren geleitet.

Das Kehren und das Aufnehmen wird von ein und derselben Vorrichtung besorgt. Diese Vorrichtung besteht aus vier nebeneinandcrliegenden Besenbändern von zusammen 2m Breite, vier Aufnehmeschaufeln, einem Auffaßblech, einer Besenabstreifvorrichtung und einem elektrischen Antriebmotor. Alle diese Teile sind an einem Tragkörper aufgehängt, der im Fahrgestell in Führungsschienen auf und ab bewegt werden kann. Zu diesem Zweck ist das Fahrzeug mit einem weiteren Elektromotor ausgestattet. Jedes Besenband trägt 35 Besen, die Gesamtzahl der Besen aller vier Bänder beträgt somit 140. Die Besen sind so angebracht, daß ihre Enden ineinandergreifen. Bei der Arbeit schleifen die Besen über den Fahrdamm, schieben den Kehricht auf die Aufnehmeschaufel und ziehen ihn auf dem Auffaßblech schleifend nach oben, bis er in den Kehrichtkasten fällt. Der Kasten faßt 2 m3. Die Abstreifvorrichtung soll die Besen von dem etwa an ihnen haftengebliebenen Kehricht säubern, bevor sie die Abwärtsbewegung antreten. Um bei der Arbeit eine Säuberung der Rinnsteine zu ermöglichen, sind die Räder unter das Fahrgestell untergebaut; auch sind die äußeren Besen am äußeren Ende umgebogen und an der Außenseite mit Borsten besetzt. Die Maschine ist mit einem Wasserfaß und einem Besprengungsrohr mit Düsen ausgestattet. Ihr Gewicht beträgt 7630 kg, ihre Leistung 127 282 m2 in einer Nachtschicht. Die gegenüber der Muchowschen Maschine etwas verringerte Leistung ist durch die geringere Arbeitsbreite der Maschine bedingt. Der Wendekreis der Faun-Maschine beträgt 11 m.

Straßenreinigung 003
Schnitt durch die Straßenkehrmaschine der Faun-Werke Nürnberg

Die Reinigungsarbeit ist gut. Die Säuberung des Rinnsteins ist nicht so gut wie die Fahrdammreinigung. Die Maschine muß. scharf an die Bordschwelle herangesteuert werden, besonders dann, wenn die Borsten schon etwas abgenutzt sind. Die Güte der Arbeit hängt mit von der Geschicklichkeit des Fahrers ab. Der Führersitz ist. um dem Fahrer die Arbeit der Rinnsteinreinigung zu erleichtern, sehr weit rechts angebracht.
Bei der praktischen Arbeit können die selbstaufnehmenden Kehrmaschinen (mit Ausnahme der Karrier-Maschine, die am besten allein arbeitet) mit Kraftkehrmaschinen der bisherigen Art in der Weise zusammenarbeiten, daß die einfachen Kraftkehrmaschinen vorweg arbeiten und die selbstaufnehmende Maschine, die ebenfalls eine volle Arbeitsbreite leistet, dabei den von der einfachen Maschine zusammengebrachten Strich mit aufnimmt. Die Kosten sind dann etwas geringer als bei der einzeln arbeitenden selbstaufnehmenden Maschine.

