Der ReichsministerBerlin, den 9. 6. 1944 für Rüstung und Kriegsproduktion M 2133/44
Betr.: Neuorganisation des Bauwesens im Reichsgebiet
 

Ich habe mit Erlaß vom 29. April 1944 Herrn Ministerialdirektor Dorsch - bisher mein Vertreter in der Organisation Todt - auch als
1. Chef des Amtes Bau in meinem Ministerium und
2. als meinen Vertreter in der Dienststelle des Generalbevollmächtigten für die Regelung der Bauwirtschaft im Vierjahresplan eingesetzt, um damit dem vom Führer befohlenen Einsatz der Organisation Todt auch im Reichsgebiet die Möglichkeit zur reibungslosen Durchführung der zur Erhaltung der Rüstung und Kriegsproduktion auf weite Sicht notwendigen Bauaufgaben zu schaffen.

Für den Aufbau der Organisation Todt im Reichsgebiet hat Reichsminister Speer folgendes angeordnet:
Das Reichsgebiet (einschließlich der angegliederten Gebiete) wird in acht Einsatzgruppen aufgeteilt.
Der Einsatzgruppenleiter ist Dienstvorgesetzter der OT.-Einsätze seines Bereichs und ist dem Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion im Amt Bau - Organisation Todt - unterstellt.
Im Bereich jeder Rüstungsinspektion wird ein OT.-Einsatz gebildet. Der OT.-Einsatzleiter ist Dienstvorgesetzter der OT. Oberbauleitungen und OT.-Bauleitungen seines Bereichs und dem OT.-Einsatzgruppenleiter unterstellt. Er kann gleichzeitig Baubeauftragter beim Reichsverteidigungskommissar sein.
In der Dienstanweisung für OT.-Einsatzgruppenleiter, OT.-Einsatzleiter und Baubeauftragte bei den Reichsverteidigungskommissaren hat Reichsminister Speer folgendes bestimmt:
 

1.OT.-Einsatzgruppenleiter
Aufgaben:
a) Aufstellung und laufende Bearbeitung des regionalen Bauprogramms in Verbindung mit den örtlichen Stellen der Hauptbedarfsträger und dem Amt Bau des Reichsministeriums für Rüstung und Kriegsproduktion - Organisation Todt - (Amt Bau-OT.), Amtsgruppe Bau-Planung und Baueinsatz.
b) Aufstellung des Baubetriebsplans, d. h. Bestimmung des Bauträgers für die Ausführung bei Großbauvorhaben nach den grundsätzlichen Weisungen des Amtes Bau-OT. Soweit die OT. Träger des Bauvorhabens ist, gehört zu seinen Aufgaben auch die Baudurchführung.
c) Ausgabe der Kontingente nach Zuweisung des Amtes Bau-OT., Amtsgruppe Bauplanung und Baueinsatz, für Programmbauten.
d) Für Programmbauten:
Firmen-, Arbeits-, Geräteeinsatz, Baustoffnachschub, Transportregelung, Kraftstoffeinsatz, Frontführung. Entsprechend dem Wechsel der Bauschwerpunkte hat das Amt Bau-OT. ein unbedingtes Weisungsrecht bezüglich Umsetzung von Baukapazität von Einsatzgruppe zu Einsatzgruppe.
Die Umsetzung von Arbeitskräften zwischen den Bezirken verschiedener Gauarbeitsämter und von Arbeitskräften zwischen mehreren Einsatzgruppen regelt auch für den Bereich der Arbeitseinsatzverwaltung das Amt Bau-OT., Abteilung Arbeitseinsatz, soweit kein unmittelbares Einvernehmen mit den Gauarbeitsämtern erzielt werden kann.
 

2. Einsatzleiter Aufgaben:
Steuerung und Überwachung der Baudurchführung der Programmbauten nach den Anordnungen des Einsatzgruppenleiters. Die Baudurchführung selbst erfolgt grundsätzlich durch die Oberbauleitung, Bauämter usw. seines Bereichs" und diesen nachgeordnete Dienststellen. Mitglied der Rüstungskommission und als solcher bautechnischer Berater des Vorsitzers der Rüstungskommission bestimmt die Rangfolge von Wiederherstellungsarbeiten bei der Zerstörung von Rüstungsbetrieben.
 

