Zur Sitemap

 

Fernsehen 1939

Benutzerdefinierte Suche
 

Fernsehen
Mitteilung aus dem Reichspostzentralamt
 

Die Freigabe des Fernsehrundfunks, die für die nächste Zeit bevorsteht, bedeutet einen gewissen Abschluß der technisch-wissenschaftlichen Entwicklung auf dem Fernsehgebiet; es wird nun ein regelmäßiger Betrieb durchgeführt werden. Über die Vorarbeiten hierfür wird im folgenden berichtet.
 
Die Einführung eines allgemeinen Fernsehrundfunks setzt fertig entwickelte und ausgearbeitete Fernsehaufnahme- und Fernsehempfangsgeräte voraus. Bevor mit einem Fernsehrundfunk begonnen werden konnte, mußten drahtlose Sender errichtet und erprobt und auch Kabel verlegt werden. Die Grundlage für jeden Empfänger und Senderbau bilden Vorschriften über die Art und Weise, wie die Fernsehsendung technisch ausgeführt werden soll (Fernsehnorm). Darüber hinaus waren auch Wirtschaftstechnische Aufgaben zu lösen, so die Frage nach dem Bau eines Empfängers, der der Kaufkraft möglichst weiter Kreise angepaßt ist und dabei doch einen technisch hochwertigen Empfang ermöglicht, eine Frage, die ihre Lösung in dem auf der Rundfunkausstellung 1939 erstmalig vorgeführten Einheits- Fernsehempfänger gefunden hat.
Durch eine Reihe von Veröffentlichungen sind die Ergebnisse der Entwicklungen im Fernsehgerätebau bekannt geworden, die Entwicklung der Bildfängerröhren, der Kathodenstrahlröhren u. a. m.; wir können uns daher darauf beschränken, jene betrieblichen und technischen Maßnahmen zu schildern, die der Einführung eines allgemeinen Fernsehrundfunks den Weg gebahnt haben, und deren letzte die Schaffung des Einheits-Fernsehempfängers ist.