Asphaltreinigungsmaschinen
Die Kehrmaschinen werden nur zur Reinigung von Steinpflaster benutzt. Für die Reinigung von Asphaltstraßen sind sie nicht geeignet. Auf dem Asphalt bildet sich bei Trockenheit unter der Einwirkung des Verkehrs eine fest an der Oberfläche haftende, glattgewalzte Schmutzkruste, der mit Kehrmaschinen nicht beizukommen ist. Selbst grober Schmutz haftet oftmals so fest an der Straßendecke, daß er mit einer Kehrmaschine nicht entfernt werden kann. Man hat für die Reinigung der Asphaltstraßen besondere Maschinen, die Asphaltwaschmaschinen  konstruiert. Diese Maschinen sind mit einem Wasserbehälter von 3,5 m3 Fassungsraum, einer Sprengvorrichtung und einer umlaufenden, mit Gummistreifen spiralförmig besetzten Gummiwalze ausgerüstet. Der Straßendamm wird zunächst angenäßt, dann wird die Gummiwalze eingeschaltet, die das Spülwasser vor sich her und zur Seite treibt, wobei der Schmutz in die Entwässerungsanlagen gespült wird. Das Aufweichen des Schmutzes nimmt heute mehr Zeit in Anspruch als früher, weil der Schmutz mit Öl durchsetzt ist (Tropföl von Kraftwagen).
Es sind Versuche im Gange, die Benetzungsfähigkeit des Leitungswassers durch den Zusatz geeigneter Chemikalien zu erhöhen, auch hat man versucht, an Stelle von Waschmaschinen sogenannte Spritzmaschinen, Abb. 6, zu benutzen. Diese Maschinen, die ohne Waschwalze arbeiten, spritzen das Spülwasser unter starkem künstlichen Druck aus besonders für diesen Zweck konstruierten Düsen unter einem spitzen Winkel auf die Straße. Der scharfe Wasserstrahl soll die auf der Straßendecke haftenden Schmutzteilchen losreißen und sie durch die starke Strömung in die Anlagen der Stadtentwässerung abschwemmen.
Eine befriedigende Reinigungsarbeit wurde mit diesen Maschinen nur im unmittelbaren Bereiche des Wasserstrahles erzielt. Es ergaben sich außerdem gewisse Schwierigkeiten daraus, daß die Einlaufe der Stadtentwässerung die großen Wassermassen, die von diesen Maschinen auf die Straße geworfen werden, nicht sofort aufnehmen konnten, so daß das Wasser zurückflutete und neue Ablagerungen von Schmutz entstanden. Um diese Ablagerungen zu beseitigen und die Arbeitsleistung zu verbessern, hat man die Spritzmaschinen mit Schrubberstreifen ausgestattet und außerdem noch besondere Schrubbermaschinen angehängt, kleine, dreirädrige Fahrzeuge, die bei der Arbeit seitlich
herausgestellt werden und mit schiefwinklig zur Fahrtrichtung gestellten feststehenden Gummistreifen das Schmutzwasser gegen die Bordschwelle drücken.


