Spitzenloses Schleifen von Geschossen bis zu 155 mm Kaliber

Verfahrensweisen 1943



In den letzten Jahren vor dem Kriege sind in den Vereinigten Staaten von Amerika Maschinen zum spitzenlosen Schleifen von Geschossen entwickelt worden. Auf diesen Maschinen werden die Geschosse aus dem rohen Block schlagfrei mit den erforderlichen engen Toleranzen außen bearbeitet. Das Verfahren wird bei den verschiedensten Geschoßarten, angefangen mit dem Gewehrgeschoß von 7,6 mm bis zu Granaten von 155 mm Kaliber, und den Grabenmörsergeschossen von 60 und 80 mm Kaliber angewandt. Nachstehend seien einige Bearbeitungsbeispiele besprochen, wie sie auf Maschinen der Cincinnati-Grinders Corp, ausgeführt sind.

Panzergeschoßkerne von 7,6 und 12,7mm Kaliber
Panzergeschoßkerne können sowohl im Einstechschliff über das ganze Profil als auch im durchlaufenden Schliff nur über die zylindrische Oberfläche bearbeitet werden. Vor der Anwendung des durchlaufenden Schliffes wird die Form zunächst bis auf ein Übermaß am äußeren Durchmesser auf der Drehbank hergestellt, anschließend werden die Geschosse einer Wärmebehandlung unterzogen und dann auf genaues Maß geschliffen. Beim Durchlauf durch die Schleifmaschine liegt jeder Kern mit der Spitze am Boden des vorhergehenden, wodurch ein Festklemmen eines Stückes vermieden wird.
Im Einstechschliff werden am Kern von 12,7 mm Kaliber 0,1 bis 0,15mm abgeschliffen; im allgemeinen genügt ein Schliff, und nur bei Toleranzen unter 0,012 mm sind zwei Schliffe erforderlich. Die Ausbringung beträgt dementsprechend bei einem Schliff 15 Stück bzw. 6 Stück in l min. Bei durchlaufender Schleifweise beträgt der Abschliff 0,076 bis 0,1 mm in einem Schliff. Die Ausbringung beträgt bei Toleranzen von ± 0,006 mm 100 Stück in l min.



Flakgeschosse von 20 und 25 mm Kaliber

Bei der Bearbeitung der 20 mm- und 25 mm-Geschosse wird die ganze Außenform bis auf das Ausdrehen der Führungsband- und Kröpfnute geschliffen. Nach dem ersten Schleifgang behalten die Stücke noch ein Übermaß von 0,025 mm. Dann werden sie von der Stange abgedreht, gebohrt und gehärtet. Schließlich kommen sie wieder zu der gleichen Maschine, auf der sie auf Form geschliffen werden.
Man arbeitet hier im Einstechschliff mit 22 mm Gesamtvorschub. Ist das Stück fertig geschliffen, so wird der Schlitten mit der Einstechscheibe zurückgezogen, damit das Geschoß zwischen Schleifscheibe und Auflage herausrollen kann. Danach rückt der Schlitten etwa 19 mm vor und bleibt stehen, während der hydraulische Ausstoßer ein neues Geschoß vor die Schleifscheibe bringt. Dann rückt die Einstechscheibe in ihre Arbeitsstellung.
Bei diesem Geschoß werden 0,3 bis 0,4 mm in einem Schliff abgenommen. Die Toleranzen betragen ± 0,013 mm. Es werden 8 Stück in l min oder 400 in l h ausgebracht.
Die 25 mm - Geschosse werden mitunter auch erst geschliffen, nachdem das Führungsband bereits eingepreßt ist. Dann sind die Längentoleranzen sehr eng zu halten, damit verhindert wird, daß die für Stahl bestimmten Schleifscheiben in das Kupfer schneiden und verschmiert werden.
In diesem Fall werden 0,4 bis 0,46 mm in zwei Schliffen abgenommen. Die Toleranzen betragen ± 0,02 mm bei einer Ausbringung von 8 Stück in l min.