Die deutsche Fernsehnorm
Fernsehen ist eine Übertragung von Bildern von Handlungen, Bewegungen, sich zeitlich ändernden Szenen auf elektrischem Wege. Um einen stetig verlaufenden Bewegungsvorgang auch dem Beobachter am Empfänger stetig verlaufend erscheinen zu lassen, müssen — wie bei einer Filmwiedergabe — mindestens 16 Bilder in der Sekunde übertragen werden. Die deutsche Fernsehnorm sieht 25 Bildwechsel je Sekunde vor; bei 25 Bildwechseln lassen sich Störungen aus dem 50 Hz-Netz in den Netzanschlußgeräten am einfachsten unwirksam machen.
Die Übertragung eines jeden Einzelbildes bedeutet — wenn wir uns das Bild als Schwarz- Weiß - Bild denken — die Übertragung der von Ort zu Ort schwankenden Helligkeit oder, anders ausgedrückt, die Übertragung der Helligkeitswerte der einzelnen Bildpunkte. Bei der gebräuchlichen Art der Bildfeldzerlegung (Rasterung) wird das Bild oben links beginnend in Zeilen aufgelöst, die unmittelbar untereinander liegen. Wir können uns nun weiter jede Zeile in quadratische Bildpunkte zerlegt denken. Ein Lichtstrahl, dessen Lichtstärke dem Helligkeitswert eines solchen Bildpunktes entspricht, löst in einer lichtelektrischen Zelle einen entsprechenden Strom aus, wobei die lichtelektrische Zelle über alle Helligkeitswerte innerhalb eines Bildpunktes integriert, d. h. sie mittelt. Die Größe des Bildpunktes begrenzt somit das Auflösungsvermögen, die Fähigkeit, Einzelheiten des Bildinhalts wiederzugeben. Nur eine sehr feine Zerlegung ermöglicht die Wiedergabe zahlreicher Einzelheiten.
Die Grenze für die Zerlegung liegt in der Durchlässigkeit der Übertragungskanäle, der Kabel und der drahtlosen Sender. Da wir nämlich aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht jedem Bildpunkt eine lichtelektrische Zelle und einen gesonderten Übertragungsweg (Vielkanalübertragung), sondern allen Bildpunkten nur eine lichtelektrische Zelle und einen Übertragungskanal (Einkanalübertragung) zuordnen können, so müssen wir die einzelnen Bildpunkte in schneller Reihenfolge nacheinander zur Einwirkung auf die lichtelektrische Zelle bringen. Den Helligkeitsschwankungen von Bildpunkt zu Bildpunkt entsprechen dann Stromschwankungen, und die den Bildinhalt darstellende Helligkeitsverteilung wird durch ein Frequenzspektrum wiedergegeben. Zerlegen wir nun das Bild in 441 Zeilen, so bedeutet das bei einem dem Film angepaßten Bildformat von 5 :6 eine Übertragung eines Frequenzspektrums von 0 bis etwa 3 • 106 Hz. Übertragungskanäle von einer größeren Durchlaßbreite können wir aber in absehbarer Zeit aus technischen und wirtschaftlichen Gründen dem Fernsehen nicht zur Verfügung stellen.
Die Wahl gerade der Zahl 441 für die Zeilenzahl gemäß der Deutschen Fernsehnorm ist in der Art und Weise begründet, wie diese Zerlegung vorgenommen wird. In elektrischen Bildfeldzerlegern — und ebenso in den Bildschreibröhren, den Kathodenstrahl-Empfängerröhren — wird ein Kathodenstrahl zeilenförmig über das Bild geführt. Die hierfür erforderlichen Ablenkgeräte (Magnetspulen) werden durch Stromstöße von Zeilenfrequenz bzw. Bildwechselfrequenz gesteuert, wobei an die Konstanz dieser Frequenzen sehr hohe Anforderungen gestellt werden müssen. Diesen läßt sich am einfachsten entsprechen, wenn wir alle Frequenzen durch Frequenzteilung in einfachen Verhältnissen wie 1:3, 1:5, oder 1:7 in mehreren Stufen aus einer Mutterfrequenz erzeugen. Zur Zahl 441 gehören 4 Stufen, l : 3, l : 3, l : 7 und l : 7.