Die Reinigung von Straßensinkkästen
ohne Einsatzeimer ging bisher in der Weise vor sich, daß der darin abgelagerte Schmutz von Arbeitern mit langstieligen Baggerschaufeln ausgehoben und in Handkarren geschüttet wurde. An bestimmten Sammelplätzen wurden die Handkarren entleert, der Schmutz wurde auf die Straße geschüttet und am Schluß der Arbeit in Abfuhrwagen geschaufelt. Dieses Verfahren ist in gesundheitlicher Beziehung nicht einwandfrei und auch nicht wirtschaftlich. Man ist deshalb seit langem bestrebt gewesen, den Schlamm auf mechanischem Wege — durch Absaugen — aus den Gullys zu entfernen. Die zuerst benutzten Saugwagen, bei denen der Kessel durch Entzündung eines explosiblen Gemisches luftleer gemacht wurde, konnten sich nicht einführen. In der allerneuesten Zeit ist es gelungen, recht beachtliche Erfolge mit Baggersaugwagen zu erzielen, deren Kessel durch      Absaugen der Luft mit Pumpen luftleer gemacht wird. Die Schwierigkeit bei der mechanischen Gullyentleerung liegt darin, daß der in den Sinkkasten abgelagerte Schmutz, der aus schweren Sinkstoffen besteht, allmählich zu einem äußerst zähen Kuchen zusammenbackt. Dieser zähe Schlamm muß vor dem Absaugen aufgerührt werden. Dazu kann man Frischwasser benutzen, das in einem besonderen Behälter mitgeführt wird, oder aber das aus dem Gully abgesaugte, im Schlammkessel geklärte SchlammwasStraßenreinigung 007ser.
Ein von den Daimler-Benz-Werken mit einem Aufbau der Ref-Werke in Stuttgart herausgebrachter Baggersaugwagen (Bild links) der bei der Berliner Straßenreinigung seit längerer Zeit benutzt wird, besteht aus einem 5 t-Lastkraftwagen-Fahrgestell mit daraufgesetztem kippbaren Kesselaufbau. Der Kessel besteht aus zwei Teilen. Die hintere größere Kammer dient zur Aufnahme des Schlammes, die vordere zur Aufnahme des Spülwassers. Beide sind miteinander verschraubt und durch einen herausnehmbaren Zwischenboden getrennt. In dem Zwischenboden sitzt in etwa zwei Drittel der Höhe ein Kugelventil, das sich beim Kippen des Kessels schließt. Am Boden der Schlammkammer befinden sich der Auslaufstutzen mit Auslauftür und zwei Absperrschieber mit Schlauchanschlüssen. Der Wagen ist mit einer umlaufenden Luftpumpe mit Rückschlagventil ausgestattet, die vom Fahrmotor angetrieben wird. Der vordere Kessel steht durch ein am Dom angeflanschtes Rohr mit der Luftpumpe in Verbindung. Mit Hilfe eines in die Rohrleitung eingebauten Schalthahnes können die beiden Kammern des Kessels ausgepumpt oder unter Druck gesetzt werden.
Die Arbeitsweise war so gedacht, daß in dem vorderen Kessel Frischwasser mitgeführt wird, das durch ein unter dem Kessel zurückgeführtes Rohr geleitet und zum Aufrühren des Schlammes im Gully benutzt werden kann. Im weiteren Verlauf der Arbeit, wenn der Schlammkessel zu etwa zwei Drittel gefüllt ist, tritt geklärtes Schlammwasser aus dem Schlammkessel in den Wasserkessel über. Das nicht verbrauchte Spülwasser kann am Schluß der Arbeit abgelassen werden. Die bisherigen Versuche haben ergeben, daß es möglich ist, ohne die besondere Wasserkammer auszukommen. Das Schlammwasser klärt sich im Kessel soweit vor, daß es zum Spülen unmittelbar aus dem Schlammkessel in den Gully gedrückt werden kann. Mit einem nach diesem Grundsatz von der Firma Schörling in Hannover hergestellten Aufbau sind bereits vor längerer Zeit Versuche gemacht worden. Ein verbesserter Aufbau soll demnächst in Betrieb genommen werden.
Ein weiterer Baggersaugwagen, der ursprünglich für die Reinigung der Stadtentwässerungsanlagen vom Schlamm gebaut war, jetzt aber soweit vervollkommnet worden ist, daß er auch für die Gullyreinigung benutzt werden kann, wird von Herrn. J. Hellmers in Hamburg hergestellt, Abb. 8. Als Fahrgestell dient ein normales, elektrisch angetriebenes 5 t-Fahrgestell der Hansa-Lloyd-Werke. Der Aufbau besteht aus einem stehenden zylindrischen Schlammkessel von 2 m3 Fassungsraum und einem Wasserbehälter für das Spülwasser. Die Pumpe wird von einem besonderen Elektromotor angetrieben. Als Kraftquelle dient die Batterie des Fahrzeuges. Am Wagen ist eine Winde angebracht, die beim Reinigen der Kanäle vom Schlamm zum Ziehen der Reinigungsbürsten benutzt wird. Wagen dieser Bauart sind in Bremen und in Hamburg in Betrieb.
Straßenreinigung 008
 Baggersaugwagen

Fa. Herm.J. Hellmers, Hamburg
 

 

 

 

 

