Den Luftschutzbunker Bau-Nr. 18 ( ehem. LS Aktenzeichen Nr. 18), Wiemelhauser Straße (heute Universitätsstraße). kann man allgemein auch als Rundbunker, bombensicheren Bunker und als Hochbunker bezeichnen.  

Dieser Bau war eigentlich für 474 Liege- und 108 Sitzplätze für maximal 582 Personen vorgesehen. Er wurde allerdings nicht komplett im Sinne der ursprünglichen Planung fertiggestellt. Nach dem Einbau der Betten entfernte man diese wieder wegen des konstanten großen Platzbedarfs.

Der einzige Bochumer Rundbunker hatte insgesamt 7 Etagen. Die einzelnen Räume waren im äußeren Bereich, entlang der bombensicheren Wand angelegt. Die Abmauerung erfolgte unter Verwendung von Bimsstein. Da im obersten Stockwerk die Zwischenwände aus Ziegel- und Bimssteinmauerwerk bestanden, kann man davon ausgehen, daß gegen Ende der Baumaßnahme nicht mehr genug Bimssteine vorhanden waren um das Bauwerk einheitlich zu erstellen. In den Kern des Rundbunkers baute man die über Kreuz angelegten Treppenhäuser und die Luftschächte ein. Weiterhin befinden sich in den Nischen des Kernes einzelne Toiletten zusätzlich zu den WC Anlagen mit je drei Aborten.

Die Heizung erfolgte mit Fernwärme. Die Übergabestation befand sich im Keller. Die Ansaugöffnungen für kalte Luft befanden sich im obersten Stockwerk. In durchgehenden rechteckigen Kanälen saugte man die Luft vom Keller aus an, wo sie aufgeheizt werden konnte. In weiteren Kanälen konnte die Heizungsluft mit einem Gebläse zu den einzelnen Etagen und Räumen geblasen werden.

Mit einer Meldung vom 30.5.43 wurde mitgeteilt, daß folgende Anzahl von Arbeitskräften beim Bau eingesetzt wurden: Vom Unternehmer gestellt - 3 Arbeitskräfte, von der Wehrmacht gestellt - 300 Kräfte und 300 Kriegsgefangene. Außerdem standen für die Baumaßnahme anfangs 3 Zivil- und 3 Wehrmacht-LKW zur Verfügung.

Aus der Bunkergeschichte:

Der Bunkerverwalter Hermann Rau bemängelte am 5.7.43 bei der Stadtverwaltung, daß in seinem Bunker dringend Beleuchtungskörper benötigt werden. Darüber hinaus stellte er fest, daß 75 Bänke viel zu wenig seien, da bei täglich Besetzung des Bunkers mit weit mehr als 3000 Personen die Bänkeanzahl unzureichend sei. Auch die Luftprobleme seien sehr groß, es waren viele Ohnmachtsanfälle wegen mangelnder Belüftung angezeigt worden. Die Belüftung erfolge nur über das Offenlassen der Eingangstüren.

Am 3.3.44 wurde festgestellt, daß noch keine Heizung eingebaut ist.

Am 12.4.44 stellte der Polizeipräsident, Luftschutzabschnitt I, 5494 S O/44 noch fest, daß eine innere Schleusentür fehle.

Mehrere Notizen und Mitteilungen deuten auf eine permanente Überbelegung des Bunkers mit bis zu 3200 gezählten Personen hin. Den Berichten nach haben Personen sogar aus Platzmangel stehend darin die Nacht verbracht. Bedingt durch die Luftknappheit und deren Folgen sollte sogar ein Raum für einen Arzt und eine Krankenschwester verwendet werden. Ein gesonderter Hebammenraum stand im Erdgeschoß zur Verfügung.

An Material wurde folgendes verbaut:

Eisenbeton 5000 m³,   Stampfbeton 250 m³, Baueisen 2500 t,  Einbaueisen   50 t, Kies   12600 t,  Zement  2500 t, Schnittholz  250 m³, Rundholz 120 fm, Dachholz 35 m³    Isolierpappe 2000 m², Spiralbewehrung 10 t

Die Firma Fritz Buhr lieferte z.B.:

1 Eingangstor  2,50 m x 5,43 m 420,00 RM, 1 Eingangstor 2,60 m x 2,50 m  285.00 RM   2 Eingangstore 3,06 m x 2,30 m  620,00 RM,            1 Schlosser á 1,30 RM/Std. 14 Std. 18,20 RM,  1 Schlosserhelfer á 0,90 RM/Std. 14 Std.    12,60 RM                      Rechnungsbetrag 1355,80 RM

Erfreulich war, daß dieser Bunker lange Zeit einer zeitgemäßeren praktischen Verwendung zugeführt war und unter Denkmalschutz stand.