Für die Bildwiedergabe im Empfänger wird heute durchweg eine Kathodenstrahlröhre (Braunsche Röhre) benutzt. Sie vereint in sich die Wirkung eines Lichtmodulators durch Umwandlung von Stromimpulsen in entsprechende Helligkeitswerte und eines Bildschreibers, indem sie das Empfangsbild Zeile für Zeile aufzeichnet. Ihre bevorzugte Verwendung in den Empfängern ist ferner darin begründet, daß die Helligkeit des Bildpunktes unabhängig von der Zeilenzahl ist, so daß auch bei sehr hohen Bildauflösungen keine Helligkeitsschwierigkeiten bestehen.
Beim Aufzeichnen der im Einkanalverfahren nacheinander übertragenen Zeilen muß der Kathodenstrahl nach Beendigung jeder Zeile von dem rechten Rand des Bildes zum linken zurückgeführt werden. Um die für diese Rückführung erforderliche Zeit zu gewinnen, muß die Bildübertragung nach jeder Zeile unterbrochen werden. Es werden kurzzeitig „Austastzeichen" gegeben; dazu wird der „Schwarzwert" gesendet, wodurch gleichzeitig erreicht wird, daß die Rückführung des bildschreibenden Kathodenstrahles so geschieht, daß er hierbei auf dem Leuchtschirm keine sichtbare Spur hinterläßt. Die Dauer des Austastzeichens beläuft sich auf rd. 11 % der Zeilenlänge. Für die Rückkehr des Kathodenstrahles vom Bildende zum Bildanfang nach Übertragung eines vollen Bildes oder eines Rasters ist eine längere Zeit erforderlich; die deutsche Fernsehnorm schreibt für diese Austastzeichen eine Dauer von elf Zeilen vor. da in diesem Falle eine Beeinflussung der Form des   Gleichlaufzeichens  durch  die  Bildzeichen »Vorgeschichte", stattfinden würde. In der deutschen Fernsehnorm wird daher dem Gleichlaufzeichen ein Vorzeichen — Austastzeichen von l % Zeilendauer — vorausgesetzt, und so die Erzeugung der Gleichlaufzeichen aus stets gleichem Pegel heraus ermöglicht. Die Festlegung des Gleichlaufzeichens für den Bild- bzw. Rasterwechsel kann wesentlich beeinflußt  werden  durch  das  Verfahren,  das zur  Trennung   der   Bildgleichlaufzeichen   von den Zeilengleichlaufzeichen benutzt wird.    Die deutsche Fernsehnorm wird am besten ausgewertet durch eine  Rückfrontsynchronisierung, wie sie von D. v. Oettingen  in Abwandlung des   Vorbereitungsverfahrens   von   R.   Urtel vorgeschlagen   wurde.    Als   Impuls   für   den Bild-   bzw.   Rasterwechsel   wird   ein  verlängerter Zeilenimpuls    verwendet,    dessen    Rückfront    (Wiederanstieg des Trägerstromes auf den Schwarzwert)  die Zeitmarke gibt.    Die Gleichlaufzeichen für Zeilen- und die für Bild-Wechsel bzw. die aus ihnen abgeleiteten Impulse werden nach einer Amplitudenselektion voneinander getrennt; die längere Dauer des Bildimpulses hat eine Überhöhung der Rückfront zur Folge. Die Dauer des Bildgleichlaufzeichens ist mit 35 % einer Zeilendauer so gewählt, daß sowohl in den ungeradzahligen wie in den geradzahligen Rastern die Zeilengleichlaufzeichen nicht gestört werden; die Erfahrung hat gelehrt, daß eine ununterbrochene Folge von Zeilengleichlaufzeichen zur Erzielung eines hochwertigen Bildes unerläßlich ist. Um eine völlige Kongruenz der Bildimpulse bei beiden Rastern zu erzielen, ist in den geradzahligen Rastern hinter dem Bildimpuls noch ein Halbzeilenimpuls eingetastet, Bild 1.
Die deutsche Fernsehnorm wurde in enger Zusammenarbeit der Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost mit den führenden deutschen Fernsehfirmen (Telefunken und Fernseh A.-G.) geschaffen. In ihrer nicht zu überbietenden Einfachheit und Klarheit stellt sie den besten Weg dar, der zur Zeit eingeschlagen werden konnte.