Andere Straßenreinigungsfahrzeuge
Die seit einiger Zeit versuchsweise in Betrieb genommenen Streumaschinen sollen das Bestreuen der Straßen mit abstumpfenden Stoffen bei Winterglätte beschleunigen. Diese Maschinen sind entweder als zweirädrige oder als vierrädrige Anhänger gebaut. Die eigentliche Streuvorrichtung besteht aus einem Streuteller, der mit strahlig verlaufenden Querleisten versehen und waagerecht an einer senkrecht stehenden Welle angebracht ist. Der Antrieb der Welle wird von der Achse (Hinterachse) abgenommen und durch Zahnräder übertragen. Die Umdrehungsgeschwindigkeit und damit die Streubreite ist durch ein Getriebe regelbar. Das Streumaterial wird durch Förderschnecken oder Rührwerke zugeführt, der Abfluß des Materials zum Streuteller läßt sich mittels Schieber regeln. Die vierrädrigen Streumaschinen haben einen besonderen Wagenkasten, in dem das Streumaterial mitgeführt wird, als Zugwagen dienen die bei Winterglätte nicht in Betrieb befindlichen Arbeitsmaschinen, wie Kehrmaschinen usw. Die zweirädrigen Streumaschinen werden an Lastkraftwagen angehängt, in deren Wagenkasten die Streustoffe untergebracht sind. Das Einschaufeln der Streustoffe wird von Arbeitern ausgeführt, die im Wagenkasten stehen.
Die Kraftschneepflüge 2) sind in der letzten Zeit dadurch verbessert worden, daß die Schaufeln mit einem gelenkförmig befestigten Schuh ausgestattet worden sind, der bei der Arbeit von starken Federn in seiner Lage gehalten wird, beim Anstoßen an unüberwindliche Hindernisse, wie Weichenzungen der Straßenbahngleise usw., aber zurückschnellen kann. Soweit es die Bauart der Fahrzeuge gestattet (z. B. bei elektrischen Lastkraftwagen), hat man die Schaufeln des Schneepfluges zwischen Vorder- und Hinterachse des Fahrzeuges angebracht. Zugleich ist der beweglichen Schaufel eine feststehende Schaufel vorgelagert worden, die nicht ganz herabgelassen werden kann, bei einer bestimmten Schneehöhe also die obere Lage des Schnees abstreift. Dadurch wird verhindert, daß der eigentliche Schneepflug sich verstopft und festfährt.
Der Angriff der jetzt üblichen Schaufeln, die spitzwinklig   angebracht   sind  und  von   starken   Federn  fest an  die   Straßendecke   angepreßt   werden,   ist   bei   harter Schneedecke noch immer nicht ausreichend.       Ein   Abräumen  des  Schnees mit Schneepflügen  ist meist nur möglich,   bevor   der   Schnee   festgefahren wird   oder   wenn   die   hartgewordene Schneedecke     vom      Schwerfuhrwerkverkehr   wieder  zertrümmert   worden ist.
Die    Versuche    mit     Schneeschmelzmaschinenstecken noch in den ersten Anfängen. Die Berliner Straßenreinigung hat die erste Schneeschmelzmaschine vor zwei Jahren angekauft. Praktische Versuche konnten aber im Winter 1927/28 nur an einem einzigen Tage vorgenommen werden, und auch da mußte der Schnee für den Versuch buchstäblich zusammengekratzt werden. Dafür bot der diesjährige schneereiche Winter um so mehr Gelegenheit zur Erprobung dieses neuen Gerätes.
Die Maschine ist eine sogenannte finnische Schneeschmelzmaschine. Auf einem Fahrgestell ist ein Feuerungsschacht aufgebaut, der von einem Wassermantel umgeben ist. Am oberen Rande des Wassermantels befinden sich Düsen, aus denen heißes W'asser herausspritzt. Oben läuft um den Wassermantel herum eine Wasserrinne, auf die der Schneetrichter aufgesetzt wird. Die aus der Abdeckung des Feuerungsschachtes ausströmenden Feuerungsgase und das aus dem Wassermantel herausspritzende heiße Wasser schmelzen den im Trichter angehäuften Schnee nieder, das Schmelzwasser fließt aus der Abflußrinne in einen Klärbehälter, von dem geklärten Wasser wird ein Teil durch eine elektrisch angetriebene Pumpe in den Wassermantel gedrückt, alles übrige fließt durch einen besonderen Ablauf in die Straßengullys. Als Kraftquelle für den Motor der Pumpe dient die Batterie eines Elektrokarrens, der als Zugwagen für die Schneeschmelzmaschine benutzt wird und den Brennstoff mit sich führt. Die Leistung der Maschine beträgt etwa 17 m3 in der Stunde bei 85 kg Brennstoffverbrauch (Koks). Die Leistung ist nicht sehr groß; die gesamten Betriebskosten stellen sich etwa ebenso hoch wie die Kosten der Abbeförderung des Schnees zu den öffentlichen Wasserläufen oder den Einschüttstellen der Stadtentwässerungsanlagen. Auf technische Vollkommenheit kann die Maschine noch keinen Anspruch machen.
Die Fördergeräte zum Verladen von Schnee auf Abfuhrwagen unterscheiden sich von den
üblichen Förderanlagen für Schüttgut nur dadurch, daß sie mit einer selbsttätigen* Aufnahmevorrichtung ausgestattet sind, die den am Rande des Straßendammes aufgeschichteten Schnee erfaßt. Bei den hohen Anschaffungskosten solcher Maschinen läßt sich ihre Benutzung nur dann rechtfertigen, wenn noch andere Arbeiten für sie vorhanden sind. Es ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht vertretbar, große Kapitalien für die Anschaffung von Geräten aufzuwenden, die nur an wenigen Tagen im Jahre, mitunter überhaupt nicht gebraucht werden. Ob es möglich ist, genügend andre Arbeit zu beschaffen, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen.

Quelle: VDI Zeitschrift, Band 73 Nr. 34 v. 24.Aug. 1929 ,  S. 1193 - 1197
 

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