Von der Grubenwehr zum Luftschutzeinsatz

Allgemein

“Das Grubenrettungswesen umfaßt alle Maßnahmen und Einrichtungen zur Rettung von Menschen und zur Erhaltung von Sachwerten nach Explosionen, bei Grubenbränden und anderen Ereignissen im Bergbau unter Tage, bei denen giftige Gase und matte Wetter auftreten.
Die Grubenbaue können nach Explosionen, großen Bränden oder Gasausbrüchen infolge der zwangsläufigen Wetterführung auf weite Erstreckung hin von giftigen Gasen, Rauch oder sauerstoffarmen Wettern durchzogen sein, die auf diese Weise einen großen Personenkreis gefährden.”

Die  ersten bergbaulichen Gasschutzgeräte waren Hilfsmittel zur Rettung verunglückter Bergleute und sollte ihnen Selbstrettung ermöglichen. Deswegen wurde dies  im Bergbau  als Grubenrettungswesen bezeichnet, während  es sich über Tage (z.B. in Kokereien) um Gasschutz handelt.

Geschichtlicher Abriß

Die ersten Aufgaben der Hauptstelle

 Die Mitglieder wurden verpflichtet


 Dienstgebäude
1921 wurde das Haus Rellinghauser Straße 118 in Essen bezogen. In den oberen Stockwerken wohnten die Angestellten der Hauptstelle. Das Erdgeschoß enthielt Büro- und Lagerräume für Geräte und Ersatzteile sowie einen Vortragsraum. In einem Hintergebäude war die 300 m lange, hufeisenförmige Übungsstrecke mit einem Beobachtungsraum in der Mitte untergebracht. Unterteilt war der Raum in vier Sohlen, deren oberste nur kriechend, die dritte nur in gebückter Stellung befahren werden konnte. Aus der Übungsstrecke führten Nottüren zu den Beobachtungslaufgängen. In der Übungsstrecke befanden sich mehrere Fahrschächte, ein Blindschacht, ein Haspelberg und ein Arbeitsplatz zum Errichten von Dämmen, dazu eine Signalanlage und eine Lüftungseinrichtung. Die Befahrung der ganzen Übungsstrecke dauerte 20—30 Minuten. Die Größe dieses Übungsraumes, die bei Übungsstrecken sonst nicht zu finden war, ermöglichte dem Gerätträger eine ausreichende Beurteilung der Leistungsfähigkeit seines Gerätes und gab der Aufsicht einen Maßstab für die Leistung der übenden Mannschaften. Das Übungshaus und seine Einrichtungen wurden Muster für Übungsstrecken vieler Betriebe. Beweis für die Brauchbarkeit und die zweckgerechte Einrichtung des Übungshauses war die Tatsache, daß es auch von der Bergschule Essen sowie von 13 Schachtanlagen der näheren Umgebung für ihre Übungen benutzt wurde, wobei die Angestellten der Hauptstelle die Übungen überwachten.
Im neuen Heim verstärkte die Hauptstelle nunmehr die Untersuchungen der Gasschutzgeräte und befaßte sich besonders auch mit der Entwicklung und Beschaffung geeigneter Prüfeinrichtungen für diese Geräte.


