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1.Mai - Feiertag

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Diese Veröffentlichung von 1935 anläßlich des 1. Mai-Feiertages ist aus heutiger Sicht schwer nachzuempfinden, zumal moderne und sozial eingestellte Menschen eigentlich einen Feiertag  durchweg positiv betrachten. Heroische Sprüche in der Nazizeit dienten ausschließlich der Gleichschaltung und der Vorbereitung , mithin der Stimmungsmache und Meinungsbildung des Volkes für den geplanten Krieg. Worte wie: Führertum, artgemäß, Verpflichtet sein und blutsmäßig sind dementsprechend voll in ihrer Schwere kritisch zu betrachten und tauchten auch in anderen Publikationen  auf.  

Zum nationalen Feiertag des Deutschen Volkes:
Der Ingenieur in der Front der Arbeit
Von Dr.-lng. E. h. Karl Arnhold VDI Deutsches Institut  für   nationalsozialistische technische Arbeits-Forschung und -Schulung (DINTA),    Düsseldorf
 

Am 1. Mai feiern Millionen deutscher schaffender Menschen das Fest der Arbeit, den nationalen Feiertag des Deutschen Volkes. Sie feiern es im Gefühl innerer Verbundenheit, im Geiste einer auf Gedeih und Verderb zusammengeschweißten Kameradschaft und zugleich im Bewußtsein der Bürde und Würde der Aufgaben, woran sie verantwortlich mitzuarbeiten haben.
Sie feiern das Fest der Arbeit in jener von Jahr zu Jahr geschlossener werdenden Betriebsgemeinschaft, die Führer wie Gefolgschaft umschließt, und sie feiern es in der Gesinnung, die im Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit einen ebenso großartigen wie umfassenden Ausdruck gefunden hat.
Wir wollen an diesem Tage, der der lebendigen Gegenwart menschlichen Schaffens und Wirkens geweiht ist, nicht auf das Vergangene zurückblicken. Wir wollen und können uns nicht mehr daran erinnern, wie noch vor gar nicht allzu langer Zeit der Haß durch unsere Betriebe ging, wie der Arbeiter gegen den Unternehmer, der Ingenieur gegen den Meister, der „Vorgesetzte" gegen den „Untergebenen" aufgehetzt und ausgespielt wurde. Diese Zeit ist für uns endgültig tot. Heute stehen wir alle in einer Front der Arbeit, ganz gleich, an welchem Platze der einzelne wirkt.
Die Tatsache, daß wir in einer Arbeitsfront stehen, daß eine Arbeitsidee uns eint und unserm Schaffen und Wirken den Sinn gibt, legt uns allen, ganz besonders aber uns Ingenieuren eine neue Verantwortung und mit der Verantwortung eine neue Aufgabe auf: wir sind gewissermaßen der Stab des Betriebsführers, wir sind seine unmittelbaren Helfer und Beauftragten, aber wir sind zugleich, mit ihm und mit der Gefolgschaft, die Träger der nationalsozialistischen Arbeitsidee und damit des Arbeitsfrontgedankens. Mit ändern Worten: wir sind in unserer Arbeit, in unserm ganzen Tun und Lassen mitverantwortlich für den Geist, in welchem im Betriebe gearbeitet, gewirtschaftet und — was das Wichtigste ist — geführt werden soll.
Der deutsche Ingenieur von heute ist nicht mehr der ausschließlich sachgebundene, der Materie verhaftete, in der Welt der Maschinen und der Organisation stehende Techniker von früher. Er ist, bei all seinem Wissen und Können, bei all seiner Meisterschaft in der Beherrschung der Sachwelt, nicht mehr jener „Virtuose der Technik", wie er uns in den Zeiten grundsätzlicher Rationalisierung und Mechanisierung der großgewerblichen Wirtschaft entgegentrat. Vor allem: er ist nicht mehr der Träger und Vertreter technischer Stoffgläubigkeit und Vernunftsgläubigkeit, der den Bereich seiner Arbeit voraussetzungslos gemacht und aus allen weltanschaulichen Zusammenhängen gelöst hatte. Der Ingenieur von heute weiß und fühlt, daß es über das Rationale hinaus noch andere Aufgabenbereiche, noch andere Pflichtenkreise gibt, Aufgaben und Pflichten, die ausgesprochenermaßen erzieherisch sind; und diese erfüllt er nicht auf Grund seines technischen Könnens, sondern auf Grund seiner politischen und geistespolitischen Verantwortung. Das heißt: er setzt in dem ihm anvertrauten Betriebe das Rationale ebenso ein wie das Irrationale, in der Erkenntnis, daß sich die leibseelische Ganzheit des Menschen nur so erfassen und — einsetzen läßt.