Die drahtlosen Fernsehsender
Für den „Fernsehrundfunk", die Übertragung von Fernsehsendungen auf drahtlosem Wege, kommen infolge der Breite des Frequenzbandes nur ultrakurze Wellen in Betracht. Wellen im Bereich von rd. 10 bis 50 m eignen sich auch deshalb nicht, weil in diesem Wellenbereich nur schwer zu beseitigende Echoerscheinungen stören. Dem Fernsehen ist daher gemäß Vereinbarung ein Bereich von rd. 5m (60 MHz) bis 7m (rd. 40 MHz) vorbehalten. /
Die von der Deutschen Reichspost für die drahtlosen Fernsehsendungen eingesetzten Sender in Berlin-Charlottenburg arbeiten auf Welle 6,67 m (45 MHz) für Ton und 6,28m (47,8 MHz) für Bild, Bild 2. Beide Sender sind von Telefunken gebaut. Der vor kurzem in Betrieb genommene Bildsender für 441 Zeilen-Bilder hat acht Stufen. Die erste quarzgesteuerte Stufe liefert eine Frequenz von 5,975 MHz. Die zweite und dritte Stufe bewirken Frequenzverdoppelungen. Die vierte Stufe ist eine Verstärkerstufe. Die fünfte Stufe ist die letzte Frequenzverdoppelungsstufe, die nunmehr die Betriebsfrequenz von 47,8 MHz liefert. Die sechste Stufe ist abermals eine Verstärkerstufe. Die beiden letzten Stufen sind mit je zwei wassergekühlten Röhren RS 257 in Gegentaktschaltung ausgerüstet. Der Sender ist für eine Ausgangsleistung von 30 kW bei einer Bandbreite von ± 2,5 MHz bemessen.
Die Bild- und Gleichlaufzeichen werden dem Sender von der Fernseh-Aufnahmestelle über ein koaxiales Kabel als Einkanalgemisch auf einem Träger von 8,4 MHz mit Seitenbändern von ± 2,5 MHz zugeführt. In einem Kabelendverstärker, an dessen Eingang etwa 5 mW zur Verfügung stehen, wird dieses Einkanalgemisch .zunächst in sechs Gegentaktstufen auf 2 X 150 W verstärkt. Das aus Bild- und Gleichlaufzeichen bestehende Gemisch wird dann demoduliert. In darauf folgenden Gleichstromverstärkern werden durch Amplitudenselektion Bild- und Gleichlaufzeichen voneinander getrennt. Die Gleichlaufzeichen werden in zwei, die Bildzeichen in einer Verstärkerstufe verstärkt und dem Modulator zugeführt. Die höhere Verstärkung der Gleichlaufzeichen ist durch die Krümmung der Modulationskennlinie im unteren Teile bedingt. Der Modulator besteht aus fünf parallelgeschalteten Röhren für die Bildzeichen und fünf gleichen parallelgeschalteten Röhren für die Gleichlaufzeichen. Durch Parallelschalten sämtlicher Anoden im Ausgang wird das Einkanalgemisch wieder hergestellt und mit einer Ausgangsleistung von 10 kW der letzten Sendestufe zugeführt. Dort erfolgt die Modulation durch Widerstandskoppelung als Gitterspannungsmodulation.
Die Stromversorgung geschieht — mit alleiniger Ausnahme der Anodenspannung des Modulators — mittels Gleichrichter, und zwar Glühkathoden- oder Selengleichrichter.
Die große Bandbreite der Fernsehübertragung verlangt eine entsprechende Durchlaßbreite des Ultrakurzwellensenders. Das hierfür erforderliche Dämpfungsmaß, das Verhältnis von Wirkleistung zu Blindleistung, läßt sich wegen der nicht zu unterschreitenden Eigenkapazität der Röhre und der verteilten Leitungskapazität nur durch Erniedrigung der Anodenspannung der Röhre erreichen; damit geht aber gleichzeitig die Nutzleistung herunter. Durch Verwendung von Großoberflächenkathoden aus thoriertem Wolfram ist dies wieder ausgeglichen.
Die Antenne ist als 1/2-Strahler ausgebildet mit möglichst kleinem Wellenwiderstand. Der Blindwiderstandsgang, d. h. der mit der Seitenbandfrequenz zunehmende Anteil des Blindwiderstandes, ist weitgehend ausgeglichen. Im Wellenbereich von 5 bis 7 m ist die sicher ausnutzbare Reichweite der Sender nicht wesentlich größer als die optische Sicht. Es empfiehlt sich daher, die Antennen der Fernsehsender auf hohen Türmen, in Berlin z. B. auf dem Funkturm, zu errichten. Es lassen sich so große Städte mit ihren Vororten gut mit Fernsehsendungen versorgen. Auch eine Errichtung der Sender auf hohen Bergen kann vorteilhaft sein. Planmäßige Untersuchungen der Ausbreitungs- und Empfangsbedingungen durch die Deutsche Reichspost haben ergeben, daß der Brocken im Harz und der Feldberg im Taunus sich als Standorte von Fernsehsendern eignen. Auf beiden Bergen wurde daher ein Fernsehsender errichtet.