3. Baubeauftragter beim Reichsverteidigungskommissar Im Bereich jedes Reichsverteidigungskommissars wird im Einvernehmen mit dem Reichsverteidigungskommissar ein
Der Wohnungsbau in Deutschland, September 1944, Heft 17/18
Baubeauftragter bestellt. Der Leiter des OT.-Einsatzes kann, soweit sein Bereich nur einen Gau umschließt, in Personalunion Baubeauftragter sein.
Aufgaben:
Nach den grundsätzlichen Weisungen des Reichsverteidigungskommissars erteilt er die Ausnahmegenehmigung vom Bauverbot für die außerhalb der Programmbauten durchzuführenden kriegsbedingten Baumaßnahmen, wie Fliegerschädenbeseitigung, bauliche Maßnahmen des Deutschen Wohnungshilfswerkes, Bauten der Partei, insbesondere der HJ. (Kinderlandverschickung), NSV., sowie nicht aufschiebbare Bauten der Gemeinden, die der Versorgung der Bevölkerung dienen, landwirtschaftliche Kleinbauten u. a. Für die Baustoffversorgung dieser Bauvorhaben wird dem Beauftragten vom OT.-Einsatzgruppenleiter ein Globalkontingent zugewiesen, nachdem diesem eine Übersicht über die geplanten Maßnahmen vorgelegt worden ist. Der Bau-Beauftragte entscheidet über die Verwendung der Globalkontingente. Er setzt für diese Arbeiten regelmäßig nur Arbeitskräfte ein, die nicht umsetzbar sind.
Die Inanspruchnahme der hierfür unmittelbar zugewiesenen oder bestimmten Kontingente und Baustoffe durch den OT.-Einsatzgruppenleiter erfolgt nur bei Notständen usw. nach vorheriger Unterrichtung des Reichsverteidigungskommissars.


Anordnung des Generalbevollmächtigten für die Regelung der Bauwirtschaft zur Änderung seiner 31. Anordnung vom 15. Januar 1943
RdErl, des GB-Bau vom 28. 6. 1944
§ 1. Stillegung der Bauvorhaben
Die nach §§ 6 und 7 meiner 31. Anordnung ausgesprochenen Baugenehmigungen für die eingestuften Bauvorhaben und die Ausnahmebauvorhaben erlöschen mit dem 1. August 1944. Die Bauvorhaben, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt sind, sind stillzulegen, wenn nicht auf Grund der folgenden " Bestimmungen eine neue Genehmigung ausgesprochen wird.
§ 2. Programmbauten
Die vordringlichen Kriegsbauten der Hauptbedarfsträger werden in Zukunft entsprechend dem Bauprogramm des Amtes Bau des Reichsministeriums für Rüstung und Kriegsproduktion - Organisation Todt - durchgeführt. Durch Aufnahme in das Bauprogramm werden diese Bauten vom Bauverbot ausgenommen. Bei der Aufnahme in das Bauprogramm wird zµgleich über die Zuweisung der Baustoffkontingente entschieden. Die Ausgabe der Kontingente erfolgt durch den für das Bauvorhaben zuständigen OT-Einsatzgruppenleiter.
§ 3. Ausnahmebauvorhaben
Bei allen sonstigen Bauvorhaben, die nach § 1 stillgelegt werden oder in der Zukunft neu begonnen werden sollen, entscheidet der Baubeauftragte beim Reichsverteidigungskommissar gemäß § 6 der 31. Anordnung über die Ausnahmegenehmigung vom Bauverbot. Die Genehmigung der Kleinbauvorhaben nach § 5 der 31. Anordnung bleibt unberührt.
Die Einstufung von Bauvorhaben in die Rangfolgeliste nach § 7 der 31. Anordnung in Verbindung mit der 36. Anordnung des GB-Bau entfällt.

 

Hier nachzulesen: Die Auftragsbedingungen der Organisation Todt.


 

Bei den Frontoberbauleitungen der Organisation Tod!
 