Hieraus ergibt sich nun für den Ingenieur, der in der Front der Arbeit steht, eine ganze Reihe von Aufgaben gegenüber der Gefolgschaft. Die nationalsozialistische Arbeitsidee fordert den unabdingbaren Vorrang des Menschen gegenüber dem, was im Betriebe „Sachwelt" heißt. Genauer gesagt: der Ingenieur hat als Träger der nationalsozialistischen Arbeitsidee die Möglichkeit und die Pflicht, die gesamte Betriebsführung vom Menschen aus zu entwickeln und auf den Menschen auszurichten. Auf eine kurze Formel gebracht bedeutet dies nichts anderes, als das Arbeiten in der Wirtschaft artgemäß zu machen. Wir müssen also die Eigenart des deutschen Arbeitsmenschen, seine rassische Veranlagung, seine „Kräfte im Blute" erkennen und in der Arbeit zur Geltung bringen; und zugleich sind diese Kräfte auf ein ganz klares und jedem verständliches Ziel hin auszurichten, das sowohl der Eigenart des Betriebes wie der Eigenart der Arbeit als solcher entspricht. Indem wir bewußt und planmäßig die deutsche Art zur Geltung bringen, schaffen wir zugleich die Voraussetzungen für die Bestform der Arbeit und für die Höchstleistungen, die wir in unserer gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Lage haben müssen, um als Volk bestehen zu können. Mit der artgemäßen Gestaltung der Arbeit steht und fällt die deutsche Betriebsführung.
Der Ingenieur in der Front der Arbeit ist in erster Linie Führer, und von seinem Führertum aus sucht er auch nach der rechten Form einer deutschen Betriebs - und Wirtschaftsführung. Er achtet und weckt die soldatischen Tugenden des deutschen Arbeitsmenschen, und so tritt er unter allen Umständen für das ein, was auf die kämpferische Veranlagung des Deutschen Bedacht nimmt: hierzu gehört in erster Linie Gerechtigkeit, und zwar Lohngerechtigkeit, Ansehen nach Leistung und Fähigkeit, gerechte Behandlung (nicht „gute" oder „schlechte" Behandlung!). Der Begriff der Ehre, der Treue, der Pflicht und der Kameradschaft umschreibt die charakterliche Auswirkung des Soldatischen in seiner ganzen Fülle. Damit werden zugleich die altgeheiligten Grundsätze deutschen Führertums umrissen: jenes „Vorbildsein", jenes „Verpflichtetsein" und jenes „Persönlichkeitsein", das zu allen Zeiten den Führer gekennzeichnet hat.

Der Ingenieur als Führer im Betriebe zeigt aber auch seiner Gefolgschaft jenes Wissen um Sinn und Zweck der Arbeit, um Weg und Ziel des Schaffens, das die, man kann sagen, artgemäße Voraussetzung für Leistung und Erfolg ist. Der Ingenieur muß seiner Gefolgschaft das Betriebsgeschehen durchsichtig machen, nicht zuletzt durch klare Anweisungen bei der Arbeitssteuerung.
