Wie wir vorgehen - Arbeitsweisen - Verfahren

Immer wieder tauchen mal  Fragen  auf: wie läuft sowas ab, wie geht das, wie macht ihr das, wie geht ihr vor, wie kommt ihr zu dem Ergebnis oder wieso muß man sich in dieser Luftschutzanlage  anders verhalten  als in der anderen usw.  Solcherlei und andere Fragen versuchen wir nun auf dieser Seite zu beantworten. Da wir ziemlich viel, auch unterschiedliche Vorgehensweisen haben und manchmal auch nur über Umwege zum Ziel kommen, wird diese Seite mit Fragen und Antworten so nach und nach wachsen.

Archivarbeit / Archivrecherche - bedeutet in erster Linie sehr viel lesen. Meist machen das beim SBB (Studienkreis Bochumer Bunker) Wilfried Maehler für Bochum und Kai Ohlenbostel für den Dortmunder Bereich. Um dahin zu kommen, das lesen zu können was man benötigt heißt i.d.R. erst mal mit den entsprechenden Archiven zu telefonieren um zu fragen was zu dem Thema überhaupt archiviert ist. Der zweite Schritt sind die “Findbücher” der Archive. Hier sind die gelagerten Schriftstücke und Akten mit Laufzeiten verzeichnet. Sind passende Materialien gefunden, gibt man eine Bestellung zur Aushebung auf. Liegen die angeforderten Bücher, Akten, Pläne oder Fotos im Lesesaal auf dem Tisch, kann man diese studieren. Das Procedere ist in fast allen Archiven ähnlich. Die erlangten Kenntnisse auch mitnehmen zu können ist eine andere Sache. In manchen Archiven ist mühsames abschreiben angesagt und Kopien kosten Geld.  In anderen Archiven kann man selbst kopieren, was den ganzen Bestellvorgang erheblich erleichtert und beschleunigt. Es gibt aber auch Archive, in denen man das benötigte Wissen mittels Fotoapparat ablichten kann. Auf diese Art sind in kürzester Zeit ganze Akten ohne zusätzliche Kosten abgelichtet (Digitalkamera) und zu einem späteren Zeitpunkt oder bei Bedarf auswertbar. Wilfried Maehler z.B. bevorzugt diese effektive Möglichkeit. Daneben muß man auch wissen was und wie gebaut wurde. Die theoretischen Grundlagen des Luftschutzes sind hier unerläßlich. Das wiederum bedeutet erst einmal lernen aus einschlägigen Fachbüchern  und Gesetzestexten bis hin zu Bauvorschriften und Durchführungsverordnungen.

Auswertung von Archivmaterialien, Akten Fotos usw. - Dieser Bereich ist sehr umfangreich und bedarf größeren Zeitaufwandes. Dies ist vermutlich an dem nachfolgenden Beispiel am besten zu verdeutlichen: Gesucht wurden Akten aus der Nachkriegszeit, die offene Rechnungen beinhalten. Also Forderungen, die in der Kriegszeit entstanden sind, aber nach dem Krieg noch nicht beglichen waren.  Rechnungen, Lieferscheine und Bestellungen hatten in vielen Fällen Ortsangaben zu den jeweiligen Baumaßnahmen. So z.B. : Lieferung von 15 m 3-adriges Kabel mit 2,5 mm2  für den Luftschutzstollen XYZ - Straße Nr. xx. Somit gehen wir erst einmal davon aus, daß  a) der Stollen an der angegebenen Straße zumindest vorgetrieben wurde und   b) daß der Stollen elektrifiziert war, also fertig ausgebaut sein kann. Kommen andere Angaben aus anderen Akten dazu, wie z.B. Stollen XYZ - Straße Nr. xx geplant und gebaut für 500 Personen, wird die ganze Angelegenheit manchmal spannend, da es sich um ein größeres System handeln könnte. Letztendlich sind gelegentlich Angaben über die Gesamtvortriebs - und Ausbaumaßnahme zu finden, und wenn zu dem genannten Beispiel ein Vortrieb von lediglich 15 m angegeben wurde, wäre dieser kurze Stollen für 500 Menschen bestimmt nicht ausreichend. Gibt es Altbergbau, bzw. tagesnahen Bergbau an der Stelle, liegt die Vermutung nahe, daß mit dem Vortrieb nur die vorhandenen Grubenbaue angefahren und zum Luftschutz umgebaut und verwendet wurden. Deswegen können manchmal völlig unscheinbare Kenntnisse im Zusammenhang gesehen zu fruchtbaren Ergebnisse führen.