Als der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen in der Zeit von Mitte Februar bis Mitte April 1940 die Aufgaben der Kraftwagenleitung West des Reichs-Kraftwagen-Betriebsverbandes und der ihr angeschlossenen Reparaturorganisation des Kraftfahrzeughandwerks selbst übernahm, ließ er sie von der zu diesem Zweck neu gebildeten Abteilung „Kraftwagenleitung" durchführen, deren Leitung dem NSKK-Verbindungsführer beim Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen übertragen wurde. Bei der Übernahme von Gefolgschaftsmitgliedern der Kraftwagenleitung West des Reichs-Kraftwagen-Betriebsverbandes und Angehörigen der Reparaturorganisation des Kraftfahrzeughandwerks, auf die neue Kraftwagenleitung des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen traten diese, sofern sie nicht schon Mitglieder des NSKK. waren, von anderen Gliederungen zum NSKK. über oder in dasselbe neu ein. Zur Ergänzung des Personalbestandes der Reparaturabteilung der Kraftwagenleitung des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen wurde durch den NSKK.-Verbindungsführer beim Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen bereits am 21. Februar 1940 die Einberufung von NSKK - Führern und - Männern befohlen, die bislang ehrenamtlich als technische Referenten in den Einheiten des NSKK. tätig gewesen waren. In der Hauptsache waren dies Meister des Kraftfahrzeughandwerks, daneben auch Werkstattleiter und Angestellte von Reparaturbetrieben der Fahrzeugindustrie.
In der neuen Kraftwagenleitung des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen wurden neben Einsatz-, Kraftstoff-, Abrechnung- und Verwaltungsabteilung eine besondere Reparaturabteilung eingerichtet Die Leitung dieser Reparaturabteilung wurde einem NSKK.-Führer übertragen, der Meister des Kraftfahrzeughandwerks ist. Einsatzmäßig war jeder Oberbauleitung eine Staffel mit mehreren hundert Lastkraftwagen beigegeben und jede Staffel in Hauptkolonnen zu je rund hundert Lastkraftwagen aufgeteilt. Den einzelnen Hauptkolonnen wurden je ein Schirrmeister zugeteilt, die im Reparaturdienst dem Hauptschirrmeister der Lastkraftwagen- Staffel unterstanden. Der Hauptschirrmeister war nach den Richtlinien der Reparaturabteilung der Kraftwagenleitung und den Weisungen des .Staffelführers für ordnungsmäßige Instandhaltung und rechtzeitige Instandsetzung der Kraftfahrzeuge seiner Staffel sowie; ordnungsmäßige Ersatzteil- und Reifenbeschaffung verantwortlich.
Die Weiterführung der Westwallbauarbeiten unter Feindeinwirkung. hatte auch im Reparaturdienst zu grundsätzlichen Wandlungen geführt. An den Stellen der Baufront, an denen die Unterbringung der Lastkraftwagen in den Wagenpflegehallen, die in und unmittelbar hinter der Baufront lagen, wegen der Feindeinwirkung untunlich war, mußte der Wagenpflegedienst durch die Beschaffung besonderer Wagenpflegewagen beweglicher gestaltet werden. Die Leitung dieser Wagenpflegewagen wurde Kraftfahrzeughandwerkern übertragen. Die guten Erfahrungen mit diesen Wagenpflegewagen führte zur Beschaffung von Kraftwagen-Werkstattzügen, um in besonders gefährdeten Gebieten bei Ausfall oder Überlastung ortsfester Kraftfahrzeugwerkstätten schnell die ordnungsmäßige Instandsetzung von Kraftfahrzeugen zu ermöglichen. In den Werkstattzügen
arbeiteten Kraftfahrzeughandwerker unter der Leitung erfahrener Meister des Kraftfahrzeughandwerks.
Um Schwierigkeiten in der Ersatzteilbeschaffung zu überbrücken und im Interesse einer wirtschaftlichen Lagerhaltung die Beschaffung von Er¬satzteilen und Reifen zu zentralisieren, wurde im April 1940 ein Zentralersatzteillager des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen errichtet. Den einzelnen Staffeln wurde ein Mindestbestand der wich¬tigsten Ersatzteile in besonderen Ersatzteilwagen zugewiesen und laufend wieder aufgefüllt.