Versuchsreihen 

 
Die mit dem Aufbau der Hauptstelle eingeführte weitgehende Dezentralisation des Grubenrettungswesens in der Form, daß jede selbständige Schachtanlage über eine freiwillige Grubenwehr mit einer Grubenrettungsstelle verfügte, hatte sich bewährt. Angesichts der Ausdehnung des Reviers und der großen Zahl der Betriebe von etwa fünfzig verschiedenen Gesellschaften war,  von der Aufstellung einer zentralen Berufswehr wie auch von der Gründung mehrerer Hauptrettungsstellen abgesehen worden. Auch wurden der Hauptstelle und den Grubenwehren keine anderen Aufgaben, wie etwa eine Verbindung ihrer Arbeit mit dem Sanitätsdienst oder dem Feuerschutz über Tage, zugeteilt. Diese Organisation hat sich als richtig und zweckmäßig erwiesen. Für den schnellen Einsatz im Notfalle genügten die von wenigen Gesellschaften aufgestellten Berufswehren. Hauptaufgabe der Grubenwehr geborgene Verunglückte so schnell wie möglich aus dem Gefahrenbereich heraus in die Bereitschaftsstelle zu bringen, wo Sanitäter oder Ärzte Hilfe leisten. durchgeführt wurden. Hauptrettungspläne dieser Art sind nach dem Vorbild des Ruhrgebiets 1936 in allen anderen Hauptrettungsbezirken des deutschen Bergbaus aufgestellt worden. Die Hauptstelle beschränkte sich weiterhin auf die Aufsicht über das gesamte Grubenrettungswesen des Reviers; sie konnte trotz des weiten Bereichs und des großen Aufgabenkreises mit einem Mindestaufwand an Kräften gemeistert werden.  Die Praxis erwies es als zweckmäßig, daß die einzelnen Gruben selbständig Arbeiten kleineren Umfangs im Gasschutzgerät erledigen und dabei ihre eigenen Erfahrungen machen, die dann von der Hauptstelle gesammelt und der Allgemeinheit vermittelt werden. Lediglich bei größeren Unglücken haben Nachbarzechen Hilfe zu leisten. Dadurch standen bei schweren Unglücken  Grubenwehrmannschaften und Geräte in ausreichender Zahl zur Verfügung.  Nicht nur im Ruhrbezirk hatte sich die Hauptstelle mit ihrer Tätigkeit zunehmend durchgesetzt und Anerkennung gefunden, auch außerhalb ihres Bezirks wurde sie immer mehr bekannt. Sie wurde deshalb verschiedentlich in Ernstfällen zur Beratung hinzugezogen und auch bei der Gründung oder beim Ausbau ähnlicher Einrichtungen in anderen Bergbaurevieren wie auch in anderen Industriezweigen gehört.  Auf Wunsch veranstaltete die Hauptstelle Gasschutzlehrgänge für Leiter und Dezernenten öffentlicher und industrieller Feuerwehren, für Beamte der Polizei, für Angehörige von Berufsfeuerwehren sowie für Werkluftschutzleiter. Sie stellte ihre Räume für Ausbildungslehrgänge im Werkluftschutz des Steinkohlenbergbaus zur Verfügung. Zahlreiche beamtete Ärzte, Studenten und Bergschüler wurden in das Wesen des Gasschutzes eingeführt. Sachverständige Besucher aus verschiedenen  Ländern  unterrichteten sich über Einrichtungen und Arbeiten der Hauptstelle und über die Organisation des Grubenrettungswesens. Die leitenden Personen der Hauptstelle nahmen an den Internationalen Kongressen für Rettungswesen und Erste Hilfe in Amsterdam, Kopenhagen und Zürich teil und hielten dort Vorträge über ihr Fachgebiet. Schließlich wirkte die Hauptstelle bei der Herstellung von Lehrfilmen und bei der Gestaltung verschiedener Ausstellungen auf dem Gebiete der Unfallverhütung mit. Die Ausbildungstätigkeit und die Überwachung der Betriebe konnten in den ersten Kriegsjahren noch in der üblichen Weise weitergeführt werden. Die Forschungs- und Prüfarbeiten im Laboratorium wurden zunächst nach Kriegsausbruch eingestellt und erst in den folgenden Jahren in zunächst beschränktem Umfange wiederaufgenommen. In den ersten Kriegsjahren arbeitete die Hauptstelle   an der Verbesserung der Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung von Grubenbränden. Dazu dienten Versuche zum Abdämmen von Bränden mit Glaswolle und die Erprobung einer Pumpe zum Verschlammen von Bränden. Das Bereitschaftslager wurde ergänzt und konnte den Betrieben bei der damals schwierigen Beschaffung von Material helfen. Die Entwicklungsarbeiten an den Bergbaulöschgeräten wurden abgeschlossen. Richtlinien für Bau und Zulassung dieser Geräte wurden entworfen und der Bergbehörde eingereicht. Damals ist für die Geräte die Prüfung auf Löschfähigkeit durch die Versuchsgrube und auf technische Verwendbarkeit durch die Hauptstelle vorgeschrieben worden.
Die praktische Grubenrettungstätigkeit während des Krieges bestand vor allem in Einsätzen bei einer erhöhten Zahl von Grubenbränden und auch nach Explosionen. Bandstreckenbrände nahmen weiter zu und forderten viele Opfer. 1940 -1945 wurden der Hauptstelle 23 Bandstreckenbrände gemeldet. Schwere Explosionen mit einer größeren Zahl von Verunglückten ereigneten sich auf den Zechen Hansa, König Ludwig, Zollverein, Bruchstraße, Fritz Heinrich, Dahlbusch, Sachsen und Grimberg; drei davon waren durch Grubenbrände verursacht. Auf Grimberg wurde der Lüfter durch Bomben beschädigt. Infolge unzulänglicher Bewetterung konnten sich Schlagwetter ansammeln, die vermutlich durch verbotswidriges Rauchen eines ausländischen Arbeiters entzündet wurden. Auf König Ludwig und Hansa waren unter den Verunglückten auch Angehörige der Grubenwehren.
