Der I. Welle-HB Marienstraße vom Wattenscheider Architekten Ringelband ist einer der wenigen Bochumer Bunker, der eine echte Spiralarmierung für Decke und Außenwände erhielt. Die originale Kennummer bzw. Aktenzeichen lautete    I U Münster 20 S. Die Vorbemerkung der statischen Berechnung dieses Bunkers weist sogar extra darauf hin, daß nach DIN 1045 die Sieblinien zwischen D und F liegen und Rheinkies verwendet wird. Die Schutzdecke unter der oberen Decke mit 1,40 m wurde z.B. in Stegzementdielen zwischen Doppel-T-Trägern konstruiert und sollen eine Nutzlast von 200 kg/m² haben. Die Unterzüge sind fast durchgängig mit 12er Armierung versehen. Sämtliche Zwischendecken haben eine Nutzlast von 1000 kg/m². Interessant ist, daß die Bodenplatte als Bergschadensicherung zusätzlich eine doppelte und kreuzweise Armierung von D = 20 mm im Abstand von 25 cm erhielt. In der Planung waren für 321 Personen Liege- und für 553 Personen Sitzplätze, also insgesamt 874 Plätze vorgesehen. Der Verbrauch betrug Stampfbeton 276 m³ und Eisenbeton 3260 m³.      

Offen bleibt hier die Frage, warum an diesem Bunker ein außenliegendes, völlig untypisches, rundes Treppenhaus mit Wendeltreppe angebaut wurde.

 

Aus der Baugeschichte: Der Baumeister Hermann Henkel baute den Bunker mit der Arbeitsgemeinschaft.

Der Bericht des Stadtbauinspektors am 14.2.41 enthielt z.B. die Rüge, daß nur ein Drittel der erforderlichen Eisenbügel in der Eisenbetonsohle eingebaut waren und daß Herr Ringelband der Eisenkontrolle seine größte Aufmerksamkeit zu widmen hätte. Weiterhin wurde beim Mischen des Betons zuviel Wasser zugesetzt. Der Stadtbauinspektor griff persönlich ein, so daß sich der Beton gut verarbeiten ließ.

Im Schriftwechsel mit dem OB Wattenscheid - Luftschutzamt vom 20.2.41 antwortete Herr Henkel u.a., daß der Erhalt des Schreibens bestätigt wird und in diesem lediglich die ministeriellen Anordnungen in einer gehobeneren Form wiederholt wurden. Oder: „Wenn nun mal nicht alles nach den Buchstaben klappt, dann liegt das eben an den Kriegsverhältnissen, wofür wir nicht verantwortlich gemacht werden können.“ „Wenn nun bei uns der erste Betonierungsabschnitt nicht in dem Maße voranschritt, wie die Verfügung es verlangte, so lag dieses an dem Versagen der so groß gerühmten Regulusmaschine ...“ „Die Regulusmaschine taugt nicht und wird sofort wieder abgegeben.“

Am 28.4.41 berichtete die örtliche Bauleitung, daß die Kellerdecke nicht betoniert werden kann, weil die Aussparungen für die Einführungen der Be- und Entlüftung und der Heizungsrohre noch nicht festlagen.

Am 1.7.41 wurde fehlendes Bauholz bemängelt. Die Betonfreigabe erfolgte am 15.7.41.

Die Druckergebnisse der Würfelproben lagen im Schnitt bei 414 kg/cm². Aus dem Abnahmebericht vom 6.11.41 geht hervor, daß sich im Vorraum wie auch an den Außenseiten kleine Kiesnester befinden. Außerdem gab die  Schalung des Kellergeschosses 1-3 cm nach. Der  Abnahme des Bauwerkes stünde aber nichts entgegen, weil die Würfelproben gut ausfielen.

Die technische Einrichtung bestand weiter aus einer Warmwasserheizungsanlage mit zwei Kesseln, die jeweils gesondert vom Hauptbau in einem splitter- und trümmersicheren Anbau untergebracht waren. Da diese Anbauten nicht gassicher gebaut waren, hätte der Betrieb bei Gasalarm nur unter Einsatz von Schutzmasken erfolgen können. Es war eine Kampfstoffbelüftungsanlage des Fabrikates Rheinwerk Wuppertal mit 2,4er Filtern eingebaut. Für die Hauptbelüftungsanlage, Fabrikat Winkelsträter & Sure Wuppertal, kam eine Warmwasserheizung in den Zuluftrohren zum Einsatz. Es sollen sich in diesem Bunker über 3400 Personen in Sicherheit gebracht haben.

 

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