Eine alte, auf die militärische Ausbildungspraxis zurückgehende Erfahrung zeigt, daß bei gemeinschaftlicher Arbeit die „Arbeitsanweisung" nicht klar und einfach genug sein kann. Das Soldatische im deutschen Menschen verlangt ein erkennbares Kampfziel, somit auch ein erkennbares Arbeitsziel, dem sich alle mit aufgeklärtem Gehorsam unterordnen wollen und können. Der Ingenieur hat es zum guten Teil in der Hand, wenn im Betriebe danach verfahren wird. Er erzieht sich und seine Mitarbeiter und weckt ihre schöpferischen Kräfte, wenn er immer aus der Erkenntnis heraus handelt, daß jede erfolgreiche Führung, sei sie nun soldatisch oder politisch, auf den artgemäßen Grundlagen beruht, aus denen das deutsche Charakterbild im Laufe der Jahrhunderte geprägt und geformt wurde.
Was für den soldatischen und für den politischen Führer gilt, gilt sinngemäß auch für den Betriebsführer und seinen Stab. Wir kennen alle die starken inneren Reibungen, die früher die betriebliche Arbeit oft so unerquicklich gemacht haben, und darum spüren wir es heute ganz besonders, wie gleichsam ein Aufatmen durch die Betriebe geht: die Gefolgschaft will den starken Führer, den „ganzen Kerl", und darum lehnt sie das Unpersönliche, das Nur-Sachliche und Nur-Organisatorische unbewußt ab.
Der Betrieb ist heute die Kampfeinheit der nationalen Produktion geworden, und dem Ingenieur, der in dieser Kampfeinheit, in dieser „Führungseinheit" des Betriebes leitend wirkt, der nicht nur das Technische, das Sachliche, das Organisatorische beherrscht, sondern der in der Front der Arbeit eine geistespolitische Aufgabe erfüllt, erwächst aus der neuen Sinngebung des Betriebes auch die neue betriebliche Aufgabe: es genügt nicht, daß er die Sachwelt meistert, daß er zu planen und zu berechnen, zu konstruieren und auszuführen versteht, daß er also, kurz gesagt, das „Instrument Betrieb" meisterhaft beherrscht. Er muß darüber hinaus die Gefolgschaft schulen und erziehen, er muß Facharbeiter heranziehen, für den Nachwuchs sorgen, Erwachsene anlernen, die Unterführer schulen, sich um geeignete Mitarbeiter bekümmern und nicht zuletzt für die Gefolgschaft Aufstiegsmöglichkeiten schaffen, und dann muß er die Gefolgschaft führen, ihre Kräfte wecken, gleichrichten und auf ein Ziel hin ausrichten. All das erfordert Charakter, innere Kraft, Begeisterungsfähigkeit und ausgesprochene Persönlichkeitswerte.
Der deutsche Ingenieur war schon immer ein Meister der Sachwelt; er war sich seiner Pflichten in bezug auf Ausbildung und Erziehung der ihm Unterstellten vielfach bewußt geworden. Aber daß er nun in der Front der Arbeit auch Aufgaben der Gesamtführung übernehmen soll, das ist etwas grundlegend Neues. Es läßt sich nicht verschweigen, daß ihm in den letzten Jahren — die Gründe hierfür sind an sich gleichgültig — die Führung im Betriebe entglitten ist. Um so mehr muß er sich heute seiner neuen Aufgaben bewußt werden. Der Ingenieur des Dritten Reiches ist nicht nur Sachwalter der Betriebe, sondern er ist — und darin besteht seine wichtigste Aufgabe — der Führer der „Kampfeinheit Betrieb".
Damit er dieser Aufgabe gerecht werden kann, ist eine Reihe von Voraussetzungen zu erfüllen: er muß sich die Grundlagen der Führungskunst aneignen, jener Kunst, die zwischen der sachlichen Bedingtheit des Betriebes und der menschlichen Eigengesetzlichkeit die Synthese findet. Eine ausgezeichnete Vorarbeit in dieser Hinsicht leisten die HJ, SS und SA, der Arbeitsdienst und
das Praktikantenjahr, nicht zu vergessen die Hochschule und die Ingenieurverbände. Zu Führerkunst und Führererziehung kommt dann die Führerauswahl: das technischwissenschaftliche Können, die gesammelten Erfahrungen sind die Grundlage, aber ausschlaggebend sind die Führereigenschaften. Seit Jahren haben wir in den DINTA-Führerkursen junge Ingenieure für ihre Aufgaben im Betriebe zu schulen versucht. Entscheidend aber erscheint mir der Geist, wie er sich in einem geschlossenen Führerkorps, in einer alle verpflichtenden Gemeinschaft, in einem Orden gewissermaßen herausbildet, wo Menschen gleicher Haltung, gleicher Gesinnung und gleicher Verpflichtung in einer großen und umfassenden Idee gebündelt sind. Denn nichts formt und prägt den Menschen mehr als die Gemeinschaft, worin er steht.