Brand auf der Zeche Kaiserstuhl l, in deren Haupteinziehschacht 3 eine oberhalb der 7. Sohle zum Schutz bei Abteufarbeiten eingebrachte 19 m dicke Faschinenbühne, vermutlich durch Kabelkurzschluß, in Brand geriet. Die in die Grubenbaue ziehenden Brandschwaden gefährdeten die in der Nachtschicht angefahrene Belegschaft von 366 Mann. Infolge Ausfalls des Lüfters am Ausziehschacht, 10 Minuten nach Ausbruch des Brandes, schlug unter der Einwirkung des Brandes die Wetterführung in Schacht l um. Bei der Aufgabe von Wasser in den Brandschacht schlug die Wetterführung wieder um. Die Wassermenge mußte nun so geregelt werden, daß der Schacht ausziehend blieb. In Schacht 1 fiel zudem die für die Bergung der Gefährdeten benutzte Hilfsförderung aus. 6 Grubenwehren mit insgesamt 129 Mann und 89 Bergbau- Gasschutzgeräten wurden eingesetzt. Dazu konnten in kurzer Zeit 42 Einstundengeräte und 42 CO-Filtergeräte von benachbarten Hüttenwerken beschafft werden. Diese Hilfsgeräte wurden den zu bergenden Bergleuten angelegt. Die Gefährdeten mußten nach Ausfall der Hilfsförderung durch vergaste Baue hindurch geborgen werden. Durch die Grubenwehren wurden auf diese Weise 264 Bergleute geborgen. 69 konnten selbst oder mit fremder Hilfe ohne Benutzung von Geräten ausfahren, 35 konnten nur noch tot geborgen werden. Zu Wiederbelebungszwecken waren gleichzeitig 17 Pulmotoren eingesetzt.
Insgesamt wurden 1940 - 1945  258 Einsätze von Grubenwehren verzeichnet. 13 davon entfallen auf Explosionen, 235 auf Bekämpfung von Grubenbränden und 10 auf Vorgehen in matten oder bösen Wettern. In 36 Fällen erfolgte der Einsatz zur Bergung von Menschen, wobei unter Verwendung von Gasschutzgeräten 353 Bergleute gerettet wurden, davon allein 264 beim Schachtbrand der Zeche Kaiserstuhl. Die Höchstzahl der Einsätze zur Brandbekämpfung fällt mit 51 in das Jahr 1941, die niedrigste mit je 33 in die Jahre 1944 und 1945.
Bei diesen Einsätzen ereigneten sich 29 Unfälle und Zwischenfälle, von denen 14 tödlich verliefen. Allein 9 wurden durch Sprechen oder Nebenheratmen neben dem Mundstück verursacht, 4 durch undichten Anschluß der Maske und mehrere durch Wärmestauung beim Vorgehen in feuchtwarmen Wettern. Die Hauptstelle gab deshalb die Empfehlung heraus, bei Temperaturen über 35° C die Einsatzdauer auf eine Stunde zu begrenzen. Zum Teil gehörten die Verunglückten der Grubenwehr erst kurze Zeit an und waren vermutlich nicht genügend ausgebildet.
Im Gebäude der Hauptstelle verblieben nur der Bürobetrieb und die für Einsätze erforderlichen Geräte. Diese Verlagerung führte zur Einstellung der Laboratoriumsarbeiten. Im April 1944 mußten die Ausbildungstätigkeit ganz eingestellt und die Überprüfungen der Einrichtungen für das Grubenrettungswesen eingeschränkt werden. Die häufigen, oft langdauernden Fliegeralarme erschwerten die Anfahrt für die Lehrgangsteilnehmer und störten den Unterricht.
Durch Bomben und Kampfhandlungen waren Verkehrseinrichtungen, Kanäle und vor allem die Bahnanschlüsse der Zechen weitgehend zerstört und auf vielen Zechen die Anlagen mehr oder minder stark beschädigt. Die letzten Kampfhandlungen  lahmten das wirtschaftliche Leben vorübergehend fast vollständig. Zeitweilig kam auch der Betrieb auf den Zechen zum Erliegen. Die erforderlichen Arbeitskräfte fehlten. Nur allmählich lebten die Betriebe wieder auf; sie konnten in der ersten Zeit in dem zum Teil stark zerbombten Gebiet nur an die dringlichsten betrieblichen Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeiten gehen. Der Wiederaufbau zerstörter Anlagen auf den Zechen zog sich über Jahre hin.



Die Vorsitzenden des Vereins für die bergbaulichen Interessen
von der Einrichtung der Hauptstelle bis Kriegsende
1909 - 1912  Randebrock,   Generaldirektor Bergrat a. D.
1912 - 1925  Hugenberg,  Geh. Fimamzrat a.D. Reichsminister a.D.
1925 - 1927  Winkhaus, Generaldirektor Bergrat a. D. Dr.-Ing. E. h.
1927 - 1937  Brandi, Bergwerksdirektor Bergassessor a. D. Dr.-Ing. E. h.
1937 - 1945  Buskühl, Generaldirektor Bergassessor a. D.









Quellen:

Huske , Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Deutsches Bergbaumuseum 1998
Hauptstelle für das Grubenrettungswesen. Friedrich Krupp Grafische Anstalt, Essen, 1960

Aktuelle externe Links

Deutsche Grubenrettung

Atemschutzzentrum

Bezirksregierung Arnsberg

Dräger - von der Grubenrettung zum Dienstleister - PDF

 

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