Nach dem Krieg fanden hier verschiedene Nutzungen statt. Angefangen vom Möbel - Sammellager, bis hin zum Möbelladen, Kioskbetrieb, Lager für Materialien verschiedener Vereine und zum Aufzeigen bautechnischer Lösungen

Eine friedliche Nutzung: Eine sehr runde, spannende und informative Sache entwickelte sich in den Nachmittagsstunden am Tag des offenen Denkmals 2003. Rund um den einzigen Bochumer Rundbunker warteten interessierte Bürger geduldig darauf, diesen von innen sehen zu können. Während die Herren Helmut Möller und Wilfried Maehler im Licht von Handscheinwerfern permanent Gruppen durch die ersten zwei Etagen führten, in knappen Worten den Bunker und die damaligen Zustände beschrieben und auch Fragen beantworteten, mußte Herr Michael Ide den Eingangsbereich praktisch schon "bewachen", damit die besonders Neugierigen der absoluten Abenteuerlust widerstehen konnten, sich im dunklen an der Wand entlang vorantasten zu wollen oder ein Feuerzeug als “Licht” ansahen. Geführt wurden Gruppen von meist 40 bis 80 Personen. Die Größe der Gruppen richtete sich nach dem zur Verfügung stehenden Licht. Herr Ide teilte die Gruppen ein und kam bei seiner Zählung auf der Basis der zur Verfügung stehenden Feuerwehr Handscheinwerfer schon auf 970 Personen. Nicht mitgezählt wurden diejenigen, die mit einer eigenen Lampe den Bunker gefahrlos betreten konnten. In einem Fall lag die Gruppenstärke sogar bei 100 Personen, wegen Fotografen, die mit Filmleuchten schon Sonnenlichtverhältnisse produzierten. 2½ Stunden Geduld brachten einige auf, nur "um mal in den Bunker hineinschauen zu können, wies darin so aussieht". Andere holten “eben mal” von zu Hause ihre eigenen Taschenlampen. Viele Zeitzeugen waren dabei, die ihre Erinnerung wieder auffrischen wollten und auch Jugendliche, die vorher überhaupt keine Vorstellung vom Innern eines Bunkers hatten, geschweige denn von den Zuständen, Ängsten und Anspannungen, die mit einem Fliegeralarm bei den Schutzsuchenden aufkommen. Und wenn dann noch das Licht ausgeht….Zwischendurch hörten die Beteiligten immer wieder, daß draußen noch einige Hundert Leute warten. Nachdem der letzte Besucher gegen Abend draußen und der Bunker wieder gesichert war, sah es rund um den Rundbunker herum anders aus als vorher. Durch die Menschenmasse war im Umkreis von 10m kein Grashalm mehr stehen geblieben, bis 20 m um den Bunker das Gras niedergewalzt (inzwischen wieder nachgewachsen). Abschließend kann man hierzu noch sagen, daß dies eine solche Veranstaltung war, daß viele sich äußerten, beim nächsten Tag des offenen Denkmals  gerne wieder kommen wollen oder "wenn man sich so was mal öfters anschauen könnte….."

 

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Bo_Uni_RBDraufsicht
Bo_Uni_RB-Schnitt-Doku

Grundriss des einzigen Bochumer Rundbunkers

Überarbeiteter Schnitt durch den Bunker

 

Hinweis in eigener Sache: Diese Zeichnungen werden im Rahmen unserer gemeinnützigen Tätigkeit erstellt und dienen dazu,  bauhistorische Gegebenheiten aufzuzeigen .

Bitte beachten sie, daß eine kommerzielle Nutzung unserer Zeichnungen satzungsgemäß nur in Ausnahmefällen mit besonderer schriftlichen Genehmigung  gestattet ist

Nachtrag:

Zwischenzeitlich wurde der Bunker komplett entkernt und die ehemals bombensichere Decke beseitigt.

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Von einem Bunker kann man nicht mehr sprechen. Die Bunkerdecke, der einzigartige Treppenkern wie auch die Zwischendecken wurden beseitigt. Das Bild zeigt den  Rest des ehemals baulichen Lebenretters

 

 

 

 

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