Statische Beurteilung - heißt für uns erst einmal im schlimmsten Fall, meist bei Deckungsgräben, Luftschutzkellern oder  betonierten Stollen,  ein  oder mehr Löcher in die Wände bohren, damit wir die Wandstärke messen können. Bei überirdischen Luftschutzbunkern ist die Feststellung der Wandstärke wesentlich einfacher. Hier messen wir die Außenkanten und den inneren Bereich aus. Die halbierte Differenz ergibt  die Wandstärke.   Mit der Kenntnis der Betongüte, der  Wandstärke und der festgestellten Armierung werden Druck und Zugfestigkeiten der Wände und Decken errechnet. Hier Anzumerken ist, daß beim Bau der Bunker und Betondeckungsgräben mindestens  eine Betongüte von B 250 verarbeitet wurde.

Bei Felsanlagen in Gewölbeform besteht  die wichtigste Feststellung aus Ermittlung der Gesteinsart und deren Zustand. Hieraus leiten wir die Druckfestigkeiten ab, woraus sich dann die Standfestigkeit feststellen läßt. Punktuelle geologische Störungen werden gesondert bewertet. Sobald ein aktiver Verbruch lokalisiert wird, sichern wir diesen im Bedarfsfall mit dem Einbau von Stützen, Rahmen oder Vollausbau ab.

Als Hilfsmittel dienen hier einschlägige Bau- und Materialtabellen, aus denen Druck - und Zugfestigkeiten wie auch die Biege- und Bruchfestigkeiten wie auch Scherkräfte  hervorgehen.

Vermessung der Luftschutzanlagen - Hier findet unser Einsatz unter erschwerten Bedingungen statt. Die alten Bauwerke und Stollen haben in der Regel keinen Stromanschluß und somit auch keine elektrisches Beleuchtung. Wir vermessen solche Anlagen also in einer dunklen Umgebung unter Einsatz unserer Eigenbeleuchtung (Helmleuchte) und zusätzlichen Akkustrahlern. In normalen, rechtwinkeligen Luftschutzbunkern ist fast nur das auf einen Millimeter genaue Lasermeßgerät im Einsatz. In Stollen verwenden wir ein digitales Winkelmeßgerät und einen Nivellierlaser, so daß wir auch hier sehr genaue Ergebnisse zustande bekommen.

Vermessungsergebnisse - Konstruktion - Zeichnung- Wenn eine Anlage vermessen wurde, haben wir zunächst erst einmal ein vollgeschriebenes und mit Linien versehenes Stückchen Papier, das i.d.R. wegen, von der Decke herabfallenden Tropfen, durchfeuchtet ist. Mit dieser Grundlage versehen, geht es ab zum PC. Alle Messungen dienen der Nachkonstruktion der vermessenen Anlage. Hierzu setzen wir die CAD - Programme Autocad (Architekture) und Archicad 11 ein. In besonderen Fällen, wenn Bedarf vorhanden sein sollte, konstruieren wir die vermessenen Anlagen auch in der dritten Dimension, so daß diese räumlich gezeigt werden können, Schnitte nach Wunsch erfolgen können und Höhen etc. visualisiert werden. Zudem pflegen wir die vor Ort erlangten Kenntnisse georeferenziert in die entsprechenden Kartenwerke ein.

Planung von Befahrungen und Begehungen - Eine Befahrung alter Stollen ist nicht immer ungefährlich. Deshalb recherchieren wir zunächst, um was für einen Stollen es sich handelt. Was für ein Ausbau ist zu erwarten, welche Zustände können in der Anlage herrschen, ist der Stollen in einem standfesten geologische Umfeld aufgefahren (z.B. Fels),  wie sind die hydraulischen Gegebenheiten, wie ist die Bewetterung und wie könnte man diese im Bedarfsfall verbessern und viele Fragen mehr versuchen wir zu klären, bevor wir irgendwo reingehen.  Sind möglichst viele Informationen im Vorfeld zusammengetragen, wird zunächst die notwendige Ausrüstung zusammengestellt. In manchen Fällen sind wir hierbei auf Hilfe angewiesen. I.d.R. helfen uns  die Eigentümer der Stollen, bzw. Luftschutzanlagen, gerade wenn   Mittel oder Geräte benötigt werden, die wir nicht haben. Haben wir alles soweit zusammen, wir festgelegt wer was macht, angefangen vom Erstbegeher bis zur rückwärtigen Absicherung. Die erste Befahrung dient einzig der Feststellung sicherheitsrelevanter Gegebenheiten. Verbruchzonen werden lokalisiert und Schädigungen der Bauwerke festgestellt.

Die Mitnahme von Interessierten z.B. wird erst dann ermöglicht, wenn wir zuvor  bestehende Gefahrenquellen lokalisiert , bzw. gesichert haben. Hierzu gehören neben Schachtabdeckungen auch die Beseitigung von gefährlich aus der Wand herausragenden Drähten und dergl. . Wenn wir jemanden das erste mal in den Untergrund - oder ins dunkle mitnehmen, wissen wir, daß man sich zunächst daran gewöhnen muß. Die ungewohnte Umgebung, auf den dünnen Strahl einer Taschen - oder Helmlampe angewiesen, eine Vielfalt von Eindrücken und schon kann ein übersehener Draht in passender Höhe  im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen.

 

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