Das heißt: Wir müssen alles daransetzen, daß wir aus der praktischen Forderung des Nationalsozialismus an die Technik ein berufsstolzes, von hoher Ehrauffassung durchdrungenes Ingenieurkorps schaffen. Der Ingenieur als Offizier der Wirtschaft, so könnte man kurz und schlagwortartig das Ziel ausdrücken, das uns vorschwebt. Dazu gehört aber dreierlei: daß die Schaffung dieses Korps den Ingenieurverbänden als eine einheitliche, übergeordnete Aufgabe gestellt wird; ferner, daß geeignete Schulungsstätten für den lehr- und lernbaren Teil der Führerschaft geschaffen werden (wie es das DINTA schon seit Jahren getan hat), und daß ein Band der Ehre alle dem Ingenieurkorps Angehörigen umschlingt.
Gerade als Ingenieure wissen wir, daß die uns gestellte Führeraufgabe im Betriebe besonders schwierig ist. Wir kennen aus jahrelanger Erfahrung den starken Einfluß der Sachwelt in der rauhen Wirklichkeit des Betriebes. Aber weil wir diese eckige und nüchterne Wirklichkeit kennen, wissen wir auch, daß die Synthese zwischen der betrieblichen Bedingtheit und der menschlichen Eigengesetzlichkeit nicht restlos aufgeht: es bleibt immer ein Rest, den man nur mit zusammengebissenen Zähnen und mit Opfer und Pflicht erledigen kann. Als Führer im Betriebe muß der Ingenieur diesen Rest tragen und — verantworten.
Wir feiern in wenigen Tagen mit unserer Gefolgschaft das Fest der deutschen Arbeit. Wir feiern es mit Kameraden, die mit uns Schulter an Schulter zusammenwirken, die uns vertrauen und die sich auf unsere Führung verlassen. Wir dürfen als Ingenieure nie vergessen, daß wir im Betriebe blutsmäßig wertvollste Menschen in ihrem ureignen Element, in ihrer Arbeit zu lenken, zu leiten und zu beeinflussen haben, und daß unser Verhalten auf die Gefolgschaft geradezu entscheidend einwirkt. Der Gefolgschaftsmann mißt den Nationalsozialismus, die nationalsozialistische Arbeitsidee in der betrieblichen Arbeit an uns Ingenieuren. Wir müssen der Gefolgschaft in allem und jedem Vorbild sein, und wir dürfen sie niemals auch nur im kleinsten enttäuschen. Die nationalsozialistische Arbeitsidee ist dem neuen deutschen Ingenieur zum Kernpunkt seines ganzen Wirkens geworden, und nur durch sie ist es ihm möglich, das technische Können und Wissen mit dem Führergedanken und der darin beschlossenen Führerverpflichtung zu vereinen. Insofern ist die Arbeit des Ingenieurs undenkbar ohne eine ausgesprochen politische Verantwortung.
Der Ingenieur als Führer betreut deutsche Menschen; ihm ist also eine Aufgabe gestellt, wie man sie sich höher und verantwortungsreicher nicht zu denken vermöchte. Ausbildung und Führung im Betriebe muß und soll unsere Lebensaufgabe werden, für die es wieder lohnt zu leben, zu kämpfen und zu opfern. Wenn wir am Tage des Festes der deutschen Arbeit uns zu dieser unserer Lebensaufgabe bekennen, tun wir es als Kämpfer für die nationalsozialistische Arbeitsidee, der wir uns mit Leib
und Seele verschrieben haben!


Quelle: VDI Zeitschrift, Bd. 79, Nr 17, 27.4.1935, S. 507 / 508