Diese durch die Weiterführung der Westwallbauarbeiten unter Feindeinwirkung ausgelösten organisatorischen und betrieblichen Änderungen im Reparaturdienst legten ihre eigentliche Bewährungsprobe ab, als am 10. 5. 40 die großen Angriffsschlachten im Westen begannen. Mit den Armeen des deutschen Heeres rückten auch die Frontoberbauleitungen der Organisation Todt vor und setzten die zerstörten Straßen und Brücken wieder instand, oder führten sonstige heereswichtige Bau-, Aufräumungs- und Transportarbeiten aus. Bei der großen Vormarschgeschwindigkeit und der Überbrückung der weiten Räume der besetzten Gebiete konnte naturgemäß auf den Unterhaltungszustand der Kraftfahrzeuge keine große Rücksicht genommen werden. Durch den überanstrengten Einsatz stieg die Zahl der Reparaturfahrzeuge zwangsläufig stark an. Mit Hilfe der Kraftwagenwerkstattzüge wurde jedoch dem Anschwellen der Reparaturquote rasch Einhalt geboten. In Anlehnung an die Werkstattzüge wurden bald in geeigneten Werkstatt- und Fabrikräumen Behelfswerkstätten eingerichtet. Soweit dabei Werkstattzüge und Staffeln die fehlenden Einrichtungen, Werkzeuge und Maschinen nicht beschaffen konnten, sorgte das Zentralersatzteillager für schnellen Nachschub.
Schon zu Zeiten des Westwalleinsatzes hatte der ständige Mangel an geeigneten angemieteten Lastkraftwagen dazu geführt, daß der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen nach und nach Staffeln GL-eigener Lastkraftwagen zum Einsatz brachte. Da diese GL-eigenen Staffeln nur aus Fahrzeugen gleicher Größe und vor allem gleicher Fabrikate bestanden, war der Reparaturdienst bei ihnen naturgemäß viel leichter und schneller durchzuführen, als bei den Staffeln, die aus angemieteten Fahrzeugen verschiedenster Größe und vor allem der verschiedensten Fabrikate bestanden. Erfreulicherweise konnte die Zahl der GL - eigenen Staffeln mit einheitlichem Wagenpark aus den großen Beständen der Beutefahrzeuge vergrößert werden. Schwierigkeiten bei der Instandhaltung und Instandsetzung von Fahrzeugen fremdländischer Fabrikate traten dank der Geschicklichkeit und des Könnens der deutschen Kraftfahrzeughandwerker kaum auf. Beutefahrzeuge, deren Herrichtung oder Instandsetzung sich nicht mehr lohnte, wurden im Interesse der Ersatzteilversorgung ausgeschlachtet.
Bei den deutschen angemieteten Lastkraftwagen waren die Schwierigkeiten in der Ersatzteilbeschaffung im besetzten Gebiet besonders schwer, weil die Ersatzteilwagen der Staffeln ja nur die gebräuchlichsten Teile mitführen konnten. Bei größeren Instandsetzungen oder Fehlen außergewöhnlicher Ersatzteile mußten die Hauptschirrmeister die Lastkraftwagen der Heimat- Oberbauleitung zuleiten. Ein hier verbliebener Schirrmeister sorgte dann für schnelle und ordnungsmäßige Instandsetzung.
Nach der Rückkehr der geflüchteten ausländischen Zivilbevölkerung wurden mancherorts die Belegschaften der Werkstattzüge durch aus¬ländische Facharbeiter verstärkt, es wurden auch ausländische Kraftfahrzeugwerkstätten wieder in Gang gebracht und mit der Instandsetzung der OT - Fahrzeuge unter der Aufsicht der Schirrmeister der Hauptkolonnen beschäftigt. Für die Instandsetzung der am meisten eingesetzten Wagenfabrikate wurden mit der Zeit deutsche Vertragswerkstätten aus der Heimat in die besetzten Gebiete herangezogen. Es ist das Verdienst auch der gerade in diesen Werkstätten beschäftigten Kraftfahrzeughandwerker, wenn die in der ersten Zeit des Vormarsches ungewöhnlich hoch emporgeschnellte Reparaturquote bald wieder auf ein erträgliches Maß herabgedrückt und damit die Einsatzfähigkeit möglichst vieler Kraftfahrzeuge erhalten werden konnte. Mit dem Auslaufen der Westwallbauarbeiten wurden die Heimatoberbauleitungen aufgelöst und die Arbeiten der Schirrmeister bei den Heimatoberbauleitungen auf die Schirrmeister der Lastkraftwagen- Leitstellen übertragen, die inzwischen an wichtigen Grenzübertrittsstellen von der Heimat zum besetzten Gebiet eingerichtet worden waren. Das im Westfeldzug bewährte System des Lastkraftwagen - Einsatzes und des Reparaturdienstes ist dann ohne große Änderungen auch beim Einsatz der OT- Kraftwagenleitung auf allen anderen Fronten angewandt worden.
Wenn man bedenkt, daß nicht wenige Lastkraftwagen, die vor Jahren als gebrauchte Lastkraftwagen zum Westwalleinsatz kamen, jetzt noch an allen Fronten bei der OT in hartem Einsatz stehen, so zeugt das nicht nur für die Güte der deutschen Kraftwagenherstellung, sondern auch für die ungeheuren Leistungen des Kraftfahrzeughandwerks beim Westwalleinsatz wie bei den Frontoberbauleitungen der OT an allen Fronten.
 

Auszug: 31. JANUAR 1942 / HEFT 5 / KRAFTHAND
 

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