Das Breitbandkabelnetz der Deutschen Reichspost
Schon vor dem Umbruch hat der Führer den Rundfunk als eines der wichtigsten Mittel der Staatsführung bezeichnet; seit der Machtübernahme durch den Führer ist er zum Sprachrohr des Führers, der Partei und der Reichsregierung geworden. Ein derartiger Einsatz des Rundfunks, die Besprechung aller Sendeeinrichtungen des Rundfunks von einer einzigen Stelle aus, wird durch das hochwertige Rundfunkübertragungs-Leitungsnetz der Deutschen Reichspost ermöglicht, ein Kabelnetz, an das bei einer Reichsübertragung die höchsten Anforderungen gestellt werden. Für einen Fernsehrundfunk benötigen wir ein Kabelnetz, das noch wesentlich höheren Anforderungen genügen muß. Beim Fernsehen werden die Kabelverbindungen nicht nur für die gleichzeitige Beschickung mehrerer Fernsehsender mit dem gleichen Programm gebraucht, sie sind auch erforderlich, um Fernsehaufnahmen aus dem Freien an den Sender heranzubringen, sowie zur Übertragung von Fernsehsendungen in Fällen, in denen eine drahtlose Übertragung nicht möglich oder nicht zweckmäßig ist. Für alle diese Zwecke hat die Deutsche Reichspost ein besonderes Breitbandkabelnetz ausgelegt und zur Verfügung gestellt.
Frequenzbänder von der Breite, wie wir sie bei Fernsehübertragungen benötigen, lassen sich wirtschaftlich nur über besonders gebaute Kabel, die Breitbandkabel, übertragen, die unter Verwendung neuartiger Isolierstoffe mit geringem dielektrischen Verlustwinkel im ganzen Frequenzbereich, guter Verarbeitbarkeit und hoher mechanischer Festigkeit gebaut sind.
Eine andere Bauart von Breitbandkabeln benutzt als Isolierstoff eine Polyvinylverbindung, das Styroflex. Die Breitbandkabel werden heute durchweg als koaxiale Kabel gebaut. In den Breitbandkabeln, die Frequenta als Isolierung verwenden (Bauart AEG), sind der Innen- und der Außenleiter durch in größeren Abständen voneinander angebrachte Scheiben aus Frequenta voneinander isoliert. Das Styroflex-Breitbandkabel (Siemens & Halske) besteht aus einem 5 mm starken Kupferdraht als Innenleiter, der durch eine Styroflexisolierung in Wendelform von dem Außenleiter getrennt ist; der Außenleiter hat eine lichte Weite von 18 mm und wird durch zehn in langem Schlag verseilte Kupferbänder gebildet, deren Lücken durch eine quergesponnene Lage Kupferdraht abgedeckt werden. Eine neuere Ausführungsform benutzt statt der einfachen Styroflexwendel eine zweischichtige Styroflexisolierung aus zwei Kordeln in doppelgängiger Schraubenlinie mit einer Zwischenschicht aus Styroflexband, Bild 4. Der Außenleiter wird in dieser neuen Ausführungsart aus Halbrohrbändern mit eingepreßten Sicken gebildet. Ein solcher Außenleiter ist gegen Verformungen und Verlagerungen sehr widerstandsfähig; die durch solche Änderungen des Durchmessers des Außenleiters bedingten Wellenwiderstandsschwankungen sind dadurch wesentlich verringert.
Das deutsche Breitbandkabel bildet den Kern eines Fernsehkabels mit papierisolierten Viererseilen oder Doppelleitungen, Bild 5. Durch die Unterbringung des koaxialen Kabels in der Mitte eines kombinierten Kabels und durch eine besondere Schutzschicht in Form eines Bleimantels ist erreicht, daß das koaxiale Kabel im gesamten Frequenzbereich praktisch störfrei ist. Für die beiden Übertragungsrichtungen sind zwei getrennte Kabel ausgelegt. Da wir also voraussetzen können, daß Außenstörungen und Nebensprecherscheinungen nicht vorhanden sind, können wir eine Verstärkerfelddämpfung von 7 N zulassen und dementsprechend den Verstärkerabstand wählen.
Durch die Verwendung der hochwertigen Isolierstoffe gelingt es, die Ableitungsdämpfung auf einen außerordentlich kleinen, kaum meßbaren Wert herabzudrücken. Die wirksame Dielektrizitätskonstante hat den sehr kleinen Wert 1,15. Die kilometrische Dämpfung des Kabels hängt dann als reine Widerstandsdämpfung nur von den Abmessungen des Kabels ab. Wirtschaftliche und technische Überlegungen haben zur Wahl der oben angegebenen Abmessungen der Leiter geführt. Das Styroflex-Breitbandkabel z. B. von Siemens & Halske hat bei diesen Abmessungen eine Dämpfung von 0,16 N/km bei l MHz Bandbreite und 0,32 N/km bei 4 MHz Bandbreite. Bei einer Verstärkerdämpfung von 7 N muß also alle 35 km ein Verstärker eingeschaltet werden bzw. alle 17 km. Diese Abstände passen sich gut den üblichen Verstärkerabständen des deutschen Fernkabelnetzes an, der rd. 70 km beträgt.