37 mm- und 40 mm-Geschosse


Beim Schleifen von Vollgeschossen mit 37 mm Kaliber nach dem Einstechverfahren sind 0,3 bis 0,37 mm abzuschleifen, was in zwei Schliffen geschieht. Die Toleranzen betragen ± 0,013 mm bei einer Ausbringung von 100 Geschossen in etwa 50 min.
Die 40 mm-Geschosse werden mit Schleif- und Einstechscheiben von bestimmter Form geschliffen. Ebenso ist die Auflageleiste profiliert. Bis auf die Profilteile ist die ganze Einrichtung handelsüblich. Wenn sich das Geschoß in seiner ganzen Länge unter der Profil-Schleifscheibe befindet, ist das Beschicken der Maschine schwierig. Man hilft sich da mit einem fliegenden Dorn, der in die Bohrung des Geschosses eingesetzt wird. Auch ist ein besonders weiter Kücktritt des Einstechscheibensupportes erforderlich. Bei diesem Geschoß werden 0,2 bis 0,3 mm abgeschliffen. Die Ausbringung beträgt 200 Stück in l h.
Bei Geschossen mit einer weichen Stahlkappe an der Spitze wird eine zusammengesetzte sog. „Sandwich"-Scheibe benutzt, deren weicher Teil die harten Flächen schleift, während der harte Teil die weiche Geschoßkappe bearbeitet. Die Geschosse werden von Hand in die Maschine eingelegt.

75 mm-Geschosse
Von den 75 mm-Geschossen gibt es verschiedene Ausführungen. Einige sind glatt und kurz, andere sind länger, haben einen vorderen und einen hinteren Wulst und ein verjüngtes Ende. Diese längeren Geschosse werden auf einer Maschine mit 254 mm breiten Schleifscheiben, deren größte 610 mm Dmr. hat, und dazugehöriger profilierter Auflageleiste geschliffen.
Die Geschoßmäntel, die 4,5 kg wiegen, werden auf Schienen zugeführt, die an der Vorderseite der Maschine entlanglaufen. Man wendet gewöhnlich den Einstechschliff mit zwei Zustellungen an. Abzuschleifen sind 0,50 bis 0,64 mm. Die Toleranzen betragen ± 0,013 mm bei einer Ausbringung von rd. 50 Stück in l h.


105 mm- und 155 mm-Geschosse
Im allgemeinen haben die Geschosse von 105 mm und 155 mm Kaliber zwei Wulste. Auch wenn ein Geschoß nur einen Wulst hat, schleift man doch zunächst zwei Wulste an, um bessere Genauigkeit hinsichtlich Kegelform und Eund-heit der Geschoßmäntel zu erhalten.
An 105 mm-Geschossen sind 0,2 ^bis 0,3 mm in einem Schliff abzuarbeiten. Bei einer Längentoleranz von ± 0,063 mm und einer Durchmessertoleranz von 0,025 mm beträgt die Ausbringung 90 Stück in l h. An 155 mm-Geschossen sind 0,3 bis 0,4 mm ebenfalls in einem Schliff abzunehmen. Bei den gleichen Toleranzen wie beim 105 mm-Geschoß beträgt hier die Ausbringung 60 Stück in l h.
Gehandhabt werden die Geschosse mit Vorrichtungen, die von Hand betätigt werden und mit Tragrollen ausgerüstet sind. Eine besondere Hebevorrichtung, die das Geschoß über die Scheibe hinweghebt, dient zum Zu- und Abführen der Werkstücke. Nach dem Schleifen wird das Geschoß nach hinten auf ein Förderband abgeworfen.


60 mm- und 81 mm-Grabenmörser
Die Geschosse der Grabenmörser sind den 105 mm-Geschossen ziemlich ähnlich, doch ist nur ein kleinerer Teil der Geschoßlänge zu schleifen. Das Geschoß wird zunächst in eine besondere Aufnahmevorrichtung gelegt; sie besteht aus einer beweglichen Schwinge, in der das Geschoß ruht, während der Aufnahmedorn in die Geschoßbohrung eingreift. In der Schleifstellung wird das Geschoß dann durch Aufnahmeleiste und Dorn geführt.
Abzuschleifen sind beim Geschoß für 81 mm-Graben
mörser 0,2 bis 0,3mm und beim 60 mm-Mörsergeschoß 0,3 bis
0,4mm; dies geschieht in einem Schliff. Die Toleranzen be
tragen ± 0,025 mm. Von beiden Geschossen werden 120 Stück
in l h spitzenlos geschliffen.

Quelle: VDI Zeitschrift 1943, Band 87, v. 9.1.1943 S. 14
 

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