Bei der Planung des Breitbandkabelnetzes ist aus wirtschaftlichen Gründen vorgesehen, den Frequenzbereich von 0 bis etwa 1000 kHz (l MHz) für die trägerfrequente Übermittlung von bis zu 200 Ferngesprächen auszunutzen. Dementsprechend ist das Breite Band des Kabels in zwei Bereiche aufgeteilt, den Fernsprech- und den Fernsehbereich, deren Trennung und Zusammenfassung in den Zwischenverstärkern über Frequenzweichen geschieht.
Der Fernsehbereich des Breitbandkabels ermöglicht die Übertragung von Fernsehbildern nach der deutschen Fernsehnorm (441 Zeilen, 50 Raster in der Sekunde, Zeilensprungverfahren). Bei vollständiger Entzerrung und gleicher Auflösung in der Zeilenrichtung und senkrecht dazu, also bei quadratischem Bildpunkt, würde hierfür ein Frequenzband von 2,9 MHz erforderlich sein; lassen wir geringe, kaum merkbare Unscharfen zu, so genügt auch ein Frequenzband von 2,4 MHz. Da die Laufzeitunterschiede in koaxialen Kabeln bei tiefen Frequenzen sehr groß sind, und da bei einer Fernsehübertragung auch die Frequenz Null, die der mittleren Helligkeit entspricht, mitübertragen werden muß, so kommt praktisch nur eine trägerfrequente Übertragung in Frage mit einem Träger von rd. 4 MHz (genauer 4,167 MHz = 441 • 189-50 Hz). Mit Rücksicht auf die sonst zu hohe Frequenzbandbreite (5,8 MHz bzw. 4,8 MHz) muß man Einseitenbandübertragung wählen. Eine vollkommene Unterdrückung des einen Seitenbandes ist jedoch nicht möglich, da die Modulationsfrequenzen bis zur Frequenz Null reichen, eine Frequenzlücke zwischen den beiden Seitenbändern also nicht vorhanden ist. Das zweite Seitenband wird daher teilweise mitübertragen. Das zur Unterdrückung dieses Seitenbandes dienende Filter dämpft den Träger auf die halbe Amplitude, wobei der Übertragungsfaktor symmetrisch zum Träger verläuft. Die durch dieses Filter zusätzlich entstehende Laufzeitverzerrung ist sorgfältig ausgeglichen.
Das Breitbandkabelnetz der Deutschen Reichspost ermöglicht zur Zeit schon Verbindungen zwischen Berlin, Leipzig, Nürnberg und München; Hamburg wird in Kürze an dieses Netz angeschlossen, und Wien, Frankfurt a. M. sowie Köln folgen in einiger Zeit. Bis zur Fertigstellung der Zwischenverstärker für ein Frequenzband von 2,4 bzw. 2,9 MHz, die in absehbarer Zeit zu erwarten ist, arbeiten die ausgelegten Breitbandkabel-Verbindungen mit Zwischenverstärkern, die ein Band von 800 bis 1300 kHz übertragen. Dieses Frequenzband genügt zur Übertragung von Fernsehbildern mit 180 Zeilen und 25 Bildwechseln in der Sekunde. Alle 30 bis 40 km ist ein Verstärkeramt in die Leitung eingeschaltet, die dazwischenliegenden, für das breitere Frequenzband vorgesehenen Ämter sind zur Zeit durchgeschaltet worden. Die Übertragung ist im wesentlichen eine Einseitenbandübertragung mit einem Träger von 1,3 MHz. In dieser Weise wurden die Geschehnisse des Nürnberger Parteitages 1937 nach Berlin übertragen und dann über den Ultrakurzwellensender verbreitet. Diese Breitbandkabel-Verbindungen sind ferner für den Fernsehsprechdienst eingesetzt, ein Fernsprechen, bei dem die beiden Gesprächsteilnehmer sich gleichzeitig gegenseitig sehen.

Die Ausführungen lassen das Ausmaß der Vorarbeiten erkennen, die vor der Einführung des Fernsehrundfunks zu leisten waren. Wir haben drei bedeutsame Arbeitsgebiete herausgegriffen: die Schaffung der Fernsehnorm, die Errichtung drahtloser Sender und die Verlegung eines Breitbandkabelnetzes. Von nicht geringerer Bedeutung sind naturgemäß der Bau eines Fernsehaufnahmeraumes (Studio), der Bau von beweglichen Aufnahmegeräten u. a. m. Die Deutsche Reichspost hat die Entwicklung auf dem Gebiete des Fernsehens mit allen Mitteln gefördert mit dem Ziele, dieses wichtige Nachrichtenmittel in möglichst vollendeter Form bald in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. In dieser Richtung liegt auch die Schaffung eines Einheits-Fernsehempfängers, der auf der diesjährigen Rundfunkausstellung der Öffentlichkeit erstmalig vorgeführt wird, und der es weiten Kreisen ermöglichen wird, an dem kulturellen Fortschritt durch das Fernsehen teilzunehmen.

Quelle: VDI Zeitschrift, Bd. 83, Nr. 30 v. 29.6.1939 , S. 881 –884